Nachgefragt: Ein persönliches Statement von Bernd Fritzges in Bezug auf den gestrigen Corona-Gipfel

Bernd Fritzges

In einem persönlichen Kommentar teilt Bernd Fritzges als Unternehmer der Meeting- und Eventbranche zu den aktuellen und bevorstehenden Entscheidungen der Bundesregierung seine Wahrnehmung.

Auf Nachfrage der Pregas-Redaktion für ein Statement in Bezug auf den gestrigen Corona-Gipfel und der daraus resultierenden Situation für die Veranstaltungswirtschaft sendete Fritzges uns ein Video, welches wir im Folgenden transkribiert haben.

„Zitat: ‚Täuschung der Öffentlichkeit – Politiker von Regierung und Opposition haben auf zwei Bundesdemos, vielen Landeskundgebungen und in drei Sitzungen des Rettungsdialogs mit der Veranstaltungswirtschaft glaubwürdig versichert, dass sie das Sonderopfer dieser Branche verstanden haben. Unter anderem Finanzminister Scholz signalisierte öffentlich, dass genügend Geld für den Sektor bereitstehe.‘ Zitat Ende

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So hieß es noch vor einer Woche in der Pressemitteilung von #AlarmstufeRot womit die Glaubwürdigkeit von Herrn Scholz ja indirekt hinterfragt wurde.

Herr Scholz, der zu Beginn der Pandemie davon sprach, dass ausreichend Fördermittel noch aus der Bankenkrise vorahnden sei und jeder gute, kleine und mittelständische Unternehmer ja so einen guten Kontakt zu seinem Bänker pflege.

Herr Scholz, der rhetorisch gekonnt in Talk Shows Vertretern der DEHOGA erläuterte, dass ihre Forderungen unter dem Deckmantel der Pandemie alter Wein in neuen Schläuchen sei.

Herr Scholz, der eine Überbrückungshilfe zu verantworten hat, die bis heute nicht angekommen ist.

Ich könnte jetzt so weiter machen, aber insgeheim hatte ich ja bereits gehofft, dass #AlarmstufeRot nicht recht behalten wird, jedenfalls nicht indem von ‚Täuschung‘ gesprochen wurde. Ich glaube einfach, Herr Scholz und seine Kolleginnen und Kollegen in politischen Ämtern wussten es nicht besser. Oder wie kann man sich sonst zum Beispiel erklären, dass ein potentieller Kanzlerkandidat der CDU der Meinung ist, dass es sich um Mobbing handelt, wenn ein Bundesparteitag mit 1000 Delegierten in diesen Tagen abgesagt werden muss. Manchmal frage ich mich, ob solche Menschen sich auch selber hören?

Glücklicherweise meldete #AlarmstufeRot bereits einige Tage später ‚Veranstaltungswirtschaft in Novemberhilfen endlich berücksichtigt‘! Das Ergebnis ist zweifellos unter anderem ein Verdienst dieser Initiative und auch als Vertreter eines Dienstleistungsunternehmens der Meeting- und Eventbranche sage ich: Vielen Dank! Doch während hier angepasst wurde, soll morgen bereits die Neuauflage des Infektionsschutzgesetzes verabschiedet werden. Und schon wieder lauert Gefahr für die betroffenen Branchen mit diesem (Ent-)mächtigungsgesetz.

Nun haben wir gestern die mit Spannung erwartete Pressekonferenz unserer Bundeskanzlerin und der Ministerpräsidenten erwartet. Der große Wurf soll jedoch erst nächste Woche bekannt gegeben werden. Verbindliche Rechtsänderungen sollen folgen, ein längerfristig geltendes Corona-Konzept soll verabschiedet werden – jedenfalls langfristig gemessen in Corona-Zeitspannen. Es sollen Beschlüsse auf den Weg gebracht werden, die auch über den Jahreswechsel hinweg gelten sollen. Es soll Planbarkeit für die Bevölkerung geben, dafür müssten aber eine ‚Vielzahl von Problemen‘ angegangen werden.

Jetzt geht das Bangen und Hoffen für die Veranstaltungswirtschaft wieder los. ‚Sind wir Teil der Bevölkerung?‘, mag sich der ein oder andere fragen. ‚Werden wir in Bezug auf Hilfestellungen wieder getäuscht oder werden wir wieder durch Unwissenheit für die Branche vergessen?‘

Aber egal wie es sei, ob Täuschung oder Unwissenheit, Politik kennt nur eine Währung: Wählerstimmen! Und die Wähler sagen derzeit mit einer Mehrheit von 2/3, dass die Maßnahmen richtig sind. Witzigerweise sagt auch die in etwa gleiche Anzahl der Bundesbürgerinnen und Bürger, dass Restaurants, Cafés, Kinos und Theater wieder geöffnet werden sollen. Gar nicht so einfach, man merkt das Dilemma.

Was jedoch 2/3 der Wähler nicht wissen, dass die in den Nachrichten verkündeten Hilfen in der Vergangenheit bisher gar nicht ankommen sind. Es wäre schön, wenn der bevorstehende langfristige Masterplan das berücksichtigt. Denn das Einzige, was mich wirklich tierisch nervt, dass mir Menschen auf die Schulter klopfen und sagen: ‚Bernd, läuft ja wieder, die Regierung hilft euch ja!‘

Nächstes Jahr sind Bundestagswahlen und ich werde meiner Nachbarschaft, meinen Freunden und Verwandten nicht mehr erläutern, wie es um den Ausfall von Veranstaltungen bestellt ist, das merken viele auch in ihrem privaten Umfeld so bereits. Ich werde nur noch erzählen, was von den versprochenen Hilfen bei uns angekommen ist. Dann kann sich jeder selbst eine Meinung bilden ob Täuschung, Unwissenheit oder Glaubwürdigkeit. 

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Bildquelle: Thomas Loris


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