Geldanlage für Hoteliers: Liquiditätsmanagement mit Blick auf den Ruhestand

Geldanlage für Hoteliers: Liquiditätsmanagement mit Blick auf den Ruhestand

Die Praxis zeigt, dass auch viele grundsätzlich vermögende Unternehmer im Ruhestand über vergleichsweise geringe Einkommen verfügen. Daher kommt es in der Vermögens- und Ruhestandsplanung darauf an, dem Thema der Liquidität viel Aufmerksamkeit zu widmen.

Als Unternehmer sind Eigentümer in Hotellerie, Gastronomie und MICE gefragt, sich sehr dezidiert und frühzeitig um ihre Altersvorsorge zu kümmern. Gesetzliche Ansprüche bestehen in der Regel nicht, und nicht immer gelingt ein lukrativer Firmenverkauf, der so viel Geld in die Kassen spült, dass der Ex-Unternehmer dann von allen Sorgen befreit wäre. Zumal es bei der Altersvorsorge und damit bei der Vermögens- und Ruhestandsplanung nicht allein auf die Höhe des Vermögens ankommt.

In der Beratungspraxis zeigt sich häufig, dass auch wirklich vermögende Menschen über ein vergleichsweise geringes Einkommen verfügen, weil die Vermögenswerte illiquide sind beziehungsweise die Renditen nach Inflation und Steuern nicht ausreichen, um daraus angemessene Ausschüttungen zu erzielen. Das liegt an zwei typischen Fehlern. Zum einen ist zu beobachten, dass eigentlich große und für den Ruhestand völlig ausreichende Vermögen in renditeschwachen Immobilien und Beteiligungen gebunden sind. Um Geld zu erhalten, müssten diese Werte liquidiert werden. Aber das ist oftmals gar nicht möglich. 

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Zum anderen sind viele Menschen, und dabei gerade auch Unternehmer, schwer zu motivieren, etwas für ihren Ruhestand zu investieren. Das Problem: Für den klassischen Ruhestandsbeginn mit 67 wird üblicherweise ein „Was müsste ich tun?“-Szenario errechnet, das in der Regel bei weitem die Möglichkeiten übersteigt, will heißen: Der Berater leitet aus der Summe, die zum Ruhestandsbeginn zur Verfügung stehen soll, ab, wieviel Geld der Unternehmer ab sofort monatlich anlegen müsste, um diese Summe zu erreichen. Wie diese Summe entsteht, wird aber meistens nicht klar – und auch nicht, wie aus dem laufenden Einkommen monatlich die Entnahmen getätigt werden sollen, um die zumeist in einer Versicherungspolice gebundenen Vermögenswerte wirklich aufzubauen. Das bedeutet: Viele Analysen hinsichtlich der Altersvorsorge sind erstens unrealistisch und zweitens unbrauchbar.

Daher kommt es in der Vermögens- und Ruhestandsplanung darauf an, dem Thema der Liquidität viel Aufmerksamkeit zu widmen und alles dafür zu tun, auf der einen Seite die Liquidität beim Vermögensaufbau zu schonen und auf der anderen Seite gerade im Ruhestand ausreichend Liquidität für den Lebensunterhalt zu gewährleisten. Ein Liquiditätsmanagement, das seinen Namen verdient, ist daher das Gebot der Stunde. So kann beispielsweise mittels geeigneter Software genau analysiert werden, wann in der Ansparphase welche Summen für welches Ergebnis abgeschöpft werden müssen und wieviel Geld wann im Ruhestand zur Verfügung stehen muss. Erst diese Analyse liefert die tatsächliche Indikation dafür, welche Anlagestrategie mit welchem finanziellen Aufwand verbunden werden muss.  

Wichtig ist, dass mittels dieser ausführlichen Analyse die passende Sollstellung ermittelt wird – getreu dem Motto „Konzept vor Kondition“. Dabei geht es darum, die benötigte beziehungsweise gewünschte Nachsteuerrendite mit so wenig eigenem Einsatz wie möglich zu erreichen. Ist die Sollstellung erarbeitet, sind gegebenenfalls vorhandene Kapitalanlagen darauf zu überprüfen, ob diese geeignet sind, die Vorgaben zu erfüllen. Im letzten Schritt sind unabhängig von Produktanbietern Empfehlungen für verschiedene liquide und illiquide Asset-Klassen auszusprechen, die am besten zur strategischen Konzeption unter den typischen Gesichtspunkten „Rendite“, „Sicherheit“, „Konditionen“ und „Liquidität“ passen.

Das folgt einem einfachen Ansatz: Die „Therapie“ ist am Ende des Tages immer nur das Ergebnis einer qualifizierten „Diagnose“. Wer weiß, welche Möglichkeiten und Ansprüche er bei seiner derzeitigen und späteren Liquidität hat, kann professionell und strategisch agieren und Aufwand und Ergebnis in ein attraktives Verhältnis setzen. Das kann dazu führen, dass für mehr Ausschüttungen weniger Vermögen benötigt wird und eine Verschiebung von illiquiden zu liquiden beziehungsweise ausschüttungsstarken Anlageklassen und Produkten erfolgt. Letztlich geht es nur darum, die benötigte beziehungsweise gewünschte Nachsteuerrendite mit so wenig eigenem Einsatz wie möglich zu erreichen. Durch ein geschicktes Liquiditätsmanagement lässt sich so der Aufwand für die eigenen finanziellen Ziele um 30 bis 50 Prozent reduzieren.

Über den Autor

Haimo Wassmer (Wassmer Wealth Management – „WWM“) ist Finanzanalytiker in Bochum und bietet umfassende Expertise im Vermögensmanagement und in der Ruhestandsplanung. Er verwendet eine eigens entwickelte Software („LiquiMan“), um seinen Mandanten in der Beratung schnell und einfach verschiedene Szenarien in der Liquiditätsentwicklung simulieren zu können. Weitere Informationen unter Wassmer@wwm.finance 


Bildquelle: Canva


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