Marcel Schuckel, Donnerstag, 27. Februar, 2020

Lohnenswert für Hoteliers: Klassische Arbeitsstrukturen aufbrechen

Um motivierte und exzellente Mitarbeiter langfristig zu binden, kommt es gerade bei Hotel- und Tagungsunternehmen auf eine ansprechende Arbeitsatmosphäre nach New Work-Kriterien an. Doch Obacht: Einfach neue Möbel zu kaufen, ist nicht die Lösung.

Spricht man mit Hoteliers und MICE-Unternehmern über die drängendsten Probleme in ihren Betrieben, kommt die Sprache schnell auf den Mitarbeiter- und Fachkräftemangel. Immer mehr Unternehmer klagen über unbesetzte Stellen, hohe Fehlzeiten und den Schwierigkeiten, echte Spezialisten für besondere Aufgaben zu gewinnen. Und das hängt nicht einmal mehr nur am Gehalt, auch wenn die Bezahlung natürlich für Arbeitnehmer ein nicht völlig irrelevanter Aspekt ist.

Mindestens genauso wichtig ist aber auch die Gestaltung des Unternehmens als innovativer, wertschätzender Arbeitsumgebung. New Work ist das Stichwort. Nach der Definition des bekannten Zukunftsinstituts stellt New Work „die Potenzialentfaltung eines jeden einzelnen Menschen in den Mittelpunkt. Denn Arbeit steht im Dienst des Menschen: Wir arbeiten nicht mehr, um zu leben, und wir leben nicht mehr, um zu arbeiten. In Zukunft geht es um die gelungene Symbiose von Leben und Arbeiten.“ Oder anders gesagt: New Work steht für den Wandel zu einer freien Arbeitsweise, in der sich veraltete, klassische Arbeitsstrukturen im Zuge des neuen Zeitalters zu weicheren, flexibleren Vorstellungen verändern.

Das ist gerade bei Hotel- und Tagungsunternehmen wichtig, die über eine gehobene Anzahl an Verwaltungsmitarbeitern verfügen. Denn klar ist natürlich, dass sich im Servicebereich und der Küche nicht viel verändern lässt, und auch beim Empfangsbereich und bei den Betreuungskräften im Tagungsbereich ist es kaum möglich, Substanzielles im Sinne von New Work zu verändern. Aber ob Personal, Buchhaltung, Marketing oder Vertrieb: Gerade da, wo es auf echte Experten ankommt und vorrangig Bürotätigkeiten verrichtet werden, lässt sich eine innovative Arbeitsatmosphäre schaffen, die sich den Herausforderungen der digitalen Welt und den Ansprüchen jüngerer Generationen stellt.

Es wird mehr und mehr nötig, allgemeine Unternehmensstrukturen im Sinne der neuen, sogenannten Arbeitswelt 4.0 nach dem Vorbild der New Work-Bewegung anzupassen und dabei auch die Arbeitsplätze und Räume an sich nicht zu vergessen. New Work kann sich in zeitlich überkommener Architektur, nach klassischen Hierarchien aufgebauten Büros und starr gestalteten Arbeitsplätzen nicht entfalten: Im Kontext von New Work sind Unternehmen natürlich auch gefragt, sich durch die Raumkonzeption und das Innendesign auf diese neue, hochkommunikative Arbeitswelt einzustellen. New Work, die neue Arbeit, soll das Mittel sein, mit dem sich der Mensch als freies Individuum verwirklichen kann. Diese Anforderungen lassen sich durch eine bestimmte Architektur fördern, sodass neue Potenziale freigesetzt werden können. Kurz gesagt: Mit einem klassischen Bürodesign mit abgeschotteten Räumen und Arbeitsplätzen, schwerem Holz und wuchtigen Möbeln ist das kaum möglich.

New Work und eine entsprechende, adäquate Gestaltung haben immer auch mit Wertschätzung zu tun – Wertschätzung, die für die Generationen X, Y und Z besonders wichtig ist. Anerkennung funktioniert bei diesen Mitarbeitern vorrangig über interessante Tätigkeiten, freiheitliche Gestaltung der Tätigkeit, einen modernen Arbeitsplatz und Zugriff auf digitale Prozesse und Strukturen. Um dies zu erreichen, ist es für Hoteliers und MICE-Unternehmer unumgänglich, sich mit der Raum- und Arbeitsplatzkonzeption zu befassen. Das folgt der Auffassung: Nach rund zehn Jahren hat sich in der Regel nicht nur die Büroausstattung etwas abgelebt, sondern vor allem haben sich auch die Anforderungen an die Raumaufteilung, die Laufwege und die Kommunikationsmöglichkeiten verändert. Daher ist es wichtig, dass Unternehmer sich eingehende Gedanken über die Konzeption und die Gesamtarchitektur der Räumlichkeiten machen und dann erst an Schreibtische etc. denken. Wer nicht weiß, wie welche Möbel aufgestellt werden, welche Kommunikationstreffpunkte benötigt werden und welche digitalen Strukturen eingerichtet werden müssen, kann noch so teure Möbel kaufen – er wird damit keinen nachhaltigen Erfolg haben.

Vielmehr ist eine frische, junge Architektur gefragt, die dabei die Bedürfnisse der modernen Arbeitswelt aufnimmt und Lösungen dafür schafft, dass sich New Work verbreiten kann. Beherzigen Hoteliers und MICE-Unternehmer dies, ist der Weg frei dazu, mit motivierten Mitarbeitern in die Zukunft zu gehen.

Über den Autor

Diplom-Architekt Marcel Schuckel für die international tätige Dr. Holzinger GmbH mit Sitz in Heinsberg. Das 1966 gegründete Familienunternehmen entwickelt unter dem Motto „Wir setzen Marken in Szene“ für Unternehmen aller Größen und Branchen individuelle Markenkommunikationslösungen in der „360 Grad Messekonzeption“ und der „360 Grad Raumkonzeption“, zu denen auch die Gestaltung von Unternehmen nach New Work-Gesichtspunkten gehört. Weitere Informationen unter www.drholzinger.de
 
 
 


Bildquelle: Canva


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