Sven Cyganek, Freitag, 8. November, 2019

Gastgewerbe: Vor den finanziellen Folgen eines Cyber-Angriffs wappnen

Für Hoteliers, Gastronomen und MICE-Unternehmer ist es extrem wichtig, sich gegen Cyber-Vorfälle abzusichern und alle Maßnahmen für den Cyber-Wirtschaftsschutz zu ergreifen. Das kann sonst teuer werden.

Das „Allianz Risk Barometer“ des Industrieversicherers Allianz Global Corporate & Specialty (AGCS) hat im vergangenen Winter zum achten Mal die wichtigsten Risiken für Unternehmen weltweit untersucht. Das wichtigste Ergebnis der Versicherungsgesellschaft: Cyber-Vorfälle gehören gemeinsam mit Betriebsunterbrechungen (je 37 Prozent der Antworten) zu den größten Geschäftsrisiken weltweit. Erstmals rangieren beide Risiken im weltweiten Ranking nahezu gleichauf auf den Spitzenplätzen – damit setzen Cyber-Risiken ihren kontinuierlichen Aufstieg in dem Ranking fort.

Auch Hotel-, Gastronomie- und MICE-Betriebe können von solchen Angriffen betroffen sein. Schnell können Datenbank, vernetzte Buchungssysteme oder auch die Warenwirtschaft und Buchhaltung angegriffen werden, zumeist zum Zweck einer Erpressung: Cyber-Kriminelle fordern dann Geld, um betroffene Systeme wieder freizugeben. Oder auch nicht, denn Erpresser sind „treue Kunden“, wie sich ein Sicherheitsexperte zitieren lässt. In Zahlen ausgedrückt: Cyber-Kriminalität kostet laut der Studie heute schätzungsweise 520 Milliarden Euro pro Jahr, gegenüber 385 Milliarden Euro im Jahr 2014 (Quelle: Center for Strategic and International Studies). Dem gegenüber steht „nur“ ein durchschnittlicher wirtschaftlicher Schaden von 180 Milliarden Euro aus Naturkatastrophen über die letzten zehn Jahre.

„Während Kriminelle innovativere Methoden für Datenklau, Online-Betrug oder der Cyber-Erpressung einsetzen, wächst auch die Bedrohung durch Hackergruppen, die eng mit Nationalstaaten verbunden sind. Sie zielen darauf ab, Betreiber kritischer Infrastruktur zu attackieren oder wertvolle Daten oder Geschäftsgeheimnisse von ausländischen Unternehmen zu rauben“, heißt es bei der Allianz weiter.

Für Hoteliers, Gastronomen und MICE-Unternehmer ist es daher extrem wichtig, sich gegen diese Risiken abzusichern und alle Maßnahmen für den Cyber-Wirtschaftsschutz zu ergreifen. Dazu gehören natürlich umfassende technische Maßnahmen, aber genauso auch ein hinreichender Versicherungsschutz, um sich vor den finanziellen Folgen eines Cyber-Angriffs zu wappnen.



Eine Cyber-Versicherung ist daher – neben einer professionellen technischen Absicherung aller IT-Strukturen – eine sinnvolle Zusatzversicherung für Unternehmen, die Schäden im Zusammenhang mit Hacker-Angriffen oder sonstigen Akten von Cyber-Kriminalität absichert. Die Cyber-Versicherung umfasst in der Regel die Wiederherstellung und die Reparatur der IT-Systeme, die Beauftragung externer Computer-Forensik-Analysten, die Beauftragung spezialisierter Anwälte, professionelles Krisenmanagement und PR, Kreditschutz- und Kreditüberwachungsservices, die strafrechtliche Verteidigung (Internet-Straf-Rechtsschutz) und die notwendigen Mehrkosten zur Fortführung des Business. Daher kombiniert die Cyber-Versicherung Elemente Haftpflichtversicherung, einer Betriebsausfallversicherung und einer Datenversicherung für Dritt- und Eigenschäden in Form von Vermögensschäden. Wichtig: Die typischen Betriebsversicherungen wie Betriebshaftpflicht oder Vermögensschadenhaftpflicht sind in solchen Fällen nur eingeschränkt brauchbar und decken nur einen Teil der Risiken ab.

Auch wenn Cyber-Kriminalität sich gerade für kleine und mittlere Unternehmer wie eine irreale Gefahr anhört: Insbesondere der Mittelstand ist von solchen Attacken betroffen. Und die Folgen können immens sein. Man stelle sich vor, ein MICE-Unternehmen wird Opfer eines digitalen Angriffes, in dessen Rahmen der Server mit vertraulichen Kundeninformationen zu Tagungsgästen etc. geknackt wird. Dann haben Kriminelle Zugriff auf wichtige Informationen, können Kunden damit erpressen oder diese an andere Kriminelle weiterverkaufen. Das wiederum führt zu einem massiven Vertrauens- und Reputationsverlust für ein Unternehmen und begründet weitreichende Haftungsforderungen. Daher ist eine Cyber-Versicherung heutzutage ein Muss für alle Unternehmen. Daher sollten Unternehmer schnell eine Risikoanalyse gemeinsam mit einem versierten Berater vornehmen und auf dieser Basis eine individuell passende Cyber-Versicherung abschließen.

Über den Autor

Sven Cyganek ist Spezialist für Gewerbeversicherung der compexx Finanz AG, einem Expertennetzwerk für Finanzdienstleistungen. Die compexx Finanz AG verfolgt seit der Gründung vor 14 Jahren ein Allfinanzkonzept und betreut mittlerweile mehr als 60.000 Kunden in ganz Deutschland bei allen Fragen rund um Vermögen, Versicherung und Vorsorge. Das Unternehmen gehört mehrheitlich zur Versicherungsgruppe die Bayerische.
 
 
 


Bildquelle: Canva


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