Susanne Illerhaus

„Echte Verbindungen entstehen nicht zwischen Tür und Angel“ – Susanne Illerhaus über Networking mit Tiefe

Interviews MICE

Alexandra Bergerhausen im Gespräch mit Susanne Illerhaus über die Zukunft der MICE-Branche

Seit über 25 Jahren schafft Susanne Illerhaus mit ILLERHAUS Marketing Begegnungen, die in Erinnerung bleiben. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht klassische Networking-Events, sondern echte Verbindungen zwischen Menschen der MICE-Branche. Im Interview spricht sie darüber, warum außergewöhnliche Orte oft die besten Gespräche entstehen lassen, weshalb persönlicher Austausch heute wichtiger ist denn je und warum Vertrauen, Emotionen und echte Nähe künftig entscheidender sein werden als reine Business-Kontakte.

Susanne, seit über 25 Jahren bringst du mit ILLERHAUS Marketing Menschen der MICE-Branche zusammen. Was treibt dich persönlich bis heute an, immer wieder neue Networking-Formate zu entwickeln?

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Mich begeistert bis heute vor allem eines: Menschen zusammenzubringen. Es geht mir dabei weniger um das Format selbst, sondern um die Begegnungen, die daraus entstehen.

Oft beginnt alles mit einem besonderen Ort. Wenn ich eine Location entdecke, die mich emotional berührt, läuft bei mir sofort ein „Film“ im Kopf ab: Welche Menschen könnten dort zusammenkommen? Welche Gespräche könnten entstehen? Welche Atmosphäre braucht es dafür? Genau daraus entwickeln sich dann unsere Formate – ganz organisch.

Deine Events finden häufig an außergewöhnlichen Orten statt – auf Schiffen, Gipfeln oder Inseln. Warum entstehen gerade in solchen besonderen Settings oft die besten Gespräche und Kontakte?

Weil besondere Orte etwas mit uns machen. An inspirierenden Orten öffnen wir uns automatisch mehr, denken freier und lassen den Alltag leichter los. Genau dort entstehen oft die besten Ideen und Gespräche. 

Für mich ist ein Event immer ein Zusammenspiel aus Umgebung, Zeit, Atmosphäre und den Menschen vor Ort. Alles hängt miteinander zusammen. Und an außergewöhnlichen Orten entsteht oft genau die Energie, die echte Begegnungen möglich macht.

Der MICE Branchentreff Karlsruhe setzt bewusst auf „weniger Small Talk, mehr Substanz“. Warum braucht die Branche heute mehr denn je Formate, die echten Austausch statt reiner Visitenkarten-Momente ermöglichen?

Weil unsere Welt immer digitaler und technischer wird. Gerade deshalb gewinnen echte Gespräche und persönliche Begegnungen enorm an Bedeutung.

Am Ende entscheiden wir Menschen immer noch mit Gefühl. Ob eine Zusammenarbeit entsteht, hängt oft nicht nur von Fakten ab, sondern davon, ob die Chemie stimmt. Reines Visitenkarten-Tauschen reicht heute einfach nicht mehr aus.

Zeit ist wertvoll geworden. Deshalb möchten wir sie mit Menschen verbringen, die wir schätzen, denen wir vertrauen und mit denen echter Austausch möglich ist.

Auf der MS Karlsruhe steht der persönliche Dialog klar im Mittelpunkt. Was macht für dich ein wirklich wertvolles Networking-Gespräch aus – und woran merkst du, dass aus einem ersten Kontakt mehr entstehen kann?

Ein gutes Gespräch beginnt für mich mit echtem Zuhören. Nicht sofort verkaufen wollen, sondern verstehen: Was wünscht sich der andere? Welche Ziele stehen hinter einer Veranstaltung? Und vor allem – welches Gefühl sollen die Teilnehmer später mit nach Hause nehmen?

Heute geht es längst nicht mehr nur um Ausstattung oder Quadratmeterzahlen. Es geht darum, Erlebnisse zu schaffen, die Menschen nachhaltig begeistern.Wenn Offenheit, Vertrauen und echtes Interesse spürbar werden, entsteht oft schon im ersten Gespräch eine Verbindung, aus der später viel mehr wachsen kann.

Du betonst immer wieder, wie wichtig Vertrauen, persönliche Begegnungen und echte Verbindungen in der Eventbranche sind. Hat sich die Bedeutung von persönlichem Networking in den letzten Jahren noch einmal verändert?

Definitiv. Besonders seit 2020 haben viele Menschen noch bewusster gespürt, wie wichtig persönliche Begegnungen wirklich sind.

Gerade in Unternehmen mit Homeoffice-Strukturen braucht es Formate, die Teams wieder zusammenbringen und Verbindung schaffen. Menschen möchten gesehen werden, sich austauschen und gemeinsam etwas erleben.

Und genau dafür braucht es Vertrauen – in Menschen, in Beziehungen und auch in die Partner, die solche Formate gestalten.

Der anschließende Fam Trip Karlsruhe & Region gibt Eventplanern die Möglichkeit, Destinationen direkt zu erleben. Wie wichtig ist dieses „Vor-Ort-Gefühl“, wenn später konkrete Evententscheidungen getroffen werden?

Für mich ist dieses Gefühl sogar entscheidend. Bei einem Fam Trip erleben wir eine Destination mit allen Sinnen: die Atmosphäre, die Gastfreundschaft, das Essen, die Energie eines Ortes.

All das beeinflusst am Ende die Entscheidung für oder gegen eine Location. Wenn Eventprofis vor Ort begeistert werden, entsteht automatisch ein inneres Bild davon, wie dort später eigene Veranstaltungen aussehen könnten.

Dieses emotionale Erlebnis kann keine Präsentation ersetzen.

Im vergangenen Jahr feierte ILLERHAUS Marketing das Doppel-Jubiläum „25 Jahre ILLERHAUS Marketing & 20 Jahre MICE Branchentreff“. Wenn du auf diese Zeit zurückblickst: Worauf bist du besonders stolz?

Besonders stolz bin ich auf meinen Weg – mit allem, was dazugehört.

Ich bin als Hotelkind an der Mosel aufgewachsen. Dort war immer viel Leben: Gäste, Mitarbeiter, Veranstaltungen, Gespräche. Materiell hat es uns an nichts gefehlt. Gleichzeitig war das Hotelleben von harter Arbeit geprägt. Was mir als Kind jedoch oft fehlte, war Zeit, Nähe und das Gefühl, wirklich gesehen zu werden.

Heute weiß ich, dass genau daraus meine tiefe Sehnsucht nach echter Verbindung entstanden ist. Menschen zusammenzubringen, Begegnungen zu schaffen und anderen Wertschätzung zu schenken, ist für mich deshalb viel mehr als nur ein Beruf geworden.

Mit 30 habe ich mich selbstständig gemacht – in einer Branche, in der Sales und Marketing damals noch längst nicht den Stellenwert hatten wie heute. Natürlich gab es auf diesem Weg Höhen und Tiefen. Eine der prägendsten Zeiten war für mich Corona. Diese Zeit hat sich wie ein Trauma angefühlt, weil plötzlich die Angst da war, alles zu verlieren, was ich mir über Jahrzehnte aufgebaut hatte. 

Rückblickend hat mich genau diese Phase aber noch einmal wachsen lassen. Durch meine späteren Ausbildungen in Persönlichkeitsentwicklung und Transformation verstehe ich heute vieles anders. Ich erkenne inzwischen, wie sehr uns frühe Erfahrungen prägen und wie eng manche Ängste miteinander verbunden sind.

Besonders stolz bin ich deshalb nicht nur auf das Unternehmen, sondern auch darauf, immer weitergegangen zu sein – gemeinsam mit Menschen, die diesen Weg mit mir tragen. Mein Team bringt seit Jahren unglaublich viel Herz, Loyalität und Leidenschaft ein. Mein Mann begleitet mich seit 15 Jahren durch alle Höhen und Tiefen. Und auch mein langjähriges Netzwerk hat entscheidend dazu beigetragen, dass wir selbst schwierige Zeiten gemeinsam meistern konnten. Dafür empfinde ich heute vor allem große Dankbarkeit.

Wenn du heute einen Blick in die Zukunft wirfst: Welche Trends, Wünsche oder Veränderungen werden Networking-Events in der MICE-Branche in den kommenden Jahren prägen?

Technologie, KI und intelligente Matchmaking-Systeme werden Networking-Events sicherlich weiter verändern und bereichern. Gleichzeitig glaube ich aber, dass der Wunsch nach echten menschlichen Verbindungen noch stärker wachsen wird.

Mich beschäftigt zunehmend die Frage, wie wir Menschen bei Events nicht nur informieren, sondern wirklich berühren können. Werte wie Herzlichkeit, Wertschätzung, Haltung und Verbundenheit werden aus meiner Sicht immer wichtiger.

Je schneller und lauter unsere Welt wird, desto größer wird das Bedürfnis nach Orten, an denen Menschen ankommen dürfen. Genau darin sehe ich eine große Chance für die Eventbranche.

Unternehmen können mit Meetings, Kongressen und Events heute viel mehr schaffen als reine Informationsvermittlung. Wenn es gelingt, Mitarbeiter emotional abzuholen, entsteht echte Verbindung zum Unternehmen – und damit oft auch mehr Motivation, Identifikation und langfristige Bindung. Menschen möchten spüren, dass sie nicht nur funktionieren sollen, sondern dass echtes Interesse an ihnen als Mensch besteht. Genau das darf sich auch in Events widerspiegeln.

Diese Themen begleiten mich seit einigen Jahren sehr intensiv. Deshalb habe ich mich in den Bereichen Transformation, Persönlichkeitsentwicklung und Hypnose weitergebildet. In all diesen Themen geht es letztlich um Bewusstsein, Eigenverantwortung und die eigene Schöpferkraft.

Und ich finde die Vorstellung wunderschön, dass jeder Mensch das Glück bereits in sich trägt – und wir durch unsere Haltung und unser Miteinander genau das auch weitergeben dürfen.

Illerhaus
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