Geschrieben von Frank Kirsten, Dienstag, 6. März, 2018

Frühzeitige Planung: Steuerbomben vermeiden

Eine strategische zur lebzeitigen Unternehmens- und Vermögensübertragung ist ein Instrument für den Vermögensschutz. Die Strategie sollte aber gut geplant werden.

(PREGAS/Kirsten) Die Unternehmensund Vermögensnachfolge ist eine komplexe Angelegenheit. Schließlich wollen Eigentümer erarbeitete Vermögenswerte schützen und erhalten, um sie für die kommenden Generationen nutzbar zu machen. Damit dies funktioniert, brauchen Unternehmer natürlich einen gesellschaftsrechtlichen Nachfolger. Dieser sollte behutsam ausgewählt und unternehmerisch „entwickelt“ werden, um in die Verantwortung des Unternehmers und Vermögenseigentümers einzutreten. Dies braucht Zeit, gerade bei gewachsenen Familienunternehmen.

Auf der anderen Seite ist eine sorgfältige Planung auch aus steuerlicher Perspektive wichtig. Denn das Betriebs- und auch Privatvermögen kann durch einen fiskalischen Eingriff erheblichen Schaden erleiden. Dies ist besonders beim plötzlichen Erbfall relevant. Verstirbt ein Hotelier oder MICE-Unternehmer plötzlich, kann eine „Steuerbombe“ platzen, deren Wirkung nur durch eine einmalige Verschonung abgemildert werden kann.

Gerade in der gehobenen Hotellerie und dem internationalen MICE-Segment kann über die Jahre und Jahrzehnte hinweg durch substanzielle Unternehmensgewinne ein durchaus umfangreiches Privatvermögen entstehen; die Firmenwerte wachsen entsprechend mit. Gesetzt dem Fall, ein Unternehmer hat ein (liquides und illiquides) Privatvermögen von drei Millionen Euro angehäuft und bedenkt seine Frau und ein Kind zu gleichen Teilen, so kann die Frau ein verschonungsfähiges Vermögen von 500.000 Euro, das Kind von 400.000 Euro geltend machen. Der jeweilige Übertrag muss versteuert werden, das sind in diesem Verwandtschaftsgrad und der Größenordnung der Erbschaft 15 Prozent. Ist der Ehegatte im Rahmen des sogenannten Berliner Testaments Alleinerbe, fällt die Steuer auf 2,5 Millionen erworbenes Vermögen an.

Diese Steuerfalle können Unternehmer aber umgehen. Die Idee heißt lebzeitige Schenkung unter Ausnutzung von Freibeträgen – und das mehrmals. Dies ist alle zehn Jahre möglich. Im besagten Beispiel hätte das Vermögen durch drei solcher verschonungsfähigen Schenkungen vollständig steuerfrei übertragen werden können.

Dies ein natürlich ein komplexes Unterfangen, es geht um exakte steuerliche Planung und auch um Vertrauensvorschüsse – schließlich wird der Abkömmling verhältnismäßig früh am Vermögen beteiligt. Um eine lebzeitige Schenkungstrategie zu entwickeln, sollten sich Unternehmer Zeit mit der Familie und dem Steuerberater nehmen, soll eine optimale Struktur entstehen. Aber es ist Zeit, die sich lohnt. Je nach Vermögensumfang wird nämlich eine gewisse Zeitspanne benötigt, um den Vermögensschutz durch Steuervermeidung möglich zu machen. Wer früher plant, hat später mehr davon!

Das gleiche gilt im Übrigen auch für die Übertragung von Betriebsvermögen. Grob gesagt sind pro Erwerb 26 Millionen Euro Betriebsvermögen steuerfrei. Aber was ist, wenn zu einem Portfolio beispielsweise mehrere Hotels in guten Lagen gehören und allein die Grundstücke und Immobilien schon hohe Millionenwerte darstellen? Auch dann kann die lebzeitige Übertragung von Betriebsvermögen erhebliche Vorteile schaffen und im plötzliche Erbfall verhindern, dass für die Begleichung der Steuer möglicherweise Betriebsteile verkauft werden müssen.


Image (adapted) by Pixabay


 

Über den Gastautor:

Frank Kirsten

Frank Kirsten ist Steuerberater, Fachberater für Insolvenz und Sanierung, Fachberater Umstrukturierung von Unternehmen und Partner von Schnitzler & Partner, einer Steuerberatungsgesellschaft mit Sitz in Mönchengladbach, die sich seit mehr als 50 Jahren auf die gehobene steuerliche und betriebswirtschaftliche Beratung und Begleitung von Unternehmen und Privatpersonen spezialisiert hat. Die Kanzlei zählt zu den 20 größten am Niederrhein und berät Mandanten bis in den gehobenen Mittelstand hinauf auch bei grenzüberschreitenden Themen in der gesamten steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Bandbreite. Weitere Informationen: www.schnitzler-partner.de

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