Geschrieben von Thorsten Klinkner, Dienstag, 29. Mai, 2018

Familienstiftung: Unternehmen in die Zukunft führen

Immer mehr Hoteliers finden keinen Nachfolger – auch wenn sie erhebliche Gewinne verzeichnen. Die Familienstiftung kann für den Erhalt eines Unternehmens eine bedenkenswerte Option sein, muss aber genau geplant werden.

(PREGAS) In der gehobenen Hotellerie hat sich, genauso wie bei Betreibern von Tagungsbetrieben und Event-Locations, in den vergangenen Jahren ein wichtiger strategischer Punkt stark verschärft. Immer mehr Unternehmen, auch solche mit überdurchschnittlichen Gewinnen, einer starken Substanz und sehr stabilen Zukunftsaussichten, finden keinen Nachfolger, der in die gesellschaftsrechtliche Verantwortung treten will. Und das liegt weniger daran, dass erfolgreiche Unternehmer keine Kinder haben – sondern mehr darin begründet, dass diese Kinder ihre eigenen beruflichen/unternehmerischen Wege gehen möchten.

Das Resultat: Der Unternehmer braucht eine Lösung dafür, wie er die Eigentümerstruktur des Betriebs neu regelt. Der kürzeste Weg wäre ein Verkauf – und ein lukrativer obendrein, denn Wettbewerber und Investoren zahlen hohe Preise für gute Unternehmen. Aber genau dies ist für viele Hoteliers und MICE-Unternehmer eben keine Lösung: Sie setzen alles daran, einen Betrieb im Schoße der Familie zu erhalten; gerade dann, wenn es sich um ein Unternehmen handelt, das bereits auf eine längere Geschichte innerhalb der Familie zurückblicken kann.

Diese „Gattung“ Unternehmer braucht also eine Alternative, um sich gezielt zurückziehen, aber den Betrieb dennoch erhalten zu können – und das mit der Aussicht, dass dies auch über die eigenen Lebenszeit hinweg funktioniert. Die Praxis zeigt: Das erklärte Ziel strategisch denkender und traditionsbewusster Unternehmer ist der transgenerationale Unternehmenserhalt und die Nutzbarmachung der Erträge des Unternehmens für die Familie bei gleichzeitiger Unabhängigkeit von der Entscheidung der Nachkomme hinsichtlich der Übernahme einer Organschaft.

Als diese Option hat sich in der Hotellerie mehr und mehr das Instrument der Familienstiftung herausgestellt. Diese bewirkt, dass ein Unternehmen (oder auch Immobilien- oder Beteiligungsportfolio, je nach Vermögensstruktur) nie zersplittert werden kann und immer erhalten bleibt. Die Familienstiftung übernimmt die Rolle des Gesellschafters und bündelt die übertragenen Unternehmenswerte unter ihrem Dach. Dort verbleiben diese Werte, beispielsweise die vollständigen Gesellschaftsanteile, sozusagen für alle Ewigkeit, sofern die Stiftung nicht unter sehr komplexen Bedingungen aufgelöst wird, Anteile verkauft (das darf die Stiftung, sofern die Satzung es zulässt) werden oder das operative Geschäft im Rahmen einer insolvenzrechtlichen Regelung liquidiert oder übertragen werden muss.

Entscheidend ist, dass Unternehmer die Struktur der Stiftung in der Satzung genau festlegen. Diese definiert den Umgang mit dem Vermögen. Welche Schritte dürfen gesellschaftsrechtlich unternommen werden? Wie sind die Ausschüttungsmodalitäten geregelt – welches Familienmitglied erhält zu welchem Zeitpunkt welche Quote des Gewinns? Welche fachlichen Voraussetzungen muss die (familieninterne oder externe) Geschäftsführung vorweisen und welchen sozialen Verpflichtungen unterliegt sie? Das sind nur drei der typischen Fragen, die innerhalb der Satzung geregelt werden.

Durch die Stiftung wird ermöglicht, ein Unternehmen gesellschaftsrechtlich abzusichern und gleichzeitig die Versorgung der Familie zu garantieren (sofern Gewinne erwirtschaftet werden). Aber es ist auch ein großer Schritt für einen Unternehmer, der die Kontrolle der Anteile aus der Hand gibt. Die genaue Planung der Stiftungserrichtung ist daher unabdingbar und Grundlage für den dauerhaften Erfolg.


Image (adapted) by Pixabay


Über den Gastautor:

Foto Thorsten Klinkner Kopie 2

Rechtsanwalt und Steuerberater Thorsten Klinkner führt die Rechtsanwalts- und Steuerberatungsgesellschaft UnternehmerKompositionen GmbH aus Meerbusch bei Düsseldorf. Sie ist etablierter Spezialdienstleister für die rechtlich, steuerlich und strategisch tragfähige Errichtung von Familienstiftungen als Instrument einer zukunftsorientierten Eigentümerstruktur, unter anderem im Immobilienbereich. www.unternehmerkompositionen.de

Abstimmung

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen? Stimmen Sie jetzt ab:






Beiträge von Gastautoren


Hotelimmobilien: Den Verkauf gut vorbereiten

Artikel lesen

Corporate Publishing für Hotels: Es kommt auf die Qualität an

Artikel lesen

Umsatzsteuer: Ein leidiges Thema für Hotels und Restaurants

Artikel lesen