Alexander Etterer, Donnerstag, 20. September, 2018

Was machen Hoteliers nach dem Unternehmensverkauf?

Gerade in gehobenen Hotel- und MICE-Unternehmen kann ein Verkauf im Rahmen der Nachfolgeregelung viel Geld aufs Konto spülen. Doch dann folgt die nächste Frage: Wie können sie Vermögen sichern?

(PREGAS) International boomen Hotellerie und MICE-Sektor, und auch Deutschland profitiert davon. Die Zahl der Übernachtungen stieg 2017 um 3,3 Prozent auf 68,7 Millionen, die der Betten um 3,2 Prozent auf 963 690. Ein Plus von 3,1 Prozent gegenüber 2016 bescherte ihnen einen Nettoumsatz von fast 27 Milliarden Euro – es ist das achte Boom-Jahr in Folge und es sieht nicht so aus, als würde die Stimmung erheblich einbrechen.

Für die Betriebe sind dies goldene Zeiten mit steigenden Umsätzen und steigenden Gewinnen. Und das wiederum führt auch zu erheblich steigenden Unternehmensbewertungen im Rahmen der Nachfolge: Davon ist die Hotellerie genau wie alle anderen Branchen erheblich betroffen, Jahr für Jahr stellen sich tausende von Eigentümern die Nachfolgefrage. Und oftmals lautet die Antwort: „Ich verkaufe meinen Betrieb.“

Dies kann zu einem vielleicht unerwartet hohen Liquiditätszufluss führen. Denn die hohen Gewinne beeinflussen die Kaufpreise, die bei unternehmerischen Beteiligungen aufgrund des internationalen Wachstums ohnehin gestiegen sind – Investoren und Ketten sind bereit, weit überdurchschnittliche Beträge für gut geführte Betriebe zu zahlen. Und wenn dann auch noch Grundstücke und Immobilien im Spiel sind, steigen die Preise nochmals rasant an.

Auf diese Weise erwerben Hoteliers und MICE-Unternehmer immer öfter erhebliche liquide Vermögenswerte, die sich schnell im hohen einstelligen oder sogar zweistelligen Millionenbereich bewegen können – immer verbunden mit der Frage, was jetzt mit diesen in der Regel unbekannten Summen anzufangen sei. Denn die Verantwortung für ein liquides Vermögen der Familie zu übernehmen ist ähnlich hoch wie die Verantwortung an der Spitze eines Unternehmens und erfordert umfangreiche Kompetenzen.

Im Fokus steht beim ersten Schritt, eine Basis für das Management des Vermögens zu schaffen. Das bedeutet, dass der Firmenverkäufer zunächst eine eigene Anlagestrategie benötigt, die seine Ziele und Wünsche, seinen zeitlichen Horizont und seine Risikoneigung umfassend betrachtet und in eine tragfähige Form bringt, an der sich Banken und Vermögensverwalter in ihrer Arbeit fest orientieren können. Diese Anlagestrategie beinhaltet alle Zielvorgaben hinsichtlich Renditeerwartung und Risikotragfähigkeit, Restriktionen für den Einsatz bestimmter Anlageklassen und Finanzinstrumente sowie zahlreiche andere Merkmale, die für ein erfolgreiches Vermögensmanagement entscheidend sind. Die Anlagestrategie spiegelt das Selbstverständnis des Anlegers wider und sollte so gestaltet sein, dass sie sich bei sich verändernden Rahmenbedingungen (privater Natur und an den Kapitalmärkten) ebenso schnell und leicht anpassen lässt, um den neuen Herausforderungen sicher zu begegnen.



Im zweiten Schritt folgt dann die Auswahl des geeigneten Vermögensverwalters beziehungsweise der geeigneten Vermögensverwalter – je nachdem, auf wie viele Schultern das Management der liquiden Vermögenswerte aufgeteilt werden soll. In diesem strukturierten Prozess der sogenannten Vermögensausschreibung werden ausgewählte Banken und freien Verwaltungsgesellschaften gebeten, auf Basis der individuellen Vorgaben (Anlagerichtlinie!) ein individuelles Angebot für die Vermögensverwaltung abzugeben. Die eingereichten Angebote werden genau geprüft und ausgewertet, um strategisch die Verwalter auszuwählen, die den Vorstellungen des Vermögensinhabers am nächsten kommen. Das Ratespiel bei der Auswahl beziehungsweise der Verlass auf reine Marketingfaktoren wird durch einen professionellen und etablierten Auswahlprozess ersetzt. Dabei wird häufig auf die Unterstützung von unabhängigen Beratern zurückgegriffen, die sich darauf spezialisiert haben. Das damit verbundene Honorar kann häufig bereits durch optimierte Kostenstrukturen seitens der Verwalter weitestgehend amortisiert werden, spätestens aber durch eine höhere Qualität in der Managementleistung zahlt sich so ein Prozess aus.

Diese Schritte schaffen die Basis für ein langfristig erfolgreiches Vermögensmanagement und helfen dem Unternehmensverkäufer dabei, seine gewonnenen Werte vor unprofessionellen und unqualifizierten Vermögensverwaltern abzusichern und zu entwickeln. Bei der Auswahl eines solchen externen Beraters sollte darauf geachtet werden, dass die Beratungsleistung frei von jeglichen Interessenskonflikten, objektiv und unabhängig ist und der Berater über einen großen Erfahrungshorizont in der Verwalterauswahl verfügt.


Über den Autor

Alexander Etterer

Alexander Etterer


Alexander Etterer leitet das Team „Wealth, Risk & Compliance“ bei der Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl & Partner. Der Fachbereich berät und betreut seit mehr als 15 Jahren vermögende Privatpersonen, Unternehmerfamilien, Family Offices, Stiftungen, Kommunen, Verbände, Kirchen und kirchliche Einrichtungen vor allem rund um Vermögensausschreibung, Vermögens-Controlling und Vermögens-Reporting. Alexander Etterer ist Autor mehrerer Fachbücher und Fachpublikationen rund um die Auswahl von Vermögensverwaltern sowie des Vermögensreportings und -controllings. Darüber hinaus hat er das Qualitätssicherungsverfahrens „R&P VVAusweis“ in Zusammenhang mit dem „Transparenten Bullen“, das Sinnbild für mehr Orientierung und Verständnis in der Vermögensverwaltung, entwickelt. https://www.roedl.de/


Image (adapted) Pixabay


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