Helmut König, Donnerstag, 8. November, 2018

Vorsteuerabzug nicht gefährden – Rechnungsstellung beachten

(PREGAS/König) Der Gesetzgeber stellt bestimmte Anforderungen an die Form von Rechnungen, damit diese zum Vorsteuerabzug berechtigen. Es kann sich daher für Hotel- und MICE-Unternehmer lohnen, eine stabile Struktur für die Behandlung von Rechnungsein- und -ausgängen zu etablieren.

Die Umsatzsteuer ist für Unternehmer einer der sogenannten „Durchlaufposten“. Sie weisen diese auf ihren Rechnungen aus und führen die erhaltene Umsatzsteuer an das Finanzamt ab; ihnen verbleibt der Nettorechnungsbetrag. Ebenso gilt: Gezahlte Umsatzsteuer aus Eingangsrechnungen auf betriebliche Ausgaben (Vorsteuer) wird mit der eigenen Umsatzsteuerlast verrechnet. Will heißen: Hoteliers und MICE-Unternehmer kalkulieren dementsprechend bei ihren Anschaffungen und Einkäufen ebenfalls mit dem Nettobetrag und planen die (in der Regel anfallenden) 19 Prozent Vorsteuer als späteren Rückfluss in die Kalkulation mit ein. Fallen diese Rückerstattungen aus, kann dies schnell zu einem betriebswirtschaftlichen Tiefschlag werden.

Damit dieser Fall nicht eintritt, müssen Hotel- und MICE-Unternehmer bestimmte Vorgaben in der Rechnungstellung beachten. Das hat der Bundesfinanzhof entschieden. Er stellt klar, dass die Leistungsbeschreibung den Rückschluss auf den Ort der Leistungserbringung und eine mögliche Steuerpflicht ermöglichen muss.



Der konkrete Fall: Die klagende Unternehmerin hatte 2005 und 2006 den Vorsteuerabzug aus insgesamt 34 Rechnungen einer GmbH in Anspruch genommen. Überwiegend handelte es sich dabei um Rechnungen über die Lieferung von PKW unter Angabe von Hersteller, Fahrzeugtyp, Fahrgestellnummer und Farbe des PKW. Insgesamt acht Rechnungen erfolgten über „Werbungskosten laut Absprache“ oder „Akquisitionsaufwand“, „Überführungs- und Reinigungskosten“ und „Überführungskosten“. Bei einer Betriebsprüfung wurde der Vorsteuerabzug aus allen Rechnungen beanstandet, da die Rechnungen keine Steuernummer des Leistungserbringers enthielten. Daraufhin ergänzte die GmbH alle Rechnungen während der Außenprüfung, sodass die Umsatzsteuer für die beiden in Frage stehenden Jahre abgezogen werden konnte – nicht erst für das Jahr 2011, also den Zeitraum der Rechnungskorrektur, wie das Finanzamt durchsetzen wollte.

So weit, so gut, will man meinen. Aber im gleichen Urteil hat der Bundesfinanzhof der Ausstellung von Rechnungen enge Grenzen gesetzt. Den Vorsteuerabzug kann nur ausüben, wer im Besitz einer nach den §§ 14, 14a UStG ausgestellten Rechnung ist. Die zum Vorsteuerabzug berechtigende Rechnung habe insbesondere Angaben zu der dem Leistenden erteilten Steuernummer oder Umsatzsteueridentifikationsnummer, zur Menge und Art (handelsübliche Bezeichnung) der gelieferten Gegenstände und zum Umfang und zur Art der sonstigen Leistung sowie zum Zeitpunkt der Lieferung oder sonstigen Leistung zu enthalten. Nach ständiger Rechtsprechung muss die Rechnung Angaben tatsächlicher Art enthalten, welche die Identifizierung der abgerechneten Leistung ermöglichen. Der Aufwand zur Identifizierung der Leistung muss dahingehend begrenzt sein, dass die Rechnungsangaben eine eindeutige und leicht nachprüfbare Feststellung der Leistung, über die abgerechnet worden ist, ermöglichen.

Das bedeutet für die umsatzsteuerliche Praxis von Hoteliers und MICE-Unternehmern: Sie können zwar durch das Urteil davon ausgehen, Rechnungen nachträglich korrigieren zu können, um auch bei einer Außenprüfung den Vorsteuerabzug durchzusetzen. Aber eine professionelle Struktur bei Rechnungsein- und -ausgängen führt zu einem effizienten Handling solcher Anforderungen. Es ist eine erhebliche Arbeitserleichterung für beide Seiten, wenn die Rechnungen den Vorgaben nach den §§ 14, 14a UStG entsprechen. Hoteliers und MICE-Unternehmer setzen sich dann nicht dem Risiko aus, im Falle einer Außenprüfung streitige Rechnungen mit viel Aufwand korrigieren lassen zu müssen – und sie selbst kommen ebenso nicht in die Bedrängnis, dieses für einen Gast tun zu müssen, weil sie nicht von vorneherein allen Pflichten nachgekommen sind.

Diese professionelle Struktur können Hotel- und MICE-Unternehmer insofern herstellen, als dass sie mit ihrem steuerlichen Berater die eigene Rechnungsstellung besprechen und alle eingehenden Rechnungen sogleich auf Korrektheit überprüfen. Sind die Mechanismen einmal etabliert, kann viel Arbeit zu einem späteren Zeitpunkt vermieden werden.


Über den Autor

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Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Helmut König ist Partner der Wirtschaftskanzlei Beiten Burkhardt in Düsseldorf und Leiter der Praxisgruppe Steuerrecht. Die Kanzlei berät nationale und internationale Unternehmen, Fonds, Vorstände und Geschäftsführer sowie Privatpersonen zu komplexen steuerlichen Strukturierungen und zu allgemeinen Steuerfragen, einschließlich zu Fragen der Gemeinnützigkeit. Auch Körperschaften des öffentlichen Rechts und deren (wirtschaftliche) Einrichtungen stehen im Fokus der Beratung. Weitere Informationen unter www.beiten-burkhardt.com


Image (adapted) Pixabay


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