Thorsten Klinkner, Donnerstag, 6. Dezember, 2018

Verkauf von Hotel- oder MICE-Unternehmen: Stiftungsregelung erhöht Effizienz

Die Vorteile beim Unternehmensverkauf über eine Familienstiftung sind bemerkenswert. Unternehmer können beispielsweise von einer erheblich reduzierten Steuerlast profitieren.

(PREGAS) Die Situation in der Unternehmensnachfolge wird immer angespannter. Nur noch jeder zweite Unternehmer findet in der Familie einen Nachfolger. In Hotellerie und MICE sieht dies nicht anders aus. Daher steht die Käufersuche für älter werdende Hoteliers und MICE-Unternehmer ganz oben auf der Agenda – denn der Verkauf des Betriebs ist dann die erste Priorität, um den gewünschten Lebensstandard im Alter zu finanzieren und substanzielles Vermögen aus der unternehmerischen Tätigkeit zu schöpfen.

Typischerweise wird der Unternehmensverkauf mit Hilfe eines Transaktionsberaters mit Sicht auf den Ruhestand aus dem Privatvermögen heraus vorgenommen. Der Eigentümer veräußert seine privat gehaltenen Anteile, zumeist an einer GmbH, und unterliegt bei dieser Vorgehensweise der Versteuerung der Veräußerungsgewinne in der privaten Einkommensteuer. Bei einem gehobenen Betrieb, der einen Verkaufsgewinn von acht Millionen Euro erbringt – was gerade bei Immobilienbesitz in der Hotellerie keine besondere Ausnahme darstellt –, bedeutet der Verkauf aus dem Privatvermögen heraus eine Steuerlast von mehr als 2,1 Millionen Euro. Das liegt daran, dass der steuerpflichtige Anteil des Veräußerungsgewinns (60 Prozent) mit 45 Prozent Einkommensteuer belastet wird. Zuzüglich Beratungskosten kann der Erlös damit ohne Weiteres um ein Drittel reduziert werden.



Um dieses teure Szenario zu verhindern, hat sich in den vergangenen Jahren ein alternativer Weg für angehende Firmenverkäufer herauskristallisiert. Durch eine Familienstiftung lassen sich Unternehmenskäufe und Unternehmensverkäufe professionell und effizient abwickeln. Die unternehmensverbundene Familienstiftung fungiert insoweit als Steuerungsinstrument im Beteiligungsmanagement. Die Familienstiftung sorgt zum einen dafür, dass das Unternehmen nicht zersplittert werden kann. Es kann nur zu den Bedingungen verkauft werden, die in der Stiftungssatzung vom Stifter festgelegt worden sind. Das können inhaltliche, zeitliche und/oder monetäre Bedingungen sein. Durch die Familienstiftung erhält der Unternehmer die Sicherheit, dass mit seinem bisherigen Eigentum und seiner Aufbauleistung in seinem Sinne verfahren wird, vor allem auch über seine Lebenszeit hinaus: Die Familienstiftung sichert die Kontinuität des Unternehmens auch im plötzlichen Todesfall und operiert nach den Vorgaben der Satzung, nicht nach den möglicherweise differierenden Wünschen der gesetzlichen Erben.

Zum einen sind die Steuervorteile beim Unternehmensverkauf über die Stiftung bemerkenswert. GmbH-Beteiligungen lassen sich de facto steuerfrei aus der Vermögensverwaltung der Stiftung verkaufen. Im Gegensatz zum Privatverkauf unterfallen nur fünf Prozent des Veräußerungsgewinns der Besteuerung – das sind beim Acht-Millionen-Beispiel 400.000 Euro anstatt 4,8 Millionen Euro. Und diese 400.000 Euro werden mit 15 Prozent besteuert, woraus eine Steuerlast von 60.000 Euro auf den gesamten Veräußerungsgewinn resultiert. 7,94 Millionen Euro bleiben innerhalb der Vermögensverwaltung der Familienstiftung übrig. Im Verhältnis werden also beim Verkauf über die Stiftung 0,75 Steuer fällig, beim Verkauf aus dem Privatvermögen 27 Prozent – ein Faktor von 36.

Wichtig: Dies geht nicht von jetzt auf gleich. Sowohl die Stiftungserrichtung als auch Unternehmensverkauf nehmen Zeit in Anspruch. Die Praxis zeigt, dass gerade bei komplexen Projekten insgesamt bis zu fünf Jahre veranschlagt werden können. Insofern sollten sich Hoteliers und MICE-Unternehmer, die einen Unternehmensverkauf planen und dabei auch auf den alternativen Weg der Familienstiftung schauen wollen, sich bereits in einem mittleren Lebensalter mit den Möglichkeiten befassen. Das verhindert Schnellschüsse – zumal die Stiftung generell für ein Unternehmen große Vorteile bringt („Familienstiftung: Unternehmen in die Zukunft führen“). Diese kann der Unternehmer dann über viele Jahre voll ausspielen.


Über den Autor

Thorsten Klinkner
Rechtsanwalt und Steuerberater Thorsten Klinkner führt die Rechtsanwalts- und Steuerberatungsgesellschaft UnternehmerKompositionen GmbH aus Meerbusch bei Düsseldorf. Sie ist etablierter Spezialdienstleister für die rechtlich, steuerlich und strategisch tragfähige Errichtung von Familienstiftungen als Instrument einer zukunftsorientierten Eigentümerstruktur, unter anderem im Immobilienbereich. www.unternehmerkompositionen.com


Image (adapted) Pixabay


Abstimmung

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen? Stimmen Sie jetzt ab:


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.





Beiträge von Gastautoren


Einstieg einer Private Equity-Gesellschaft: Der Fiskus hält die Hand mit auf

Artikel lesen

Verkauf von Hotel- oder MICE-Unternehmen: Stiftungsregelung erhöht Effizienz

Artikel lesen

Auch Gesellschafter-Geschäftsführer sind Haftungsproblemen ausgesetzt

Artikel lesen