Jens Bormann, Montag, 16. Dezember, 2019

Unternehmerische Wertschöpfungspotenziale für die Bilanz entdecken

Im Spätherbst sollten Hotellerie-, Gastronomie- und MICE-Unternehmer ihre wirtschaftliche und steuerliche Situation offen, transparent und schonungslos besprechen. Damit lässt sich die Bilanz oftmals optimieren, um die eigene Leistungsfähigkeit stärker herauszustellen.

Die Bilanz ist ein zentraler Bestandteil des Jahresabschlusses eines Kaufmanns oder eines Unternehmens. Der Begriff Bilanz wird oft synonym verwendet für Jahresabschluss und soll die wirtschaftlichen Ergebnisse eines Unternehmens, dessen Leistungsfähigkeit und steuerlichen Gewinne darstellen und dient nicht nur zur Ermittlung der Steuerlast, sondern eben auch zur Präsentation der unternehmerischen Substanz. Bilanzstichtag ist im Rechnungswesen der letzte Tag des Wirtschaftsjahres, zu dem turnusmäßig ein Jahresabschluss von Unternehmen aufgestellt wird und auf den sich die Bilanz bezieht. Das ist in der Regel der 31. Dezember – wodurch immerhin noch einige Wochen verbleiben, um stabil und sicher das alte Jahr abzuschließen und das neue zu beginnen.

Was das bedeutet? Ganz einfach: Im Fokus der unternehmerischen Tätigkeit sollte für Hotellerie-, Gastronomie- und MICE-Unternehmer stehen, im Spätherbst die wirtschaftliche und steuerliche Situation offen, transparent und schonungslos zu besprechen. Dazu gehört, sich einen genauen Überblick über das laufende Jahr zu verschaffen, die geschäftliche Entwicklung in allen Details zu analysieren (und nicht nur auf den Umsatz zu schauen) und Jahresabschluss und die Bilanzierung in den Blick zu nehmen. Stichtag für die Bilanz ist wie gesagt in der Regel der 31. Dezember, aber Steuerberater können schon jetzt an den Bilanzen ablesen, an welchen Stellen Optimierungsbedarf besteht. Also gilt: Wenn etwas falsch läuft, ist noch bis zum Jahresende Zeit, die Dinge zu korrigieren. Rückwirkend aber werden sich Probleme kaum revidieren lassen, sodass schnellstmöglich gegengesteuert werden muss.

Eine frühzeitige Analyse der Bilanz kann auch dazu führen, dass sich interessante Wertschöpfungspotenziale entdecken lassen, um beispielsweise zu einer positiveren realistischen wirtschaftlichen Darstellung zu gelangen. Ein Beispiel dafür sind immaterielle Aktiva wie eine riesige Kundendatenbank. Sie besitzen für die Bewertung eines Unternehmens eine wachsende Bedeutung. Gleiches gilt für Marken: Erfolgreich eingeführt sind sie ein wertvolles Eigentum, das für Stabilität steht und bei der Kundengewinnung und Kundenbindung hilft. Damit wirken sich etablierte Marken erheblich auf dem Geschäftserfolg aus. Dass das auch im Gastgewerbe und Eventmarkt eine erhebliche Rolle spielt, ist kaum von der Hand zu weisen. Steuerberater und Unternehmer sollten dementsprechend ihre leistungswirtschaftliche und bilanzielle Präsentation mit diesen zusätzlichen Informationen versehen, um der Reichweite dieser „neuen“ Aktiva gerecht zu werden.



Eine positive und aussagekräftige Bilanz mag zwar in einigen Fällen dazu führen, dass die Steuerlast vielleicht etwas höher ausfällt als gewünscht. Aber unter bestimmten Gesichtspunkten ist es wichtig, eine wirklich vorzeigbare Bilanz aufzustellen, anstelle ein paar Euro weniger an Steuern zu bezahlen. Beispielsweise dann, wenn eine Finanzierungsrunde bei den Banken ansteht. Das Finanzamt ist keineswegs der größte Feind der Unternehmer. Viel entscheidender ist, dass die Bank ein Partner ist, auf den sich die Unternehmer dauerhaft verlassen können. Und die Bank schaut eben ganz besonders intensiv auf die in der Bilanz dargestellten Ertragskraft eines Unternehmens. Was passieren kann, wenn die Bank eine Finanzierung nicht freigibt, ist leicht erklärt: Werden Kreditlinien nicht verlängert oder neue Kredite aufgrund bankinterner Bewertungen auf einmal teurer als bisher gewohnt oder eben überhaupt nicht erteilt, kann sich das sehr negativ auf die Geschäfte auswirken und sogar dazu führen, dass das ganze Unternehmen in Schieflage gerät. Deshalb ist es wichtig, professionell mit der Bank zu verhandeln und alle möglichen offenen Fragen umfassend vorzubereiten.

Und auch für die Planung der Unternehmensübertragung ist eine dauerhaft gesunde Bilanz wichtig. Ob Kinder oder Käufer: Aus der Bilanz lassen sich die historischen Ergebnisse ablesen und damit auch die zukünftige Ertragsstärke erkennen. Wer einen Betrieb übernehmen möchte (und diese Übernahme womöglich fremdfinanzieren muss), wird besonderes Augenmerk auf die Bilanz legen. Je besser diese ist, desto höher sind die Chancen einer erfolgreichen und lukrativen Übertragung.

Unternehmer in Gastgewerbe und MICE sollten also die verbleibenden Wochen nutzen, um mit ihrem Steuerberater bilanzielle Angelegenheiten zu diskutieren und gegebenenfalls entsprechende Optimierungen vorzunehmen. Die letzte Phase des Jahres ist dafür genau die richtige Zeit.

Über den Autor

Jens Bormann ist Steuerberater und Partner der Steuerberatungsgesellschaft Beyel Janas Wiemann + Partner aus Geldern und Kempen. Die Experten beraten private und unternehmerische Mandanten bei allen steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Fragestellungen und setzen dabei stark auf die Digitalisierung. Ebenso gehören die Begleitung bei Unternehmenskäufen und -verkäufen, die Gründung und Umstrukturierung von Personen- und Kapitalgesellschaften, die Gestaltung der Unternehmens- und Vermögensnachfolge inklusive der Testamentsvollstreckung und die steuerliche Rechtsberatung zum Leistungsspektrum. Weitere Informationen unter www.bjwp.de

 


Bildquelle: Canva


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