Alexander Thees, Donnerstag, 13. September, 2018

Unternehmensnachfolge: Hoteliers haben einen eigenen Wert

(PREGAS/Thees) Immer wieder kommt es vor, dass die Schenkung- beziehungsweise Erbschaftsteuer bei der Unternehmensübertragung in der Familie zu hoch angesetzt wird. Es kommt darauf an, den Wert des Eigentümers realistisch einzuschätzen.

Es ist eigentlich die Idealsituation: Ein Hotelier oder MICE-Unternehmer hat in der Familie einen Nachfolger gefunden, der den Betrieb in die Zukunft führen wird. Während mittlerweile mehr als die Hälfte aller Unternehmer ihre Betriebe verkaufen muss, weil eben in der Familie niemand bereit oder in der Lage ist, an die Spitze zu treten, können sich diese Eigentümer glücklich schätzen, eine andere Lösung aufweisen zu können.

Doch egal wie gut der Nachfolger ist, egal wie gut die Ruhestandsregelung des Senior-Unternehmers ist: Eine Frage kann die gelungene innerfamiliäre Übertragung etwas trüben. Denn zum Beispiel je nach Unternehmensgröße, der Entwicklung der Lohnsummen oder Veränderung der gesellschaftsrechtlichen Struktur nach der Unternehmensnachfolge kann Schenkung- beziehungsweise Erbschaftsteuer anfallen. Und diese Steuerlast kann den Nachfolger erheblich belasten, denn die Steuer muss gegebenenfalls im schlimmsten Falle sogar direkt nach der Übertragung (ob lebzeitig oder von Todes wegen) entrichtet werden – in bar, versteht sich.



Nun gibt es aber für inhabergeführte Hotels und MICE-Betriebe, die auf diese unangenehme fiskalische Situation zusteuern, eine Lösung. Denn die Praxis zeigt, dass die steuerlichen Festsetzungen der Finanzbehörden auf Basis des vereinfachten Regelverfahrens in der Regel zu hoch sind, da sie die Person des Unternehmens nicht oder völlig falsch bewerten. Gerade Familienunternehmen sind sehr stark auf diese Person zugeschnitten, sodass ein nicht unwesentlicher Teil des Umsatzes an ihr hängt; die positiven Ergebnisse sind für die Zukunft nicht zwingend gesichert, sobald der Unternehmer ausscheidet. Dann können gewachsene, persönliche Kundenbeziehungen, beispielsweise zu Großabnehmern von Tagungspauschalen, verlorengehen und das Betriebsergebnis negativ beeinflussen. Solche persönlichen Faktoren lassen sich nicht einfach auf die Zukunft übertragen, wenn eine neue Führung an Bord ist. Diese Annahme wird jedoch im steuerlich vereinfachten Regelverfahren zunächst einfach unterstellt, da im Wesentlichen undifferenziert nur auf die vergangenen Ergebnisse abgestellt wird.

Solche wertbeeinflussende Tatsachen müssen sich aber in der Bewertung der zukünftigen Ertragskraft widerspiegeln und somit auch die Besteuerung der Unternehmensübertragung adäquat beeinflussen. Denn wenn die Zukunftsaussichten sich von der historischen Ertragskraft erheblich unterscheiden, muss sich dies definitiv in der Steuerlast wiederfinden und diese entsprechend abschmelzen. Wichtig ist zu verstehen, dass eine Unternehmensbewertung eben nicht die persönliche Arbeitskraft, sondern ausschließlich das eingesetzte Kapital bewertet. Und daher muss bei der Unternehmensbewertung genau auf diese Punkte abgestellt werden, um eine viel zu hohe Besteuerung zu verhindern. Scheidet der Eigentümer als langjähriger Chef aus, wird sich das fast immer aufs Geschäft auswirken und muss zuerst kompensiert werden. Daher bezieht sich die wirklich adäquate Unternehmensbewertung immer auf die Ermittlung der tatsächlich übertragbaren Ertragskraft und blendet die Stellung des Senior-Unternehmers in der Betrachtung quasi völlig aus.

Werden solche personenbezogenen Einflüsse wertmindernd berücksichtigt, führt das wiederum zu einem wesentlich günstigeren steuerlichen Ergebnis, sodass die Unternehmensübernahme des familiären Nachfolgers die Vermögenssubstanz nicht über Gebühr belastet. Daher ist Hoteliers und MICE-Unternehmern zu raten, sich frühzeitig mit einer wirklich realistischen Unternehmensbewertung zu befassen.


Über den Autor

Alexander Thees

Alexander Thees


Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Alexander Thees ist Partner der BBWP GmbH, einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit Sitz in Düsseldorf, die eng mit der internationalen Wirtschaftskanzlei Beiten Burkhardt (www.beiten-burkhardt.de) kooperiert. Die BBWP GmbH bietet umfassende Leistungen in Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung und betriebswirtschaftlicher Beratung und besitzt besondere Expertise in der Begleitung mittelständischer Mandanten. Weitere Informationen unter www.bbwp-audit.com


Image (adapted) Pixabay


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