Helmut König, Montag, 16. Juli, 2018

Umsatzsteuer: Ein leidiges Thema für Hotels und Restaurants

(PREGAS/König) Der Gesetzgeber macht es Unternehmern im Gastgewerbe wirklich nicht leicht. Immer wieder kommt es zu Anpassungen bei der Umsatzsteuer und entsprechenden Schwierigkeiten in der Handhabung.

Die Umsatzsteuer ist in Deutschland die Steuerart, die für die meisten Einkünfte des Staates sorgt. Entsprechend komplex sind ihre Gestaltung und die Handhabung für Unternehmen im Gastgewerbe und Tagungsbereich, sodass Unternehmer auf die korrekte und rechtssichere Behandlung aller umsatzsteuerlichen Fragestellungen achten dafür tragfähige Strukturen schaffen sollten.



Dies hängt besonders mit den unterschiedlichen Mehrwertsteuersätzen zusammen. Seit 2010 werden alle unmittelbar der Beherbergung dienenden Leistungen mit sieben Prozent besteuert, alle anderen Leistungen mit 19 Prozent. „Unmittelbar der Beherbergung“ dient dabei jedoch nur die Übernachtung, wie der Bundesfinanzhof geurteilt hat. Das führt natürlich zu Rechenaufwand bei Gastgebern und Tagungsunternehmern. Denn: Ein Frühstück kann nicht mit dem reduzierten Mehrwertsteuersatz angeboten werden, auch wenn es zu einem Pauschalpaket („Übernachtung mit Frühstück“) gehört, hat der Bundesfinanzhof herausgestellt. Gleiches gilt dementsprechend auch für alle anderen Speisen, die innerhalb eines Paketes angeboten werden.

Das wirkt sich natürlich nicht nur auf einen Hotelier aus, sondern insbesondere auch auf einen MICE-Unternehmer. Sie integrieren regelmäßig die Verpflegung von Tagungsgästen in eine Pauschale, die oftmals auch die Übernachtung vorsieht. Für sie bedeutet das, dass sie jede Bewirtungsleistung separat ausweisen müssen, wollen sie sich keinen Schwierigkeiten bei einer möglichen Buchprüfung aussetzen. Bei Umsatzsteuer-Sonder- und Nachprüfungen werden immer öfter Fehler aufgedeckt, die mindestens zu Steuerzahlungen führen. Oft jedoch sind die Folgen erheblich weiter gefasst: Umsatzsteuerrechtliche, vermeintlich „kleine“ Fehler sich schnell potenzieren, wenn sie immer wieder vorkommen – und bei sehr hohen Beträgen entsteht immer das Risiko einer strafrechtlichen Verfehlung.

Dies ist besonders relevant, da oftmals Mitarbeiter für die Erstellung von Rechnungen zuständig sind – steuerliche Compliance ist dabei das Stichwort. Wenn die Mitarbeiter bei der Behandlung der Umsatzsteuer Fehler begehen, kann dies zum Thema für den Unternehmer werden. Er ist als Unternehmer/Organ haftungsrechtlich für die Mitarbeiter verantwortlich und steht dementsprechend für jede Verfehlung gerade, so er denn nicht mit einem festen System alles dafür tut, dass ein pflichtgemäßer Umgang mit der Umsatzsteuer herrscht.



Dazu gesellt sich eine weitere umsatzsteuerliche Besonderheit. 2016 hat der Bundesfinanzhof festgestellt, dass die Überlassung von Hotelparkplätzen dem allgemeinen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent unterliegt. Das gilt auch dann, wenn zwischen dem Hotel und dem Gast keine Vereinbarung über die Nutzung des Parkplatzes getroffen worden und kein gesondertes Entgelt vom Gast zu zahlen ist – der Parkplatz muss mit dem Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent verbucht werden. Wird er unentgeltlich überlassen, muss der Unternehmer schätzen, welcher Teil des Zimmerpreises auf die Parkmöglichkeit entfällt und diesen Teil fiktiv umsatzsteuerlich beziffern.

Unternehmer sind also gefordert, sich mit der Umsatzsteuer und den daraus resultierenden Konsequenzen regelmäßig professionell auseinanderzusetzen. Gerade in komplexen steuerlichen Situationen kann es Sinn ergeben, sich auf externe Beratung zu verlassen. Dies kann Ärger verhindern.


Über den Autor

Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Helmut König ist geschäftsführender Gesellschafter der BBWP GmbH, einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit Sitz in Düsseldorf, die eng mit der internationalen Wirtschaftskanzlei Beiten Burkhardt kooperiert. Die BBWP GmbH bietet umfassende Leistungen in Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung und betriebswirtschaftlicher Beratung und besitzt besondere Expertise in der Begleitung mittelständischer Mandanten. Weitere Informationen unter www.bbwp-audit.com


Image (adapted) Pixabay


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