Christian Schenk, Donnerstag, 4. April, 2019

Präventives Risikomanagement: Hoteliers können sich gegen wirtschaftliche Risiken wappnen

Die glänzenden Zeiten könnten bald vorbei sein: Laut aktuellen Zahlen steigen die Insolvenzrisiken wieder. Wollen Hoteliers und MICE-Unternehmer nicht in diese Falle tappen, sollten sie mit Weitblick bestimmte Maßnahmen einleiten.

Die Anzeichen verdichten sich, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland wieder anziehen werden. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform rechnet für das kommende Jahr erstmals seit Jahren mit einem leichten Anstieg. Der Kreditversicherer Euler Hermes geht davon aus, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen 2019 nicht weiter sinkt. Experten gehen von 20.000 Unternehmensinsolvenzen in diesem Jahr aus. Damit scheinen die glücklichen Zeiten einer ewig brummenden Konjunktur demnächst zu Ende zu gehen. Aber was bedeutet das für Hotellerie, MICE-Business und Gastronomie? Wenn das konjunkturelle Umfeld schwächelt, nehmen Reiselust und Veranstaltungsintensität ab; vor allem Unternehmen begrenzen ihre Aktivitäten erheblich. Das wiederum drückt die Umsätze in Gastgewerbe und MICE. Nicht heute und morgen, aber vielleicht kommendes Jahr oder in zwei oder drei Jahren. Und dann steigen die Risiken, dass ein Hotel oder ein Tagungsbetrieb selbst zum Sanierungsfall wird oder im schlimmsten Szenario in der Insolvenz endet.

Doch dagegen können strategisch denkende Unternehmer etwas tun. Ihr Bedarf steigt, sich vor einer drohenden Krise zu wappnen und frühzeitig die richtigen Schritte zu ergreifen, um auch in Zukunft stabil zu wirtschaften. „Präventives Risikomanagement“ ist das Stichwort. Was dahinter steckt? Ganz einfach: Auch bei eigentlich erfolgreichen Unternehmen können sich Schwachstellen verbergen, die sich in Zukunft zu einem Problem entwickeln können. Noch sind diese vielleicht unentdeckt beziehungsweise haben sich betriebswirtschaftlich noch nicht bemerkbar gemacht – aber es muss nur einen konjunkturellen Dämpfer geben, und schon können diese Schwachstellen zu einem Insolvenzszenario führen. Das gilt es natürlich zu verhindern.

Vielleicht haben sich in einem schleichenden Prozess zu hohe Kosten angesammelt, die zwar aktuell die Gewinne nicht sonderlich belasten, aber bei zurückgehenden Umsätze hart einschlagen können? Oder ein maroder Betriebsteil wird über die erfolgreichen anderen Sparten künstlich am Leben gehalten, weil eben noch genügend Geld vorhanden ist? Vielleicht ist ein Geschäftsmodell nicht mehr zukunftsfähig, oder aber es müssen größere Investitionen getätigt werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben?

Diese und viele weitere leistungs- und finanzwirtschaftlichen Risiken müssen vorausschauend analysiert und aufgelöst werden. Die Aufgabe des Beraters mit umfangreicher Erfahrung in Insolvenzszenarien, Restrukturierung und Sanierung ist es, das gesamte Unternehmen zu analysieren, um Stärken herauszuarbeiten und Schwächen zu beseitigen. Daraus kann natürlich die Notwendigkeit auch harter Maßnahmen erwachsen, zum Beispiel Stilllegung oder Verkauf eines maroden Unternehmensteils, die Restrukturierung von Arbeitsplätzen oder die Veränderung von Prozessen und Lieferverträgen – es kommt darauf an, wo der Schuh drückt. Aber vielleicht stellt sich auch heraus, dass nur einige Investitionen in IT oder Marketing getätigt werden müssen, um das Unternehmen frühzeitig für die Erfordernisse der Zukunft zu wappnen. Das ist eine ganz individuelle Entscheidung, die sich nicht über Standardlösungen abdecken lässt.

Das wichtigste ist, dass Hotel- und MICE-Unternehmer keine Scheu haben, sich mit solchen Fragen auseinanderzusetzen. Es ist nicht ehrenrührig, einen Berater für Restrukturierungen ins Haus zu holen – aber es wäre höchst fragwürdig, vor betriebswirtschaftlichen Risiken die Augen zu verschließen. Es geht letztlich um nicht weniger als den Fortbestand eines Hotels oder eines Restaurants. Da darf es keine falsche Scheu geben.


Über den Autor

Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Christian Schenk ist Partner der BBWP GmbH, einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mit Sitz in Düsseldorf, die eng mit der internationalen Wirtschaftskanzlei Beiten Burkhardt kooperiert. Die BBWP GmbH bietet umfassende Leistungen in Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung und betriebswirtschaftlicher Beratung und besitzt besondere Expertise in der Begleitung mittelständischer Mandanten, unter anderem in Krisensituationen und im präventiven Risikomanagement. Weitere Informationen unter www.bbwp-audit.com


Image (adapted) Pixabay – Chronomarchie


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