Thomas Sablotny, Donnerstag, 6. Juni, 2019

Inhaber und Vorgesetzte im Gastgewerbe: Gute Führung kann man lernen

Eine positive, wertschätzende Führungskultur beeinflusst unmittelbar den unternehmerischen Erfolg. So steht rund die Hälfte der durch psychische Erkrankungen ausgelösten Fehltage in direkter Verbindung mit dem Führungsverhalten.

Typischerweise ist ein Unternehmen – das ist auch in Gastgewerbe und MICE nicht anders – so aufgebaut: Eigentümer/Geschäftsführung – Führungskräfte – Mitarbeiter. Dabei sollen die Führungskräfte verankern, was die Geschäftsführung entscheidet, und kontrollieren, dass die Ergebnisse stimmen. Die Mitarbeiter haben die Vorgaben dann in ihren jeweiligen Bereichen operativ umzusetzen.

Dieses Prinzip führt aber oftmals auch dazu, dass Fehler in einer Organisation schnell den Mitarbeitern angelastet werden – schließlich sind diese ja auch laufend operativ tätig und dementsprechend als potenzielle Verursacher von Versäumnissen leicht auszumachen, so zumindest die gängige Praxis in vielen Unternehmen.

Die Folge: zurückgehende Leistungsfähigkeit, Demotivation, krankheitsbedingte Ausfälle. Die Krankenkassen verzeichnen beispielsweise seit 15 Jahren eine Zunahme stressbedingter Krankschreibungen. Von den gut 15 Fehltagen pro Kopf und Jahr entfallen 2,5 Tage auf psychische Beschwerden wie Depressionen, Angst- und Belastungsstörungen, stellt die neue „Stressstudie 2016“ der Techniker Krankenkasse heraus. Sechs von zehn Menschen in Deutschland fühlen sich gestresst – unabhängig davon, ob beruflich oder privat. Ein knappes Viertel der Bevölkerung, 23 Prozent, gibt sogar an, häufig gestresst zu sein.

Das kommt natürlich nicht von ungefähr, sondern auch von Druck und Belastung am Arbeitsplatz, was wiederum häufig auf strukturelle Probleme zurückzuführen ist. Wenn die Führungskräfte Druck machen, weil sie unter Dauerbeschuss der Geschäftsführung stehen, sorgt das natürlich nicht für eine angenehme Arbeitsatmosphäre, die Vertrauen fördert und Potenziale freisetzt. Und gerade Gastronomie, Hotellerie und MICE gelten bekanntermaßen als eher ruppiges Umfeld, in dem es auch schon einmal lauter werden kann.

Aber: Viele Probleme werden von oben verursacht. Prof. Dr. Oliver Sträter, Leiter des Fachgebiets Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Kassel, weist darauf hin, dass rund die Hälfte der durch psychische Erkrankungen ausgelösten Fehltage in direkter Verbindung mit dem Führungsverhalten steht. Daher gilt für Unternehmen: Wollen sie ihre Organisation erfolgreich und schlagkräftig machen, müssen sie ein tragfähiges Führungssystem implementieren, das sich deutlich von früheren Führungsstilen abgrenzt.



Das Stichwort ist der Feldherr: Wer als Unternehmer heute seine (jungen) Angestellten knechtet und vom Feldherrenhügel herab mit der Peitsche kommandiert, wird selbst ein Problem bekommen und in der Zukunft niemanden mehr haben, den er „nach alter Väter Sitte“ herumscheuchen kann. Das funktioniert nicht mehr, sondern führt zu höherer Fluktuation und mehr stressbedingten Ausfalltagen – das wiederum wirkt sich direkt auf das Unternehmen aus, und zwar durch zurückgehende Zahlen, gescheiterte Projekte und einer immer schwieriger werdenden Personalgewinnung. Denn es ist klar, dass sich schlechte Führung herumspricht (die sozialen Medien lassen grüßen) und dazu führt, dass kaum noch Bewerber auf freie Stellen ansprechen werden. Was das bedeutet, kann jeder Unternehmer für sich selbst ermessen.

Das Schöne: Gute Führung kann man lernen! Die Stichworte heißen Kooperation und Kommunikation. Kommunikation schafft Offenheit, Transparenz für Entscheidungsprozesse und Vertrauen in die Führung: Mitarbeiter fühlen sich viel stärker abgeholt, wenn sie alle wichtigen Informationen erhalten, sich ein eigenes Bild machen können und nicht dauerhaft nur vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Kommunikation bedeutet, ein offenes Ohr für die Anliegen der Mitarbeiter zu haben, bedeutet, den verbalen und non-verbalen Austausch niemals abreißen zu lassen.

Auf diese Weise beeinflusst eine positive, wertschätzende Führungskultur unmittelbar den unternehmerischen Erfolg. Die Fehleranfälligkeit einer Organisation wird maßgeblich reduziert und wenn diese doch entstehen, werden sie konsensual gelöst. So geht moderne Unternehmensführung.


Über den Autor

Autoren (10) Thomas Sablotny ist Inhaber von Kobon – Team –Training – Incentive und entwickelt für Unternehmen ganz gleich welcher Branche und Größe individuelle Programme mit einem Fokus auf Indoor- und Outdoor-Trainingsprogramme, die dem Motto folgen: „Wir schaffen Erlebnisse mit Ergebnissen.“ Thomas Sablotny kooperiert mit Unternehmen in ganz Deutschland und entwickelt passgenaue Programme für Team-Building, Teamentwicklung, Führungskräftetraining und Stressabbau. Ebenso bereitet er Mitarbeiter auf die Prüfung im Rahmen der Ausbilder-Eignungsverordnung (AVEO) vor. Weitere Informationen: www.besser-vorbereitet.de und www.kobon.de


Bildquelle: Canva


Abstimmung

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen? Stimmen Sie jetzt ab:


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.





Beiträge von Gastautoren


Minijobber im Gastgewerbe: Altersarmut durch betriebliche Altersvorsorge vermeiden.

Artikel lesen

Inhaber und Vorgesetzte im Gastgewerbe: Gute Führung kann man lernen

Artikel lesen

Kassen und Bargeld: Rechtssicherheit durch spezialisierte Buchführung

Artikel lesen