Helmut König, Donnerstag, 13. Dezember, 2018

Einstieg einer Private Equity-Gesellschaft: Der Fiskus hält die Hand mit auf

(PREGAS/König) Nehmen Hoteliers und MICE-Unternehmer einen Finanzinvestor auf, löst das eine Besteuerung beim Verkäufer aus. Da diese mehr als 25 Prozent des Veräußerungsgewinns ausmacht, sollten Unternehmer diese und die Transaktionskosten vorher professionell berechnen lassen, um keine bösen Überraschungen zu erleben.

Zwar sprechen die aktuellen Zahlen für einen Finanzierungsmarkt, wie man der „Unternehmensbefragung 2018 – Stimmung auf Kreditmarkt ungebrochen gut“ der KfW-Bankengruppe entnehmen. Das Finanzierungsklima habe sich im zurückliegenden Jahr nochmals geringfügig verbessert. Der Anteil der Unternehmen, der von Schwierigkeiten beim Kreditzugang berichtet, ist um 2,6 Prozentpunkte auf 12,5 Prozent gesunken.

Aber nicht alle Unternehmen können oder wollen sich über den klassischen Weg einer Bank finanzieren. Mehr und mehr suchen den Zugang zu den Kapitalmärkten, auch aus der Hotel- und MICE-Branche. Sehr attraktiv erscheint gestandenen Mittelständlern dabei der Einstieg eines Finanzinvestors wie einer Private Equity-Gesellschaft, die über ihr Investment in ein operativ tätiges und familiengeführtes Unternehmen eine überdurchschnittliche Rendite erwirtschaften will. Ein solcher Einstieg versetzt Hotel- und MICE-Unternehmer in die vorteilhafte Situation, ohne Bank wachsen zu können und auch noch einen Berater an der Seite zu haben, der Entwicklungspotenziale begleiten kann.



Das ist kein Hirngespinst, sondern die Realität. Insgesamt 11,3 Milliarden Euro wurden von Beteiligungsgesellschaften im letzten Jahr in rund 1100 Unternehmen investiert, so die aktuelle Statistik des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften () für den deutschen Private Equity-Markt 2017. Davon beschäftigen neun von zehn weniger als 500 Mitarbeiter. Will heißen: Die Aufnahme eines Investors kann neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen und Wachstum erleichtern, für das Kapital benötigt wird.

Dass Finanzinvestoren dies nicht aus reiner Nächstenliebe tun, ist jedem klar. Sie erwerbe Anteile an Kapital- oder Personengesellschaften und treten in die Gesellschafterebene ein, mit allen Stimm- und Bezugsrechten, die sich aus ihrer Beteiligungsquote ergeben. Ihr Geld verdienen die Investoren über die anteilige Gewinnausschüttung aus dem Geschäftsbetrieb.

So weit, so verstanden! Aber aus der Aufnahme eines Investors entstehen nicht nur auf der Ebene der Gesellschaften bestimmte Pflichten, sondern auch bei der Einkommensbesteuerung. Typischerweise halten Hoteliers und MICE-Unternehmer ihre Anteile im Privatvermögen – das Unternehmen ist ihr Vermögen. Wenn sie jetzt Anteile veräußern, müssen sie diesen Verkauf natürlich besteuern, und zwar mit ihrem individuellen Steuersatz (nach § 17 EStG bei Kapitalgesellschaften beziehungsweise § 16 EStG bei Personengesellschaften). Dieser beträgt bei gutverdienenden Unternehmern regelmäßig 45 Prozent, der zu versteuernde Anteil des Veräußerungsgewinns liegt bei 60 Prozent.

Das bedeutet leicht gerechnet: Werden Anteile für zwei Millionen Euro verkauft, folgt daraus eine Steuerlast von 540.000 Euro für den Unternehmer. Unternehmern ist daher dringend geraten, vor einer Transaktion die Steuern professionell berechnen zu lassen, um keine böse Überraschung zu erleben. An dieser Besteuerung kann zwar auch die beste steuerliche Gestaltung wenig ändern. Aber es ist wichtig, die Steuerlast im Blick zu haben, wenn beispielsweise der Verkauf dem Zwecke der Ruhestandsfinanzierung dient. Im Übrigen müssen Verkäufer auch die Transaktionsnebenkosten einplanen. Diese müssen ebenso vom Gewinn abgezogen werden.

Insofern geht es für Hotel- und MICE-Unternehmer darum, böse Überraschungen zu vermeiden. Gerade wenn es um frisches Kapital für unternehmerisches Wachstum geht, sollten Verkäufer wissen, wie viel Geld an den Fiskus (und voraussichtlich an die Berater) abgeführt werden muss.


Über den Autor

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Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Helmut König ist Partner der Wirtschaftskanzlei Beiten Burkhardt in Düsseldorf und Leiter der Praxisgruppe Steuerrecht. Die Kanzlei berät nationale und internationale Unternehmen, Fonds, Vorstände und Geschäftsführer sowie Privatpersonen zu komplexen steuerlichen Strukturierungen und zu allgemeinen Steuerfragen, einschließlich zu Fragen der Gemeinnützigkeit. Auch Körperschaften des öffentlichen Rechts und deren (wirtschaftliche) Einrichtungen stehen im Fokus der Beratung. Weitere Informationen unter www.beiten-burkhardt.com


Image (adapted) Pixabay


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