Frank Strehlau, Donnerstag, 18. April, 2019

Hoteliers und Co.: Betriebliche Altersvorsorge nicht einfach laufenlassen

Im Rahmen einer Unternehmensübernahme kann es wirtschaftlich sinnvoll sein, die betriebliche Altersvorsorge professionell überprüfen zu lassen. Es bestehen Möglichkeiten, ungünstige Verträge loszuwerden und eine nachhaltige Struktur zu schaffen.

Aktuell kommt es in Hotellerie, Gastronomie und MICE vermehrt zu Unternehmensübertragungen im Rahmen der Nachfolgeregelungen von Unternehmern. Neben dem Erhalt des Unternehmens geht es dabei aber natürlich in erster Linie um den wirtschaftlichen Erfolg des neuen Eigentümers, ob er nun aus der Familie stammt oder eben als Käufer aus dem Markt stammt.

Dieser wirtschaftliche Erfolg hängt von verschiedenen Parametern ab. Zum einen ist dies natürlich die Marktpositionierung: Wie kommt der Betrieb bei den Gästen an, kann er alle Anforderungen der modernen Welt erfüllen? Zum anderen kommt es auf funktionierende interne Strukturen an. Dazu zählen beispielsweise attraktive Einkaufskonditionen, der effiziente Einsatz der Mitarbeiter und eine nachhaltige Kostenrechnung, aber unter anderem eine professionelle Organisation der betrieblichen Altersvorsorge.

Warum das so ist? Ganz einfach: Viele Unternehmen in Hotellerie, Gastronomie und MICE haben in der Vergangenheit Direktversicherungen in Form der Entgeltumwandlung für ihre Mitarbeiter abgeschlossen. Jetzt zeigt die Praxis aber immer wieder, dass viele dieser Verträge vergleichsweise teuer, unflexibel und nicht sonderlich rentierlich sind. Das führt, auch angesichts der mittlerweile geltenden Zuschusspflichten für Arbeitgeber, zu hohen Kosten, die sich betriebswirtschaftlich und strategisch nicht wirklich rechtfertigen lassen. Vielmehr helfen diese Verträge der Versicherungsgesellschaft und dem Vermittler, aber weder dem Unternehmen noch dem versicherten Mitarbeiter. Letzterer verfügt beim Eintritt in den Ruhestand möglicherweise nicht über die erwartete Summe, und ersteres haftet bei einem Arbeitsplatzwechsel auch noch für die Differenz zwischen dem kalkulierten und dem echten Vertragswert.

Unternehmer haben dank zahlreicher Urteile die Möglichkeit, sich unvorteilhafter Direktversicherungen zu entledigen und damit die betriebliche Altersvorsorge zu restrukturieren. Laut Schätzungen können rund 100 Millionen Lebens- und Rentenversicherungen, dazu zählen selbstverständlich auch Versicherungsleistungen der betrieblichen Altersvorsorge, die zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen worden sind (auch beitragsfrei gestellte und gekündigte), rückabgewickelt werden, da sie eine fehlerhafte Widerrufsbelehrung enthalten. Ein erfolgreicher Widerruf führt dann wiederum zur Ausschüttung aller gezahlten Beiträge und Honorare sowie einer Nutzungsentschädigung. Unter anderem bietet das Düsseldorfer Unternehmer helpcheck die Abwicklung von Widerrufen für Versicherungsnehmer an (https://www.helpcheck.de/).

Nachdem dies geschehen ist, können die Gelder dann neu in der betrieblichen Altersvorsorge angelegt werden. Als versicherungsfreie Alternative hat sich die pauschaldotierte Unternehmenskasse herausgestellt. Sie schafft den Vorteil, dass die Unternehmen, die über diese durch § 4d Einkommensteuergesetz abgesicherte, rechtlich und steuerlich eigenständige Einrichtung verfügen, die als Betriebsausgaben begünstigten Dotierungen im Unternehmen direkt als Working Capital halten und dementsprechend für die eigenen Zwecke benutzen können. Steuerrechtlich ist die pauschal dotierte Unternehmenskasse.

Neue Eigentümer eines Hotel-, Gastronomie- oder Tagungsbetriebs sollten sich daher nicht scheuen, die Struktur der betrieblichen Altersvorsorge neutral und objektiv überprüfen zu lassen. Das ist nicht die Aufgabe des Versicherungsvermittlers, der eher produktorientiert vorgeht, sondern sollte von einer Unternehmensberatung übernommen werden, die sich auf die betriebliche Altersvorsorge spezialisiert hat und keinerlei Interessen am klassischen Produktvertrieb hat, sprich: die versicherungsfrei und gesellschaftsunabhängig vorgeht. Auf diese Weise können Unternehmensnachfolger und Unternehmenskäufer einen erheblichen Mehrwert für den wirtschaftlichen Erfolg ihres neuerworbenen Betriebs leisten.


Über den Autor

Frank Strehlau

Frank Strehlau


Frank Strehlau ist Vorstandsvorsitzender der bacon pension trust AG. Die Unternehmensberatung aus Berlin begleitet Unternehmen bei der Errichtung und beim laufenden Management pauschal dotierter Unternehmenskassen im Mittelstand. Dafür haben die Experten das rechtlich geschützte System des corporate cash fund® als betriebswirtschaftlich erfolgreichsten Durchführungsweg der betrieblichen Altersvorsorge entwickelt. Weitere Informationen unter www.bacon-pension-trust.ag




Image (adapted) Pixabay


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