Helmut König, Donnerstag, 4. Oktober, 2018

Hoteliers aufgepasst: Doppelte Besteuerung für alle Publikumsfonds

Durch das Investmentsteuerreformgesetz kassiert der Fiskus jetzt bei Investmentfonds doppelt mit. Damit wird die Geldanlage für Unternehmer nochmals komplexer – Fehlentscheidungen können teuer werden.

(PREGAS) Unternehmen in Hotellerie und MICE kennen das: Es vergeht gefühlt kein Tag, an dem der Gesetzgeber sich nicht etwas Neues einfallen lässt. Das bezieht sich natürlich in der Regel vor allem auf steuerrechtliche Vorgaben. Aber auch die Vermögensverwaltung (privat und unternehmerisch) ist durch das Namensmonstrum „Investmentsteuerreformgesetz“ nicht leichter geworden.

Was bedeutet das konkret für die Vermögensanlage? Kurz gesagt, sie wird teurer. Seit Jahresanfang werden bestimmte Erträge deutscher Fonds mit 15 Prozent (normaler Körperschaftsteuertarif) besteuert. Das ist neu, denn bislang werden nur die Anleger besteuert, nicht aber die Fonds selbst. Durch das Investmentsteuerreformgesetz werden Publikum-Investmentfonds getrennt von den Anlegern besteuert und damit fiskalisch selbstständig behandelt. Auf Fondsebene unterliegen Erträge aus inländischen Beteiligungen und Immobilienerträge sowie Veräußerungsgewinne der Körperschaftsteuer. Daraus folgt eine doppelte Besteuerung für sämtliche Publikumsfonds, denn der Investor versteuert die Gewinne aus seinen Kapitalanlagen grundsätzlich noch einmal.

Zugleich gewährt der Gesetzgeber bestimmte Freistellungen. Diese betragen bei der Beteiligung eines Privatanlegers an einem Aktienfonds 30 Prozent der Erträge, Investmentanteile im Betriebsvermögen erhalten eine 60-prozentige Freistellung, körperschaftsteuerpflichtige Anleger 80 Prozent. Bei Immobilienfonds bleiben 60 Prozent der Erträge steuerfrei, bei ausländischen Investments sind es 80 Prozent. Für Mischfonds gilt eine pauschale 15-prozentige Steuerbefreiung für Privatanleger.

Dass dies hochrelevant ist, zeigen die Zahlen der Fondsindustrie. Diese verwaltet ein Gesamtvermögen von 3,1 Billionen Euro und wächst stetig: Investmentfonds sammelten von Anfang Januar bis Ende Juli 2018 netto 56,3 Milliarden Euro ein. Und die Praxis zeigt, dass zahlreiche Anleger – dazu zählen eben auch Hotel- und MICE-Unternehmer – ihr Geld in Fonds stecken, um von einer verständlichen Investmentstrategie und hoher Flexibilität zu profitieren.

Diese Anleger müssen sich nun aber aus steuerlicher Sicht erheblich mehr Gedanken machen. Denn nicht mehr alle Fonds-Strukturen sind steuerlich günstig wie in der Vergangenheit, sodass sowohl im Bestand als auch bei der Neuanlage die steuerliche Betrachtung eine herausragende Rolle spielt. Man muss sich das Beispiel der Mischfonds anschauen: Die 15-prozentige Steuerbefreiung für Privatanleger bedeutet, dass 85 Prozent der Gewinne zusätzlich zur ohnehin fälligen Kapitalertrag- beziehungsweise Abgeltungsteuer versteuert werden müssen.

Freilich, die Besteuerung ist nicht das ausschlaggebende Kriterium, sondern dies bleiben die Investmentstrategie und die Kennziffern des Fonds. Ein gut laufender Fonds kann natürlich auch gehalten werden, wenn er steuerlich etwas ungünstig ist. Und eine weniger gut laufende Fondsbeteiligung sollte auch dann veräußert werden, wenn sie steuerlich neutral bleibt.

Dennoch bedeutet die gesetzliche Änderung gerade bei größeren Vermögenswerten eine höhere Komplexität in der Fonds-Vermögensverwaltung. Investmententscheidungen sollten auch mit dem steuerlichen Berater abgestimmt werden, um Vermögensschäden zu vermeiden. Hotel- und MICE-Unternehmer haben also eine neue, zusätzliche Beschäftigung.


Über den Autor

Helmut König

Helmut König


Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Helmut König ist Partner der Wirtschaftskanzlei Beiten Burkhardt in Düsseldorf und Leiter der Praxisgruppe Steuerrecht. Die Kanzlei berät nationale und internationale Unternehmen, Fonds, Vorstände und Geschäftsführer sowie Privatpersonen zu komplexen steuerlichen Strukturierungen und zu allgemeinen Steuerfragen, einschließlich zu Fragen der Gemeinnützigkeit. Auch Körperschaften des öffentlichen Rechts und deren (wirtschaftliche) Einrichtungen stehen im Fokus der Beratung. Weitere Informationen unter www.beiten-burkhardt.com


Image (adapted) Pixabay


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