Thomas Sablotny, Donnerstag, 5. Dezember, 2019

Führungskultur: Mitbestimmung statt Management von oben

Die Praxis zeigt, dass gerade Methoden der Erlebnispädagogik geeignet sind, diese kooperative und kommunikative Führungskultur herzustellen und Management und Mitarbeiter miteinander zu vernetzen. Das verhindert frühzeitig Führungsprobleme, die in hohen Ausfallzeiten resultieren können.

Die Krankenkassen verzeichnen seit 15 Jahren eine Zunahme stressbedingter Krankschreibungen. Von den gut 15 Fehltagen pro Kopf und Jahr entfallen 2,5 Tage auf psychische Beschwerden wie Depressionen, Angst- und Belastungsstörungen, stellt die neue „Stressstudie 2016“ der Techniker Krankenkasse heraus. Sechs von zehn Menschen in Deutschland fühlen sich gestresst – unabhängig davon, ob beruflich oder privat. Ein knappes Viertel der Bevölkerung, 23 Prozent, gibt sogar an, häufig gestresst zu sein. Schon im Jahr 2012 wurden bundesweit 60 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen registriert. Während psychische Erkrankungen vor 20 Jahren noch nahezu bedeutungslos waren, sind sie heute zweithäufigste Diagnosegruppe bei Krankschreibung beziehungsweise Arbeitsunfähigkeit, stellt der BKK-Gesundheitsreport 2015 heraus.

Das ist gerade in personalintensiven Branchen wie dem Gastgewerbe hochproblematisch. Hoteliers, Gastronomen und MICE-Unternehmer sitzen ohnehin weitgehend auf einer sehr dünnen Personaldecke – fallen dann noch Mitarbeiter aus, kann das einen Betrieb schnell an den Rand des Unglücks stürzen. Dabei liegt die Lösung recht nahe, dieses Problem gar nicht erst aufkommen zu lassen!

Prof. Dr. Oliver Sträter, Leiter des Fachgebiets Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Kassel, weist darauf hin, dass rund die Hälfte der durch psychische Erkrankungen ausgelösten Fehltage in direkter Verbindung mit dem Führungsverhalten steht. Daher gilt für Unternehmen: Wollen sie ihre Organisation erfolgreich und schlagkräftig machen, müssen sie ein tragfähiges Führungssystem implementieren, das sich deutlich von früheren Führungsstilen abgrenzt. Es geht heute um Kooperation statt Befehlsannahme, um Mitbestimmung statt Management von oben, um Kommunikation statt um stille Post.

Kurz gesagt: Wer als Unternehmer heute seine (jungen) Angestellten knechtet und vom Feldherrenhügel herab mit der Peitsche kommandiert, wird selbst ein Problem bekommen und in der Zukunft niemanden mehr haben, den er „nach alter Väter Sitte“ herumscheuchen kann. Das funktioniert nicht mehr, sondern führt zu höherer Fluktuation und mehr stressbedingten Ausfalltagen. Jeder Unternehmer kann für sich selbst errechnen, was 2,5 Fehltage pro Mitarbeiter pro Jahr für seinen Betrieb heißt. Bei einer typischen Unternehmensgröße in der Hotellerie von 30 Mitarbeitern gehen 90 Produktivtage durch verloren, weil eine tragfähige Führungskultur fehlt.

Unternehmer sind daher dringend beraten, daher eine moderne, zukunftsorientierte Art der Führung zu wählen. Die Stichworte heißen eben Kooperation und Kommunikation. Kommunikation schafft Offenheit, Transparenz für Entscheidungsprozesse und Vertrauen in die Führung: Mitarbeiter fühlen sich viel stärker abgeholt, wenn sie alle wichtigen Informationen erhalten, sich ein eigenes Bild machen können und nicht dauerhaft nur vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Kommunikation bedeutet, ein offenes Ohr für die Anliegen der Mitarbeiter zu haben, bedeutet, den verbalen und non-verbalen Austausch niemals abreißen zu lassen.



Und Kooperation zeigt Wertschätzung den Mitarbeitern gegenüber und zahlt in deren Wunsch ein, Mit-Unternehmer, Mit-Denker, Mit-Gestalter zu sein. Kooperative Führung trägt den Team-Gedanken nach vorne, sodass die Führungskraft/der Unternehmer immer Mitglied des Teams ist und die anderen Team-Mitglieder sich an ihm orientieren können. Ein kooperativer Chef steigt von seinem Feldherrenhügel herab und achtet seine Mitarbeiter auf Augenhöhe, um sie damit zu besseren Leistungen zu bewegen.

Die Praxis zeigt, dass gerade Methoden der Erlebnispädagogik geeignet sind, diese kooperative und kommunikative Führungskultur herzustellen und Management und Mitarbeiter miteinander zu vernetzen. Dabei werden vor allem Outdoor-Aktivitäten wie Kanufahren, Klettern, GPS-Touren eingesetzt. Diese Erlebnisse werden auf die Anforderungen der Unternehmen abgestimmt, sodass die Mitarbeiter und Führungskräfte unmittelbare Erfahrungen Erlangen, die sie im Alltag umsetzen können. Dadurch werden Teams entscheidend gestärkt, und alle Teilnehmer können neue Kompetenzen entwickeln und sich in ihrer Rolle neu einfinden. Auf diese Weise entsteht ein neues Teamgefühl in Hotellerie, Gastronomie und MICE, in dem jeder nach seinen Qualitäten eingesetzt wird und sich selbst entfalten kann.

Über den Autor

Thomas Sablotny ist Inhaber von Kobon – Team –Training – Incentive und entwickelt für Unternehmen ganz gleich welcher Branche und Größe individuelle Programme mit einem Fokus auf Indoor- und Outdoor-Trainingsprogramme, die dem Motto folgen: „Wir schaffen Erlebnisse mit Ergebnissen.“ Thomas Sablotny kooperiert mit Unternehmen in ganz Deutschland und entwickelt passgenaue Programme für Team-Building, Teamentwicklung und Stressabbau. Ebenso bereitet er Mitarbeiter auf die Prüfung im Rahmen der Ausbilder-Eignungsverordnung (AVEO) vor. Weitere Informationen: www.besser-vorbereitet.de und www.kobon.de

 


Bildquelle: Canva


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