Andreas Bartkowski, Donnerstag, 18. Juli, 2019

Finanzierung: Die Bank als Partner niemals aus den Augen zu verlieren

Gerade bei größeren Investitionsprojekten kann es zu Ausgaben kommen, die kaum ein Hotelier, Gastronom oder MICE-Unternehmer aus den Rücklagen oder den laufenden Einkünften tragen kann. Dann wird frisches Kapital über einen Finanzierungspartner benötigt.

Unternehmer haben in der Regel ein Ziel: Sie wollen wachsen. Das ist eine Frage der Positionierung, der allgemeinen Marktsituation und des Wettbewerbs – aber auch des Geldes. Denn die Errichtung eines Wellnessbereichs, der Bau eines weiteren Tagungssaals oder die Erweiterung des gastronomischen Außenbereichs lassen sich nicht realisieren, weil das Marktumfeld allein dafür gut ist. Sie müssen bezahlt werden, und das üblicherweise nicht zu knapp. Bei einem neuen Tagungsraum beispielsweise fallen nicht nur die Baukosten ins Gewicht, sondern vor allem auch die Ausstattung: Beamer, Bankettstühle, Netzwerktechnik, Tische, Mikrofon- und Lautsprecheranlage und, und, und müssen angeschafft werden. Allein die Elektroinstallation kann bei rund fünf Prozent der Objektkosten liegen.

Nun kommen bei solchen Projekten Ausgaben zusammen, die kaum ein Hotelier, Gastronom oder MICE-Unternehmer aus den Rücklagen oder den laufenden Einkünften tragen kann. Daher benötigt er zur Realisierung seines Vorhabens einen Finanzierungspartner, der das Geld über den avisierten Zeitraum zur Verfügung stellt. In der Regel ist das eine Bank, aber auch freie Finanzierer können dafür in Frage kommen. Generell sollten Unternehmer die beste Lösung dafür finden, die finanzielle Sicherheit gibt. Das kann eine klassische Bankfinanzierung sein, die Kombination aus Fremdfinanzierung, Eigenkapital und Fördergeldern oder auch eine Finanzierung am Kapitalmarkt, etwa durch Verkauf von Gesellschaftsanteilen an einen Investor.

Eines eint alle diese Möglichkeiten: Investitionsvorhaben müssen sehr gut vorbereitet werden! Um das am Beispiel der Bank zu verdeutlichen: Trotz Geldschwemme und historisch niedriger Zinsen sind Banken bei Unternehmensfinanzierungen oftmals alles andere als freigiebig. Die Institute haben durch die regulatorischen Vorschriften der Aufsichtsbehörden die Richtlinien für die Kreditvergabe verschärft. Daher sind Unternehmen gefordert, die Bank zum Partner zu machen, um Wachstum und künftige Geschäftserfolge nicht zu gefährden.



Dazu gehört beispielsweise, die vollständigen betriebswirtschaftlichen und steuerlichen Unterlagen der vergangenen Jahre und ein Business-Plan, der die Amortisation des zu finanzierenden Projekts darstellt, zusammenzustellen und auch bei Jahresabschluss und Bilanz die Bank als Partner niemals aus den Augen zu verlieren. Diese sollte nicht rein fiskalisch orientiert sein, obwohl das Steuern sparen kann – und das will so gut wie jeder Unternehmer. Warum das so ist? Nichts ist schlimmer, als wegen ein paar eingesparter Euro bei der Steuer eine dringend benötigte Finanzierung nicht (oder nur zu hohen Kosten) zu erhalten, weil die Unternehmenserfolge kleingerechnet worden sind. Die Bank ist nicht das Finanzamt!

Die professionelle und auf die Ertragskraft ausgerichtete Aufbereitung der relevanten Unterlagen ist übrigens auch wichtig, um eine Förderung zu erhalten, etwa über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Mit dem KfW-Unternehmerkredit beispielsweise fördert die Bank alles, was für die unternehmerische Tätigkeit notwendig ist. Das können die Anschaffung von Anlagen, Grundstücke und Gebäude, Einrichtungsgegenstände oder auch der Kauf von Betriebs- und Geschäftsausstattung sein. Dafür benötigen Hoteliers und Gastronomen im ersten Schritt einen Finanzierungspartner. Über diesen wird der Antrag auf Förderung gestellt. Ist die Bank nicht von dem Finanzierungsvorhaben überzeugt, wird es gar nicht erst dazu kommen. Eine Übersicht über die Förderprogramme für Unternehmen der KfW ist unter www.kfw.de/inlandsfoerderung/Unternehmen/index-2.html verfügbar. Mit der Förderdatenbank des Bundes im Internet gibt die Bundesregierung einen umfassenden und aktuellen Überblick über die Förderprogramme des Bundes, der Länder und der Europäischen Union: www.foerderdatenbank.de

Unternehmer in Hotellerie, Gastronomie und MICE können auch auf Beteiligungskapital setzen. Dadurch erhalten sie mehr Eigenkapital und können einfacher (und gegebenenfalls günstiger) andere Finanzierung erhalten. Neben privaten und institutionellen Investoren (Private Equity) ist dies über sogenannte mittelständische Beteiligungsgesellschaften (MBG) als Selbsthilfeeinrichtungen der Wirtschaft möglich, die Kapital für eine gewisse Laufzeit und Projekte gegen eine feste Verzinsung zur Verfügung stellen (stille Beteiligung). In jedem Bundesland ist eine MBG aktiv, die in den in den jeweiligen Bundesländern eng mit den Bürgschaftsbanken zusammenarbeitet: www.mbg-beteiligungskapital.de

Zusammengefasst bedeutet das: Die Finanzierungsalternativen sind bisweilen sehr komplex und erfordern daher eine fachgerechte Beratung. Hoteliers und MICE-Unternehmer sollten dies nicht unterschätzen und entsprechend handeln.


Über den Autor

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Andreas Bartkowski ist Steuerberater, Fachberater für Insolvenz und Sanierung und Partner von Schnitzler & Partner, einer Steuerberatungsgesellschaft mit Sitz in Mönchengladbach, die sich seit mehr als 50 Jahren auf die gehobene steuerliche und betriebswirtschaftliche Beratung und Begleitung von Unternehmen und Privatpersonen spezialisiert hat. Die Kanzlei zählt zu den 20 größten am Niederrhein und berät Mandanten bis in den gehobenen Mittelstand hinauf auch bei grenzüberschreitenden Themen in der gesamten steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Bandbreite. Weitere Informationen: www.schnitzler-partner.de


Image (adapted) Canva


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