Sven Cyganek, Donnerstag, 29. November, 2018

Auch Gesellschafter-Geschäftsführer sind Haftungsproblemen ausgesetzt

Damit unternehmerische Fehler den Eigentümer eines Hotel- oder MICE-Betriebs nicht in die Privatinsolvenz schicken, sollte er sich professionell gegen bestimmte Risiken versichern. Dafür gibt es die D&O-Versicherung.

(PREGAS) Hoteliers und MICE-Unternehmer sind Macher, sie sind gewohnt, anzupacken und zügig eigene Entscheidungen zu treffen. Dabei stehen sie regelmäßig auf dem Standpunkt, dass sie außer sich selbst niemandem unternehmerische Rechenschaft schuldig sind – und daher auch niemand ihre Entscheidungen anzweifeln kann. Das ist aber ein Trugschluss, denn es kann auch bei inhabergeführten Unternehmen, in denen Gesellschafter und Geschäftsführer eine Einheit bilden, zu schwerwiegenden Haftungsproblemen kommen, die das Privatvermögen erheblich schädigen können. Dabei hilft auch die Struktur einer GmbH nicht.

Das folgt dem Leitsatz: Irren ist menschlich, und auch Geschäftsführern können Fehler passieren. Wenn aber öffentlich-rechtliche Ansprüche und/oder Ansprüche wegen fehlerhafter Behandlung von Fragen kaufmännischen und unternehmerischen Ermessens im Raum stehen, kann ein Organ eines Unternehmens mit seinem Privatvermögen haftbar gemacht werden. Und das ist wesentlich häufiger der Fall, als einem Unternehmer lieb sein kann: 2017 stieg die Zahl der Neuschäden bei Managerhaftpflichtfällen um ein Drittel. Laut einer Studie der Allianz Global Corporate & Specialty AGCS haben sich die D&O-Forderungen in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt.



Doch was genau kann einem Gesellschafter-Geschäftsführer passieren? Ganz aktuell kommt es beispielsweise im Bereich der steuerlichen Compliance vermehrt zu Haftungsforderungen. Nämlich dann, wenn der Geschäftsführung steuerliche Verstöße der Mitarbeiter, etwa bei der Umsatzbesteuerung oder der Rechnungsstellung generell, angelastet werden. Dann werden die Organe von den Steuerbehörden dafür in Regress genommen. Insolvenzverschleppung (auch unbeabsichtigt) oder das Verschweigen der Insolvenzreife bedingen Haftungsansprüche durch dritte Parteien. Die finanziellen Forderungen können weitreichend sein, und Insolvenzverschleppung kann zu bis zu drei Jahren Gefängnis führen. Im Übrigen haften die Organmitglieder darüber hinaus gegenüber dem Sozialversicherungsträger persönlich für die Vorenthaltung von Arbeitnehmerbeiträgen zur Sozialversicherung.

Damit solche Fehler den Eigentümer eines Hotel- oder MICE-Betriebs nicht in die Privatinsolvenz schicken, sollte er sich professionell gegen diese Risiken versichern. Dafür gibt es die D&O-Versicherung. „D&O“ steht für „Directors & Officers“ und bezeichnet so etwas wie eine „Manager-Haftpflichtversicherung“. Sie sichert die Organe eines Unternehmens gegen Schadensersatzansprüche wegen angeblicher unternehmerischer Fehlentscheidungen ab.

Will heißen: Mit einer D&O-Versicherung erhalten Manager und Eigentümer die Freiheit, auch schwierige unternehmerische Entscheidungen nach sorgfältiger und gewissenhafter Prüfung zu treffen, weil sie ihr Privatvermögen vor Haftungsforderungen schützen. Und sie schützen mit der Versicherung sich vor den Folgen bestimmter operativer und administrativer Fehler. Zu den abgesicherten Risiken einer D&O-Versicherung zählen weiterhin unter anderem Versäumnisse von Fristen und Mitteilungspflichten, Fehlinvestitionen aufgrund falscher Beurteilung der Marktlage, fehlerhafte Kalkulationen und Analysen, Finanzierungslücken und Produktions-, Planungs- und Beschaffungsfehler aufgrund mangelnder Prüfung.

Wichtig für Hoteliers und MICE-Unternehmer ist es, sich eingehend beraten zu lassen, um die richtige Police zu finden. Denn D&O-Versicherung ist nicht gleich D&O-Versicherung, sodass es auf die passende Gestaltung eines Vertrags ankommt.


Über den Autor

Sven Cyganek
Sven Cyganek ist Spezialist für Gewerbeversicherung im Expertennetzwerk der compexx Finanz AG, einem Beratungsunternehmen für Finanzdienstleistungen. Die compexx Finanz AG verfolgt seit der Gründung vor 13 Jahren ein Allfinanzkonzept und betreut mittlerweile mehr als 60.000 Kunden in ganz Deutschland bei allen Fragen rund um Vermögen, Versicherung und Vorsorge. Das Unternehmen gehört mehrheitlich zur Versicherungsgruppe die Bayerische.


Image (adapted) Canva


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