Markus Brochenberger, Samstag, 12. Oktober, 2019

Hoteliers und Co. sollte das finanzielle Langlebigkeitsrisiko kalkulieren

Die Menschen werden immer älter. Das vergrößert auch das benötigte Vermögen für einen abgesicherten Ruhestand. Der Finanzbedarf muss genau analysiert und geplant werden.

Unternehmer in Hotellerie, Gastronomie und MICE sind Macher, die gewohnt sind, sich selbst um ihre Angelegenheiten zu kümmern. Dazu gehört auch die Altersvorsorge. Die Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung, die sie sich in einer Vorzeit als Angestellter erarbeitet haben, reichen natürlich lange nicht aus, um die Ruhestandsfinanzierung zu decken. Also ergreifen Unternehmer eigene Maßnahmen, um die finanziellen Ansprüche im Alter abzusichern, sei es durch Lebens- und Rentenversicherungsverträge, Immobilien oder professionell gemanagte Wertpapierdepots.

Man beobachtet aber in der Praxis immer wieder einen Rechenfehler. Und der heißt Langlebigkeitsrisiko. Durch den wachsenden Wohlstand und die immer bessere medizinische Versorgung steigt die Lebenserwartung in Deutschland immer weiter an. Nach den Ergebnissen der aktuellen Sterbetafel 2015/2017 beträgt die Lebenserwartung für neugeborene Jungen 78 Jahre und vier Monate, für neugeborene Mädchen 83 Jahre und zwei Monate, heißt es beim Statistischen Bundesamt. Zum Vergleich: Ein 1960 geborener Mann hat eine Lebenserwartung von etwa 68 Jahren.

Und nach der aktuellen amtlichen Sterbetafel 2015/2017 beläuft sich zum Beispiel die noch verbleibende Lebenserwartung – die sogenannte fernere Lebenserwartung – von 65-jährigen Männern auf 17 Jahre und 10 Monate. Für 65-jährige Frauen ergibt sich nach wie vor eine fernere Lebenserwartung von 21 Jahren. Sie zeigt die durchschnittlich nach der Periodensterbetafel in einem bestimmten Alter noch zu erwartenden Lebensjahre.

„Das bedeutet: Wer dieser Tage in Rente geht oder kurz vor dem Renteneintritt steht, hat durchschnittlich bis zu 21 Jahren weitere Lebenserwartung vor sich. Das ist natürlich ein schönes Gefühl – aber bringt eben auch einen wachsenden Finanzbedarf mit sich. Und dieser kann wachsen, wenn aus den 21 Jahren weiterer Lebenserwartung vielleicht doch 25 oder 28 Jahre werden.



Der Hintergrund: Wer länger lebt als kalkuliert braucht auch mehr Vermögen, um sein persönliche Rentenlücke zu schließen. Dabei spricht man von der Differenz zwischen dem letzten verfügbaren Einkommen als Arbeitnehmer und dem Ruhestandseinkommen. Das ist dann besonders ärgerlich, wenn auch im Alter ein bestimmter finanzieller Bedarf vorhanden ist, um den Lebensstil zu finanzieren – und die steigende Lebenserwartung vergrößert das Problem.

Dies lässt sich am ehesten mit einer Beispielrechnung verdeutlichen. Wer monatlich 2500 Euro benötigt, um seinen Ruhestand zu finanzieren (weil er beispielsweise über eine abbezahlte Immobilie verfügt und der Partner gesetzliche Leistungen erhält), braucht bei einem Rentenbezug von zehn Jahren 300.000 Euro, bei 15 Jahren 450.000 Euro und bei 20 Jahren bereits 600.000 Euro – und bei 25 Jahren sind es bereits 750.000 Euro, die der Senior-Unternehmer aus seinem eigenen Kapital aufbringen muss. Das muss natürlich entsprechend geplant werden. Wer sein privates Ruhestandsvermögen sehr spitz auf eine bestimmte Bezugsdauer kalkuliert, kann im Alter Schwierigkeiten bekommen.

Das bedeutet: Bevor es an die konkrete Art der Geldanlage gehen kann, muss eine tiefgehende Analyse aller vorhandenen Vermögenswerte sowie der Ansprüche im Alter durchgeführt werden. Nur diese Analyse zeigt transparent und ehrlich, wie es um die finanzielle Situation bestellt ist und was tatsächlich getan werden muss, um das benötige Ruhestandsvermögen zu erzielen. Sinnvoll ist dann, neben dem privaten Vermögensaufbau über Wertpapiere und Immobilien auch staatlich geförderte Instrumente zu nutzen, die eine Zahlung zum Ableben garantieren. Damit kann der Hotelier einen Teil des Finanzbedarfs langfristig absichern. Das liquide Vermögen muss dann so angelegt werden, dass es auch bei laufenden Ausschüttungen im Alter weiterhin rentierlich arbeitet – so kann die Verfügbarkeit verlängert werden.

Über den Autor

Markus Brochenberger ist Vorstandsvorsitzender der compexx Finanz AG, einem Beratungsunternehmen für Finanzdienstleistungen. Die compexx Finanz AG verfolgt seit der Gründung vor 14 Jahren ein Allfinanzkonzept und betreut mittlerweile mehr als 60.000 Kunden in ganz Deutschland bei allen Fragen rund um Vermögen, Versicherung und Vorsorge. Das Unternehmen gehört mehrheitlich zur Versicherungsgruppe die Bayerische.

 


Bildquelle: Canva


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