Carsten Hennig, Mittwoch, 14. November, 2018

Brandschutz in Hotellerie und Gastronomie: Das nächste Feuer kommt bestimmt!

Vorbeugung und Mitarbeitertraining sind besser geworden - Dennoch gib es zum Teil erheblichen Nachholbedarf

(PREGAS) Hamburg, 14. November 2018 – Die Folgen sind fatal: Ein vergessener Aufgusseimer auf dem Saunaofen geriet beim Hochheizen in Brand. Der ahnungslose Gast im Ruheraum erstickte an dem giftigen Qualm. Der Todesfall vor drei Jahren im Wyndham Hotel Excelsior nahe dem Berliner Bahnhof Zoo machte Schlagzeilen. Denn: In dem Kettenhotel war die Brandmeldeanlage außer Betrieb. Die Rezeptionistin, die die Sauna per Knopfdruck vom Desk aus hochfuhr, konnte nicht wissen, was sie damit unbemerkt anrichtete. Und noch immer dürfen Hotels ohne Rauchmelder in Betrieb sein. Denn die Vorschrift zu Brandmeldeanlagen gilt es erst seit 2007 für Häuser mit mehr als 60 Betten, monierte unlängst die Feuerwehr in Bayern. Und die übrigen Hotels?

In Sachen Brandschutz gilt es vieles aufzuholen. Nach schweren Bränden mit toten Gästen greifen immer öfter Behörden durch und verhängen Zwangsschließungen. Dabei wird die sog. Amtsträgerhaftung nur wiederentdeckt. Die meisten Brandschutzvorschriften gelten bereits jahrelang. Auf ein Aufsehen erregendes Interview mit der „Welt“ https://www.welt.de/reise/article151875147/Es-brennt-monatlich-in-deutschen-Hotels.html hin raunte ein Hotelveteran mit jahrzehntelanger Erfahrung zu: Ein Großteil der Hotels seien in Sachen Brandschutz mangelhaft und möchten das Thema aus der Öffentlichkeit halten, da die Folgeinvestitionen zu hoch seien.

Aktueller Bericht bei HOTELIER TV:

Neben dem passiven Brandschutz mit entsprechenden Sicherheitseinrichtungen wie Rauchwarnmelder, gewartete ABC-Feuerlöscher, Feuerlöschdecken in Küchen und unverstellter Fluchtwegen sind vor allem regelmäßige Trainings der Mitarbeiter das A und O. Wichtig ist der Sicherheitscheck vor nächtlicher Schließung des Gastbetriebes: Bleibt heiße Asche im Mülleimer oder gar eine brennende Kerze auf einem Tisch, kann das Feuer Stunden später ausbrechen; so geschehen in einem 25hours Hotel in der Hafencity Hamburg kurz nach der Eröffnung. Die Betriebsleitung muss ein Gespür für Brandherde entwickeln, sei es sichtbar im Gastraum oder „unsichtbar“ z.B. In Entlüftungsanlagen in der Küche. Werden Abluftanlagen nicht regelmäßig gereinigt, kann sich das darin gesammelte Bratfett entzünden und ein verheerendes Feuer entfachen. Meist bleibt der Feuerwehr nur, sämtliche Rohre und Mauern zu öffnen, um den Brand zu löschen; die Renovierungskosten sind demnach immens.



Trauriger „Klassiker“ sind Kamine, die ohne Check angeschürt werden. Haben Vögel darin genistet oder sich anderer Unrat gesammelt, gerät das Dach in Brand, wie mehrmals in einem namhaften Luxushotel im Norden von Frankfurt/Main geschehen. Bei den im Gastgewerbe beliebten Ethanolkaminen kommt es unterdessen häufiger zu gefährlichen Verpuffungen: Wird ein noch glimmender Kamin mit dem Brennstoff nachgefüllt, verletzt die Stichflamme nicht nur den Mitarbeiter sondern auch Gäste; wie zuletzt in einem Restaurant in Erfurt passiert. Ergo: Fundierte Einweisungen und Schulungen sowie Evakuierungsübungen beugen vor bzw. retten Leben.

Aktueller Fokus sind lebensgefährliches Kohlenmonoxidvergiftungen in den bei jungen Leuten beliebten Shisha-Bars: Schlechte Entlüftungen und nicht intakte Multigas-Warngeräte sind Anlass für den Gesetzgeber, entsprechende Vorschriften vorzubereiten. Erst kürzlich sorgte ein Großeinsatz in Bochum für Aufregung: Rettungskräfte mussten 120 Gäste sichten und versorgen. CO-Vergiftungen sind oftmals nicht sofort als solche erkennbar; häufig werden Schwindel und Unwohlsein auf zu ausgiebigen Alkoholkonsum geschoben. Solche Blutvergiftungen müssen aufwändig in Druckgaskammern behandelt werden.

Checklisten & Leitfaden: https://www.dehoga-shop.de/Download-Center/Dokumente-DEHOGA/Ratgeber/Sicherheit/Leitfaden-Brandschutz-in-Hotels-inkl-Checklisten.html


Über den Autor

Carsten Hennig

Carsten Hennig


Carsten Hennig, Jahrgang 1970, ist als genauer Beobachter in Tophotellerie und Spitzengastronomie international ein Name. Als Gründer und Anchorman von HOTELIER TV & RADIO begleitet der Publizist die Branche multimedial mit Fokus auf die Digitalisierung. Dem Brandschutz und Travel Risk Management widmet er sich seit über 20 Jahren. Mit den Social Channels „Realfirefighters“ informiert Hennig topaktuell.
www.facebook.com/RealFireFightersGermany/
www.instagram.com/realfirefighters/


Image (adapted) Pixabay


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