Geschrieben von PREGAS Presseportal, Mittwoch, 5. April, 2017

Veranstaltungszentren als Brennglas gesellschaftspolitischer Themen

Sicherheit – Wahlkampf - Nachhaltigkeit

(PREGAS) Stadthallen, Kongresszentren, Messen und Event Locations aller Art sind die Einsatzorte für Licht- und Tontechnik und die Bühne für Musik aller Art. Sie sind Orte des Wissenstransfers, der unmittelbaren Kommunikation und Schauplätze für Sport, Kultur und Politik. Durch viele aktuelle Fragestellungen stehen Veranstaltungszentren im Fokus der Medien und des öffentlichen Interesses.

Themen wie die derzeitige Sicherheitslage oder das Verbot von Wahlkampfauftritten machen nur allzu deutlich, wie abhängig die Veranstaltungsbranche von äußeren Faktoren wie der allgemeinen politischen und wirtschaftlichen Lage ist.

Die Veranstaltungshäuser in Deutschland sind sicher

„Die Veranstaltungshäuser sind insgesamt gut aufgestellt in Sachen Sicherheit“, so Joachim König, Präsident des EVVC Europäischen Verbandes der Veranstaltungs-Centren e.V. und JMIC (Joint Meeting Industry Councils) sowie Direktor des Hannover Congress Centrums. „Bereits seit vielen Jahren arbeitet die Branche intensiv mit Experten an der kontinuierlichen Verbesserung von Sicherheitskonzepten. Daher sind auch die aktuell vielstimmig geforderten weiteren Einschränkungen und zusätzlichen Restriktionen wenig hilfreich. Schlicht und ergreifend geht es aber auch darum, durch den Besuch von Veranstaltungen zu zeigen, was für eine Art von Leben wir alle weiterhin führen wollen und dies dann auch zu tun. Leider ohne 100%ige Sicherheit.“

Maßnahmen wie das Verbot der Mitnahme von Taschen und Rucksäcken sowie Körperkontrollen am Einlass zu Veranstaltungen werden jedoch mehr und mehr zur Selbstverständlichkeit werden. „Daran werden wir uns alle – sowohl Besucher als auch Veranstalter – gewöhnen müssen“, so König.

Veranstaltungshäuser als Spiegel der Gesellschaft und Politik

Gerade an den aktuellen Verboten von Wahlkampfauftritten türkischer Politiker in Deutschland wird deutlich, dass Veranstaltungshäuser das Brennglas für gesellschaftspolitische Themen sind. Während in Deutschland zugelassene Parteien jeder politischen Richtung ein Recht darauf haben, ihre Veranstaltungen in kommunal betriebenen Häusern abzuhalten, gilt dies für ausländische Parteien in dieser Form nicht.

„Sowohl in dieser Frage, als auch bei den Umsetzungen und Interpretationen des deutschen Parteiengesetzes, gibt es jedoch leider einen ziemlich unerfreulichen Trend in der Bundespolitik. Obwohl hier die eigentliche Zuständigkeit für beide Fragen liegt, werden diese Themen ausgesessen oder über die Landesebene auf die Kommunalebene – und damit auch auf die Veranstaltungshäuser –  abgewälzt. Leider fehlt hier komplett die ansonsten so gerne von Politikern zitierte „klare Kante“. Dadurch werden unsere Kolleginnen und Kollegen auf Leitungsebene in den Häusern häufig mehr als zumutbar zum Prellbock der Emotionen von allen Seiten“, so König.

Aber auch die allgemeine politische und wirtschaftliche Lage beeinflusst die Veranstaltungsbranche und die Zahl der realisierten Tagungen, Kongresse, Messen und Präsentationen nachhaltig – positiv wie negativ. Joachim König: „Wir sind gespannt auf den Ausgang der Wahlen insbesondere in Frankreich und Deutschland, aber auch auf die Umsetzung des Brexit. Bleibt zu hoffen, dass auch danach der positive Trend für die Branche weiter anhält.“

Kongress-Standort Deutschland ist Spitzenreiter in Europa

Seit dem Jahr 2009 verzeichnet die Veranstaltungsbranche ein kontinuierliches Wachstum und zählt derzeit über 7.200 Locations mit mindestens 100 Sitzplätzen im größten Saal. Jährlich finden 3,06 Millionen Veranstaltungen mit 393 Millionen Teilnehmern statt (Quelle: Meeting- & EventBarometer 2016). Damit hält Deutschland den Spitzenplatz in Europa und Platz 2 weltweit nach den USA.

95 Prozent der Veranstaltungshäuser in Deutschland sind in kommunaler Hand und aufgrund der anspruchsvollen Infrastruktur, schwankender Auftragslage und subventionierten Veranstaltungen z.B. von örtlichen Vereinen und Schulen defizitär betrieben. Auf der anderen Seite gelten Stadthallen und Kongresszentren in jeder Stadt als Wachstumsmotor, der mit den Ausgaben der Besucher und Gäste Geld in die Wirtschaft und somit wieder in die städtischen Kassen spült.

Zukunft sichern

Um auch in Zukunft auf dem Markt bestehen zu können, darf jedoch jedes einzelne Veranstaltungshaus und damit auch die Kongress-Destination Deutschland nicht den Anschluss verlieren. Die Konkurrenz-Situation innerhalb Deutschlands aber auch im Ausland verschärft sich, so dass Investitionen sowohl baulicher Art als auch in die Infrastruktur, wie z.B. in Licht- und Tontechnik unerlässlich sind. Themen wie der Demografische Wandel, die Digitalisierung und Energieeffizienz werden die Veranstaltungsbranche in Zukunft in gleichem Maße prägen und verändern wie die gesamte Gesellschaft.

Dringend benötigt: Förderprogramme zur energetischen Sanierung von Stadthallen

Laut einer vom EVVC beauftragten Studie emittieren die Stadthallen in Deutschland jährlich rund 300.000 t Kohlendioxid – ein Wert, der durch energetische Sanierung um rund 40 Prozent zu senken wäre. Doch viele finanzschwache Kommunen können die nötigen Mittel für eine energetische Sanierung nicht aufbringen, obwohl durch diese Maßnahmen auf lange Sicht Einsparungen zu erzielen wären.

Um den besonderen Anforderungen der Veranstaltungshäuser gerecht zu werden, fordert der EVVC daher spezielle Förderprogramme zur energetischen Sanierung von Stadthallen. „Insbesondere vor dem Hintergrund des Zieles der Bundesregierung, bis zum Jahr 2050 die Treibhausgasemissionen um 80 bis 95 Prozent zu senken, wäre dies ein wichtiger Beitrag“, so König.

Pressekontakt:
Antje Münsterberg
Pressesprecherin
Mobil: 0176 62129256
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