Geschrieben von Redaktion, Dienstag, 27. Januar, 2015

Neue DLG-Studie zum Thema „Lebensmittelkompetenz“: Bis zu 77 Prozent der befragten Verbraucher wünschen sich einen transparenteren Umgang mit Lebensmitteln

(PREGAS) Mit dem Inkrafttreten der neuen Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV) am 13. Dezember 2014 hat der deutsche Gesetzgeber eine EU-Vorschrift umgesetzt, die Aufklärung durch zusätzliche Hinweise auf den Lebensmittelverpackungen bieten will. Begleitet wird diese Neuerung von einer Debatte darüber, ob die LMIV für mehr Klarheit sorgt oder ob vielmehr damit die Chance verpasst wurde, für Verbraucher relevante Angaben gezielt in den Fokus zu rücken. Doch welche Rolle spielen Informationen auf Verpackungen überhaupt für die Verbraucher? Fühlen sie sich damit tatsächlich in die Lage versetzt, die Qualität von Lebensmitteln kompetent zu beurteilen? Zu Fragen wie diesen hat die DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) in Zusammenarbeit mit dem Marktforschungsunternehmen ICON Added Value eine umfassende Studie durchgeführt.
    
Dabei hat sich gezeigt, dass bis zu 77 Prozent der befragten Verbraucher grundsätzlich einen transparenteren Umgang mit Lebensmitteln wünschen. „Ihnen gibt sowohl eine leicht verständliche Lebensmittelkennzeichnung als auch gut geschultes Verkaufspersonal mehr Sicherheit beim Einkauf“, erläutert Rudolf Hepp, Geschäftsführer des DLG-Testzentrums Lebensmittel.

Wichtigste Informationsquelle für Verbraucher ist die Verpackung: Während 68 Prozent der Deutschen Angaben direkt am Produkt für nützlich halten, finden nur 29 Prozent Hinweise hilfreich, die am Point of Sale abrufbar sind (z. B. QR-Codes). Knapp die Hälfte der Befragten (48 Prozent) glaubt allerdings auch, dass bei der Lebensmittelkennzeichnung „getäuscht“ wird.
    
LMIV zwar wenig bekannt, aber mit positiven Erwartungen verbunden

Zum Zeitpunkt der Datenerhebung im Oktober / November 2014 wussten lediglich 15 Prozent der Befragten, dass die neue LMIV Mitte Dezember 2014 in Deutschland in Kraft tritt. Knapp die Hälfte (48 Prozent) konnte außerdem keine Aussage darüber machen, was die Verordnung regelt. Allerdings gaben 78 Prozent der Menschen an, dass sie Verpackungsangaben stärker nutzen würden, wenn sie wüssten, dass diese durch die neue LMIV einheitlich geregelt sind.
Durch die Angaben auf der Verpackung sehr gut informiert fühlen sich die Verbraucher aktuell bereits über das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) sowie die Marke, am schlechtesten dagegen über Allergene und den Geschmack des Produkts. Von Konsumentenseite besonders gefragt sind Hinweise zum MHD, zu den Zutaten und der Herkunft von Lebensmitteln.
    
Beurteilung von Lebensmitteln: Wie kompetent sind Verbraucher?

58% der Befragten sprechen sich selbst eine hohe Kompetenz bei der Beurteilung von Lebensmitteln zu. Vor allem Menschen, die vorrangig in Bioläden einkaufen, bewerten ihre Lebensmittelkompetenz als hoch bis sehr hoch (68 Prozent). Bei einer qualitativen Befragung von Verbrauchern im Vorfeld der eigentlichen Analyse äußerte sich dieses Selbstbewusstsein durch Statements wie „Wenn es darum geht die Qualität von Lebensmitteln zu beurteilen, verlasse ich mich vor allem auf meine Sinne“ oder „Inhaltsstoffe geben mir Aufschluss über verborgene ‚Dickmacher‘“. Die übrigen 42 Prozent der Studienteilnehmer fühlen sich nicht sicher, wenn sie Lebensmittel selbst prüfen sollen. Auch dies spiegelt die Vorabbefragung in Aussagen wie „Ich möchte genau wissen, was in Lebensmitteln drin ist, das meiste davon ist aber für Laien nicht verständlich“. Bis zu 59 Prozent der Deutschen sind so genannte Smart-Shopper: Ihr Ziel ist es, ihren persönlichen Produktnutzen zu optimieren. Ihr gesteigertes Sicherheitsbedürfnis befriedigen sie, indem sie beispielsweise gezielt Produkte mit einem langen Mindesthaltbarkeitsdatum auswählen.
    
Angabe des MHD wird von Verbrauchern als nützlich eingestuft

Die große Mehrheit der Befragten spricht sich dafür aus, dass das MHD auf jeder Verpackung vorhanden sein sollte (83 Prozent). Eine ähnlich große Zahl (84 Prozent) stuft die Angabe des MHD sogar als „nützlich“ ein. Diese Information ist über alle Lebensmittelkategorien – von Tiefkühlprodukten über abgepackte frische Produkte bis zu abgepackten haltbaren Produkten – für die Verbraucher gleich wichtig. Bei unverpackten frischen Lebensmitteln sind vor allem die Angaben zur Herkunft (im Vergleich zu den anderen Lebensmittelkategorien) wichtig.
    
Fazit: Lebensmittelkompetenz nicht allein durch Information stärken

„Die Ergebnisse der Studie zeigen uns, dass die Bereitstellung von mehr Informationen allein nicht ausreicht. Vielmehr muss es das Ziel aller Beteiligten aus Politik, Verbänden und Lebensmittelwirtschaft sein, die Kompetenz der Menschen bei der Beurteilung von Lebensmitteln insgesamt zu stärken“, fasst Rudolf Hepp zusammen. „Die neue LMIV ist jedoch ein wichtiger Schritt, indem sie das Vertrauen in die Verpackungsangaben stärkt. Schließlich halten die Verbraucher solche Informationen am Produkt für nützlicher als Hinweise am Regal oder über QR-Codes.“

In Zukunft gilt es, dem Wunsch der Verbraucher nach mehr Transparenz bei Lebensmitteln zu entsprechen. Mögliche Ansatzpunkte sind vereinfachte Informationen auf der Verpackung, die für die Verbraucher eine wichtige Rolle spielen. So könnten Hinweise auf Herkunft oder Allergene noch deutlicher sichtbar gemacht werden, als es jetzt vorgeschrieben ist. Zusätzliche Unterstützung kann der Handel mit einem offensiven Beratungsangebot und gut geschultem Verkaufspersonal bieten.

Auch für Politik und Gesellschaft halte die Studie wichtige Erkenntnisse bereit, so Hepp: „Lebensmittel über die Kennzeichnung hinaus nach ihrem Aussehen, Geruch und Geschmack selbst beurteilen zu können, werden als wichtige Grundlage betrachtet – auch dafür, die Verschwendung von Lebensmitteln zu reduzieren. Die Debatte inwiefern diese Fähigkeiten etwa an Schulen vermittelt werden oder werden sollten, halten wir daher für eminent wichtig.“
    
Zum Studiendesign und zur Methode: Die Studie wurde in einem zweistufigen Prozess durchgeführt – beginnend mit einer qualitativen Analyse in Form von begleitetem Einkaufen und anschließenden Interviews. Auf dieser Basis erfolgte anschließend die Erstellung eines Fragebogens, der im Rahmen einer Online-Befragung die quantitativen Ergebnisse lieferte. Befragt wurden dabei insgesamt 1.015 Teilnehmer, die allein oder zusammen mit einer anderen Person für den Lebensmitteleinkauf in ihrem Haushalt verantwortlich sind. 65% der Befragten waren weiblich, 35% männlich. Die Altersgruppen 20- bis 35-Jährige, 36- bis 50-Jährige sowie 51- bis 65-Jährige waren mit jeweils etwa einem Drittel vertreten.
    
Weitere Informationen zur Studie sowie Grafiken und Videomaterial unter: http://www.dlg-verbraucher.info/de/lebensmittel-wissen/studien/neue-dlg-studie-zum-thema-lebensmittelkompetenz.html

Kontakt:
DLG e.V.
Servicebereich Kommunikation
Pressestelle
Eschborner Landstr. 122
60489 Frankfurt/M.
Telefon: +49(0)69/24 788-201    





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