Geschrieben von Ute Logen, Montag, 29. Januar, 2018

Insolvenz eines wichtigen Kunden: Vorsicht ist das Gebot der Stunde

Auch Hoteliers und MICE-Unternehmer können schnell zu Gläubigern im Insolvenzverfahren werden. Dann brauchen sie professionelle Beratung. Ebenso sollten sie in einer solchen Situation ihre eigenen Strukturen absichern.

(PREGAS/Logen) Die Insolvenzzahlen sind seit einigen Jahren rückläufig. Das ist gut für die Wirtschaft: Wo weniger Unternehmen in eine Pleite schlittern, existieren mehr Arbeitsplätze, fließen mehr Steuern. Das heißt aber natürlich nicht, dass es keine Unternehmensinsolvenzen mehr gibt: Weiterhin trifft es große wie kleine Betriebe, nur eben weniger oft als noch vor fünf Jahren.

Hotel- und MICE-Unternehmen sind dennoch gefragt, sich vor einer solchen Situation zu schützen – und zwar in doppelter Hinsicht. Zum einen können sie durch solides Wirtschaften in guten Jahren für eine Krise vorsorgen. Auf der anderen Seite müssen sie Vorkehrungen für den Fall treffen, dass sich einer ihrer wesentlichen Geschäftspartner im Insolvenzverfahren befindet.

Nehmen wir das absolut wahrscheinliche Beispiel eines Tagungszentrums, das eine nicht unerhebliche Anzahl an Veranstaltungstagen an einen Kunden verkauft: für Seminare, Vertriebsveranstaltungen, Incentives. Dieser Kunde muss nun, aufgrund eines schwierigen Marktumfeldes in seinem Bereich, Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stellen. Das hat folgende Konsequenzen: Lieferungen und Dienstleistungen werden nicht mehr wie üblich angefordert, Rechnungen bleiben für längere Zeit oder dauerhaft offen, und Verbindlichkeiten werden nicht mehr zuverlässig bedient. Damit wird ein Gastgeber von jetzt auf gleich vom Lieferanten zum Gläubiger des Stammkunden, weil Ansprüche gegen den Schuldner bestehen.

Das führt zu für die meisten bis dato völlig unbekannten Pflichten und Rechte. Ihr Ansprechpartner ist ab sofort der Insolvenzverwalter, dem sie auch ihre offenen Forderungen mitteilen müssen. Dieser wird sie gleich mit allen anderen Gläubigern behandeln: Sie erhalten eine Quote, also einen bestimmten Teil ihrer offenen Forderungen. Eben so viel, wie der Insolvenzverwalter noch aus der Masse „herausholen“ kann.

Um diese Quote zu erhöhen, können Insolvenzgläubiger im Verfahren mitarbeiten, indem sie ihre Rechte im Gläubigerausschuss wahrnehmen. Aber: Welcher Hotelier oder MICE-Unternehmer kann und will dies? Wohl nur die wenigsten. Als Option, um sich dennoch professionell vertreten zu lassen, können sie auf einen externen Spezialisten zurückgreifen, der als Bevollmächtigter auftritt und ihre Interessen – rechtlich, betriebswirtschaftlich und strategisch – bestmöglich verfolgt. Eine solche Begleitung erhöht die Chancen erheblich, bessere Ergebnisse zu erzielen.

Aber auch ein weiterer Aspekt spielt eine wichtige Rolle – denn was passiert, wenn der größte Tagungskunde ausfällt und die kalkulierten Umsätze eines ganzen Jahres dadurch verloren gehen. Das kann schnell zu einem Rückgang von 15, 20 oder mehr Prozent führen, während die Kosten sich freilich von jetzt auf gleich reduzieren lassen. Daher kann es durchaus Sinn ergeben, im Zuge der Insolvenz eines wichtigen Kunden gleich die eigenen Strukturen überprüfen zu lassen, um keine böse Überraschung zu erleben. Vorsicht ist das Gebot der Stunde.


Image (adapted) by Pixabay


 

Über den Gastautor:

Ute Logen

Steuerberaterin Ute Logen ist Geschäftsführerin von ADK Consulting GbR mit Sitz in Düsseldorf, der auf Insolvenzdienstleistungen, Sanierung und Restrukturierung spezialisierten Einheit der Wirtschaftsprüfungs-, Steuerberatungs- und Rechtsanwaltsgesellschaft ADKL (Abels Decker Kuhfuß Lenzen & Partner mbB). Das Beratungsunternehmen wird sowohl in Insolvenz- als auch Restrukturierungsverfahren auf Seiten von Insolvenzverwaltern, Beratern und Gläubigern tätig. Ein Schwerpunkt liegt in der ganzheitlichen Beratung steuerlicher Fragestellungen insbesondere mit Bezug zum Insolvenzrecht bis hin zur Prozessführung über alle Instanzen hinweg. Weitere Informationen: www.adk-consulting.de





Beiträge von Gastautoren


Positionierung: Druckmarketing sorgt für kurze Wege

Artikel lesen

Incentives mit Mehrwert sind ein echter Gewinn

Artikel lesen

Insolvenz eines wichtigen Kunden: Vorsicht ist das Gebot der Stunde

Artikel lesen