Geschrieben von PREGAS Presseportal, Donnerstag, 18. Februar, 2016

Ernennung von Ausbildungsbotschaftern des bayerischen Gastgewerbes

Arbeitsministerin Müller, Präsident Brandl und Vizepräsidentin Inselkammer auf dem Ausbildungsbotschaftertag / Umsetzung des neuen Modells Integrierte wertschätzende Ausbildung in der Praxis

(PREGAS) Von A wie Ausbildungszufriedenheit bis Z wie Zukunft der dualen Ausbildung in Deutschland reichte die Themenpalette des sechsten Ausbildungsbotschaftertages des bayerischen Gastgewerbes in der Münchner Eventlocation Isarpost.

In seinem Grußwort zeigte Ulrich N. Brandl, Präsident des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Bayern, die Bedeutung der Ausbildungsbotschafter für die Branche auf: „Sie sind unsere Vorzeigeunternehmer, Sie sind die Visitenkarte einer wertschätzenden Ausbildung in Bayerns Hotellerie und Gastronomie.“ Zugleich nutzte Brandl die Gelegenheit, um auch auf noch zu lösende Probleme hinzuweisen: „Wirte wollen für ihre Gäste da sein, statt Formulare ausfüllen. Die immer größer werdende Verordnungslawine zieht immer mehr Betrieben den Boden unter den Füßen weg, zugleich bedarf es dringend der Anpassung jahrzehntealter Gesetze, die nicht mehr der Alltagsrealität entsprechen. Allen voran ist das Arbeitszeitgesetz zu nennen, hier bedarf es der Umstellung von einer täglichen auf eine wöchentliche Höchstarbeitszeit. Es geht nicht darum, dass Mitarbeiter mehr arbeiten sollen, sondern – oft genug auch auf deren eigenen Wunsch hin – flexibler einsetzbar sind.“, erläuterte der DEHOGA Bayern-Präsident.

Als feierlichen Höhepunkt des Tages hat Bayerns Arbeitsministerin Emilia Müller gemeinsam mit Vizepräsidentin Angela Inselkammer zusammen mit BIHK-Präsident Eberhard Sasse die Ernennungsurkunden an die neu ernannten Ausbildungsbotschafter der bayerischen Hotellerie und Gastronomie verliehen. Die 119 bayerischen Ausbildungsbotschafter sind gastgewerbliche Unternehmerinnen und Unternehmer, die in ihren eigenen Betrieben hervorragend ausbilden und in IHK Prüfungsausschüssen tätig sind. Sie werden durch eine Urkunde ernannt und informieren bei Messen und Schulveranstaltungen über die Ausbildung und Karrieremöglichkeiten in Hotellerie und Gastronomie.

Müller betonte: „Die duale Ausbildung ist der Grundstock für das ganze Berufsleben. Damit sie gelingt stehen den jungen Menschen Ausbildungsbotschafter als Paten zur Seite. Sie zeigen durch ihr persönliches Beispiel, welche Entwicklungsmöglichkeiten Hotellerie und Gastronomie in der Aus- und Weiterbildung bieten. Die Ausbildungsbotschafter leisten damit einen wichtigen Beitrag für die Sicherung des künftigen Fachkräftebedarfs in der Hotellerie und Gastronomie. Sie tragen zudem oft entscheidend zum Gelingen der Karriere bei. Denn auf einer dualen Ausbildung lässt sich eine Karriere ebenso gut aufbauen wie auf einem Studium.“

DEHOGA Bayern-Vizepräsidentin Angela Inselkammer zeigte an Hand der Zertifizierung TOP Ausbildungsbetrieb und des bayernweiten Modells Wertschätzende Ausbildung das sechsstufige Ausbildungsprogramm im Gastgewerbe auf: Beginnend mit der Schulpatenschaft und dem Schnupperpraktikum, aufbauend während der drei Jahre Qualitätsausbildung mit Ausbildungspaten, Mitarbeitergesprächen, Auslandsaufenthalt, Schulungen und Prüfungsvorbereitungen, die dann nach erfolgreicher Abschlussprüfung in eine vom Ausbildungsbetrieb begleitete Karriere münden. Inselkammer führte weiter aus, dass vor dem Hintergrund eines boomenden bayerischen Tourismus und Gastgewerbes die Mitarbeiterplanung die zentrale Aufgabe jedes Betriebes sei. Mehr denn je, müssen sich gastgewerbliche Unternehmer als wertschätzende Arbeitgeber einen Namen machen, damit gut ausgebildete Fachkräfte sich für ihr Unternehmen entscheiden. Um eine anerkannte Arbeitsgeber-Marke, auch als Employer Branding in aller Munde, aufzubauen, sind eine offene Mitarbeiter- und Gästekommunikation, ein verlässliches Handeln als ehrbarer Kaufmann und nicht zuletzt eine von allen Mitarbeitern getragene Unternehmensvision die Basis.

„4.300 junge Menschen haben sich im vergangenen Jahr in Bayern für eine Ausbildung im Gastgewerbe entschieden, als Koch oder Köchin, als Hotel- oder Restaurantfachleute, Hotelkaufleute, Fachleute für Systemgastronomie oder auch als Fachkräfte im Gastgewerbe“, sagte Eberhard Sasse, Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK). „Damit blieb die Zahl der Neueinsteiger gegenüber dem Vorjahr nahezu stabil. Dennoch müssen wir alles dafür tun, die Attraktivität dieser Berufe und die Karrierechancen im Gastgewerbe bekannt zu machen. Umso wichtiger ist die Aufgabe der Ausbildungsbotschafter des bayerischen Gastgewerbes, die für das Image der Gastberufe in der Öffentlichkeit und für das Konzept einer wertschätzenden Ausbildung werben“, so Sasse weiter.

Susan Seeber, die als Professorin für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung an der Georg-August-Universität Göttingen gegenwärtig an einem bundesweiten Ausbildungsmonitor arbeitet, zeigte zunächst übergreifend die Einflussfaktoren auf die Ausbildungsnachfrage und die Entwicklung des Fachkräftebedarfs auf. Sodann wurde vor diesem Hintergrund die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der beruflichen Bildung in Deutschland insgesamt und in den Bundesländern betrachtet. Im Rahmen ihrer Ausführungen beleuchtete sie auch die Bayern-spezifischen Besonderheiten, insbesondere unter Berücksichtigung der Ausbildungssituation im Gastgewerbe.

Robert Geiger, Ministerialrat, Leiter der Stabsstelle für Flüchtlingsintegration im Bildungsbereich im Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, führte aus, welche berufliche Zukunft Flüchtlinge mit hoher Bleibewahrscheinlichkeit in Bayern haben. Aktuell werden rund 8.000, ab März 2016 rund 12.000 und ab September 2016 bis zu 20.000 junge Flüchtlinge zwei Jahre lang mit Sprach- und Berufsvorbereitungs-Unterricht an Berufsschulen auf eine Ausbildung in Bayern vorbereitet. Darüber hinaus, so Geiger, werde in diesen zwei Jahren die Wertevermittlung sowie die Vorbereitung auf das Leben in Bayern – im Ausbildungsberuf sowie als Teil der Gesellschaft – im Vordergrund stehen.

Im Nachgang zum Referat schilderten in einem Gedankenaustausch der Unternehmer Leonhard Anetseder vom Golf- und Landhotel Anetseder im niederbayerischen Thyrnau, Martin Frank, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Niederbayern sowie Kathrin Wickenhäuser, Vizepräsidentin der IHK für München und Oberbayern, ihre eigenen Erfahrungen mit Flüchtlingen.

Nach einem dem Thema Ausbildung entsprechenden „jugendlichen“ Mittagessen im systemgastronomisch ausgerichteten Burgergrill „Hans im Glück“ stand das Thema Ausbildungsabbrüche, deren Ursachen und mögliche Prävention auf der Tagesordnung. Agnes Wieser, Berufsberaterin von der Arbeitsagentur Holzkirchen, stellte im Auftrag der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit das erstmalig an einer bayerischen, gastgewerblichen Berufsschule im Dezember 2015 in Miesbach durchgeführte Pilotprojekt „PraeLAB – Prävention von Ausbildungsabbrüchen“ vor. Im Rahmen dieses Projektes wurden 83 junge Auszubildende befragt, die erst wenige Wochen zuvor mit ihrer Ausbildung als Koch, Hotelfach- oder Restaurantfachmann/-frau begonnen hatten. Diejenigen Auszubildenden, bei denen ein Ausbildungsabbruch latent oder akut anstand, nannten hierfür berufswahlbezogene, persönliche, betriebliche, schulische aber auch zwischenmenschliche Gründe. Wieser, die das Projekt federführend leitet, äußerte sich voller Anerkennung für das bayerische Gastgewerbe, dass dieses sich „so beherzt dem Thema Ausbildungsabbruch, das vielfältige Gründe hat, stellt.“

In den anschließenden internen Workshops ging es um die interessante Gestaltung von Vorträgen und die authentische Vermittlung von Ausbildungsinhalten. Hierbei sollen als Zielgruppe nicht nur Jugendliche mit Deutschkenntnissen angesprochen werden, sondern auch solche mit Flüchtlingsgeschichte, bei denen eine anschauliche Darstellung von Inhalten vorrangig visuell erfolgen muss.

Quelle: Bayerischer Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern e.V.





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