Geschrieben von Burkhard Küpper, Freitag, 9. Oktober, 2015

Wenn der Prüfer zweimal klingelt

(PREGAS/Burkhard Küpper) Fallen bei der steuerlichen Außenprüfung Unstimmigkeiten auf, hat das oft spürbare Nachzahlungen zur Folge. Hoteliers und Gastronomen sollten deshalb bei den Einnahmenaufzeichnungen nicht schummeln oder bei den Aufschlägen grob von der behördlichen Richtsatzsammlung abweichen.

Es gibt wohl kaum einen Begriff, der Unternehmern so sehr den Angstschweiß auf die Stirn treibt wie die Außenprüfung, auch als Betriebs- beziehungsweise Steuerprüfung bekannt. Denn diese ist nicht nur lästig, sondern kann auch in hohen Nachforderungen resultieren. Ein Beispiel für ein solches Risiko gerade im Gastgewerbe sind die Preisaufschläge. Diese sollten natürlich so kalkuliert sein, dass sie kaufmännisch Sinn ergeben. Aber sie sollten sich auch im Sinne der Richtsatzsammlung bewegen, die die Finanzverwaltung aufgestellt hat.

Die Finanzverwaltung kalkuliert nicht mehr einfach nach, sondern setzt gezielt eine Prüf-Software sowie den Chi2-Test beziehungsweise den Zeitreihenvergleich ein. Beim Chi²-Test wird geprüft, wie oft die Ziffern 0 bis 9 bei den Einnahmenaufzeichnungen an den ersten beiden Stellen vor und an der ersten Stelle hinter dem Komma vorkommen. Da jeder Mensch seine „Lieblingszahlen“ hat, ist die Finanzverwaltung hierbei regelmäßig der Ansicht, dass diese Lieblingszahlen immer dann benutzt werden, wenn die Einnahmenaufzeichnungen nicht korrekt erfolgen. Will heißen: Tauchen immer wieder die gleichen Zahlen beziehungsweise Summen auf, erregt das schnell den Verdacht, dass bei den Aufzeichnungen getrickst wurde – vor allem dann, wenn sich über den Chi²-Test erhebliche Abweichungen zu den in den Richtsatzsammlung kalkulierten Preisaufschlägen ergeben.

Dann wendet der Prüfer den Zeitreihenvergleich an. Dabei werden die einzelnen Wareneinkäufe nach den Rechnungen auf die Zeit bis zum nächsten Einkauf verteilt. Anhand der aufgezeichneten Einnahmen werden die Aufschlagsätze der einzelnen Wochen ermittelt, und wenn sich – übers Jahr gesehen – in jeweils einem Zehn-Wochenzeitraum höhere Aufschläge als insgesamt aus der Buchführung ergeben, geht die Finanzverwaltung davon aus, dass der höchste erzielte Aufschlag für das geprüfte Unternehmen im ganzen Jahr gilt. Und das kann teuer werden, wie ein Rechenbeispiel zeigt: „Eine Gaststätte hat 100.000 Euro für den Wareneinkauf und 370.000 Euro Einnahmen aufgezeichnet. Der Aufschlag beträgt also 270 Prozent und liegt damit im Rahmen der Richtsätze. Beim Zeitreihenvergleich stellt das Finanzamt fest, dass der höchste Aufschlag innerhalb des Jahres 310 Prozent betragen hat – und schätzt ausgehend davon die Einnahmen neu. Dementsprechend wir der Besteuerung die Summe von jetzt 410.000 Euro zu Grunde gelegt. Das sind 40.000 Euro mehr und führt natürlich zu wesentlich höheren Steuerzahlungen, je nach Steuersatz in Richtung 20.000 Euro.

Wer Probleme bei der Steuerprüfung vermeiden will, hält sich also übers Jahr hinweg an die Richtwertsammlung – Ausschläge nach oben fallen sonst auf und führen in der Konsequenz zu Nachzahlungen. Ebenso wichtig: die ständige Diskussion mit dem Steuerberater. Auch diese kann Probleme vermeiden, denn der versierte Steuerberater kennt diese Fragestellungen und Datensätze sehr gut und kann dauerhafte steueroptimierte Maßnahmen ergreifen.

Zudem sind einige Punkte bei der Festsetzung einer Außenprüfung zu beachten. Dazu gehört, ob die Außenprüfung überhaupt zulässig, für den Prüfungszeitraum die Betriebsgrößenklasse beachtet wurde, die Terminabstimmung mit Steuerpflichtigem, Steuerberater und Prüfer erfolgt ist und ob die Prüfungsordnung dem Steuerpflichtigen in angemessener Zeit vor dem Beginn der Prüfung bekanntgegeben wurde. Gleichzeitig sollten sich der Unternehmer und der Steuerberater aber ebenso gut untereinander abstimmen und sich vorbereiten, vor allem damit alle Unterlagen bereit liegen.

Bildrechte: Gina Sanders/Fotolia

Über den Gastautor:

Küpper-neu 300

Burkhard Küpper ist geschäftsführender Gesellschafter der auf gewerbliche Mandate spezialisierten Steuerberatungsgesellschaft Albers mbH aus Düsseldorf (www.steuerberatung-albers.de). Die Gesellschaft begleitet mittelständische Unternehmen aus ganz Deutschland bei allen steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Fragen und besitzt besondere Kompetenzen in der Restrukturierung von Unternehmen.





Beiträge von Gastautoren


Steuerliche Begünstigung: Kochjacke ja, Business-Anzug nein

Artikel lesen

Wenn der Prüfer zweimal klingelt

Artikel lesen

Unfälle können schwerwiegende Konsequenzen haben

Artikel lesen