Geschrieben von Thorsten Klinkner, Dienstag, 5. Mai, 2015

Wendepunkte frühzeitig gestalten

(PREGAS/T.K.) Für Hoteliers bietet sich, vor allem vor der Hintergrund der unsicheren Aussichten bei der Neuregelung der Erbschaftsteuer, die Stiftung als strategische Option an. Sie sichert die Unternehmensnachfolge durch die Verselbständigung des Vermögens – und dennoch profitiert die Familie dauerhaft von den Erträgen und kann echte Verantwortung übernehmen.

Im deutschen Mittelstand ist die Erbschaftsteuerdebatte weiterhin im vollen Gange. Und der Ton wird rauer. Denn in den vergangenen Wochen sind vor allem Politiker aus dem bürgerlichen Lager von ihren ursprünglichen Aussagen abgewichen: Hatte es direkt nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts kurz vor Weihnachten, das die aktuell gültigen und je nach Anwendung vollständig steuerbefreienden Regelungen bei der Übertragung von Betriebsvermögen als in Teilen verfassungswidrig erklärt hatte, da sie gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung verstießen, noch geheißen,  unternehmensfreundliche Neuregelungen schaffen zu wollen, hat sich dieses Blatt nun gewendet.

Dem Willen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zufolge soll die sogenannte einschränkende „Bedürfnisprüfung“ bereits bei 20 Millionen Euro pro Erwerb durch die Erben ziehen – damit sollen Unternehmen ab diesem Wert nicht mehr wie bisher von der Erbschaft- und Schenkungsteuer verschont werden, wenn mit allen oder fast allen Mitarbeitern fortgeführt werden. Darüber hinaus soll das Privatvermögen der übernehmenden Generation bei der Bedürfnisprüfung berücksichtigt werden.

Das hat natürlich für Aufruhr gesorgt, denn damit wäre eine Vielzahl von Unternehmen, auch in Tourismus und Hotellerie,  ganz erheblich von der Erbschaftsteuer betroffen. Und das hätte nicht nur zur Konsequenz, dass sich die Unternehmensnachfolge beispielsweise in einem Hotel stark verteuern würde. Noch mehr als ohnehin schon stünde die Hotellerie in Deutschland dann vor dem Problem, kaum noch potenzielle Nachfolger zu finden – die Erbschaftsteuer könnte zu einer durchaus beachtlichen Zahl von Betriebsschließungen führen.

Eigentümer fragen sich jetzt zurecht, was sie tun sollen. Vielleicht vor der eigentlich geplanten Zeit den Betrieb übergeben, um die maximale Übergangsfrist im Sinne der alten, der steuerbegünstigten Welt bis zum 30. Juni 2016 zu nutzen? Darauf hoffen, dass alles gut geht? Oder einfach unter dem Motto „Ich kann es ohnehin nicht ändern“ weitermachen? Für das Unternehmen und die eigene Zukunft und die der Familie wären das alles nicht die optimalen Lösungen. Viel wichtiger ist es, jetzt gemeinsam mit einem versierten Berater die Entwicklungen genau zu beobachten, strategische Optionen für das Unternehmen zu entwickeln und die Vermögensnachfolge selbst in die Hand zu nehmen.

Wie das funktioniert? Ergänzend oder alternativ zu den typischen gesellschaftsrechtlichen Lösungen wie AG, GmbH, GbR beispielsweise mit einer Stiftung. Davon hat der ein oder andere Hotelier sicher schon im Zusammenhang mit Aldi und Fielmann, Thyssen Krupp und Würth gehört – aber fürs eigene Hotel? Geht das überhaupt, bin ich dafür nicht viel zu klein?

Eine Stiftung ist in diesem Zusammenhang in erster Linie keine Frage der Größe des Unternehmens und/oder des Vermögens, sondern eine Frage der persönlichen Haltung zur strategischen und geregelten Vermögensnachfolge. Das Unternehmen muss selbstverständlich Erträge erwirtschaften. Ansonsten stellt sich die Frage des Erhalts sinnvoll nicht. Die Größe der Vermögenssubstanz ist jedoch nicht der entscheidende Aspekt. Auch die Steuer ist an dieser Stelle nicht mehr und nicht weniger als der wirtschaftliche „i-Punkt“ einer sorgfältig durchdachten Gestaltung. Entscheidend ist die persönliche, familiäre und unternehmerische Zielsetzung. Möchte ich das Hotel als Ertragsquelle für die Familie dauerhaft erhalten und schützen?

Falls ja, macht die Stiftung durch die Verselbständigung des eingebrachten Vermögens dasselbe für alle Zeiten unantastbar, sie übernimmt die Rolle der „Eigentümerin“ und sorgt damit für eine feste Struktur. Es existieren keine handelbaren Anteile an einer Stiftung, sie gehört mit ihrem ganzen innenliegenden Vermögen nur sich selbst. Damit sind zum Beispiel Veräußerungen im Zuge von Erbstreitigkeiten ausgeschlossen, der Erhalt des eingebrachten Vermögens ist für alle Zeiten geregelt – durch die Stiftung kann der Fortbestand des „Verwöhnhotels Kaiserkrone“ über die Generationen hinweg gesichert werden.

Denn ab dem Moment der Stiftungserrichtung benötigt „Verwöhnhotel Kaiserkrone“ keinen Gesellschafter mehr, der die Anteile besitzt. Somit stellt sich auch die Frage der Vermögensnachfolge im Sinne der Übernahme von Gesellschafterverantwortung nicht. Doch natürlich profitieren Familie und Erben vom wirtschaftlichen Betrieb des Hotels und können dort operative und administrative Verantwortung übernehmen. Schließlich schüttet die Stiftung Erträge aus den laufenden Geschäften aus, die Stifter und Ehepartner, Kinder und Enkelkinder versorgen. Und zum anderen braucht die Stiftung natürlich ein Management, denn das „Verwöhnhotel Kaiserkrone“ leitet sich natürlich nicht von alleine. So können Vermögen und Verantwortung gezielt weitergegeben werden, ohne Zwang und Nöte in existenziellen Krisensituationen wie Krankheit oder Tod. Die Stiftung entwickelt ihre Potenziale vor allem in ihrer Langfristigkeit, und wer die Planung dieser strategischen Option frühzeitig aufnimmt, wird davon profitieren. Denn auch wenn keine Nachfolger fürs Tagesgeschäft vorhanden sind, so wird die Stiftung für die rechtliche Fortführung des Unternehmens sorgen – und sei es mit einem Fremdmanagement, das aufgrund auf der Unverrückbarkeit der Stiftungssatzung im Sinne der festgeschriebenen Werte des Stifters agiert.

Bildquelle: Pixabay

 

Über den Gastautor:

Thorsten KlinknerThorsten Klinkner ist Rechtsanwalt und Steuerberater in Neuss bei Düsseldorf und Gründer der UnternehmerKompositionen GmbH. Er entwickelt für seine Mandanten erfolgreich individuelle, zukunftsorientierte Stiftungs-Strategien und schafft branchenübergreifend langfristige Eigentümerstrukturen für kleine und mittlere Unternehmen. Thorsten Klinkner ist auch als Vortragsredner bundesweit unterwegs.

Weitere Informationen unter: http://www.unternehmerkompositionen.com/

 





Beiträge von Gastautoren


Erbschaftsteuer: Diskussion nimmt kein Ende

Artikel lesen

Steuerbetrug lohnt sich nicht

Artikel lesen

Lebensversicherung nicht mehr der Weisheit letzter Schluss

Artikel lesen