Geschrieben von Peter Fischer, Mittwoch, 11. Februar, 2015

Vereinswesen – Sargnagel der Gastronomie ?

(PREGAS/P.F.) Ein ungeliebtes, aber dennoch wichtiges Thema zur Bestandssicherung der Gastronomie ist das Thema – Vereinsgaststätten & Vereinsfeste !

War zu Beginn des Vereinsgastronomieaufkommens, jährlich noch eine Weihnachtsfeier, ein Vereinsfest und eine Mitgliederversammlung, incl. einiger Vorstandssitzungen, die akzeptierte Regel, haben immer weiter um sich greifende und ausgedehnte Feierlichkeiten in fast allen Bereichen und zu allen Anlässen in den sogenannten „Vereinsheimen“ nicht unerheblich zu dem besorgniserregenden Gastronomiesterben beigetragen.

Nicht nur die persönlichen Feierlichkeiten der Vereinsmitglieder, nein, auch deren Freunde und Bekannte als auch teilweise „vereinsfremde“ Gäste werden hier reichlich bewirtet und tragen nicht unerheblich zu teilweise katastrophalen Umsatzeinbußen in der  „Profigastronomie“ bei.

Nicht nur, dass die verschiedensten Vereinsheime bei Neubauten und Renovierungsmaßnahmen wohlwollend mit erheblichen Steuergeldern der Kommunen finanziert werden, nein, auch die laufenden Kosten (Steuern, Versicherungen, Energiekosten usw.) werden nicht selten bis zu 100% aus dem Gemeindesäckel finanziert.

Hinzu kommen jährlich nicht unerhebliche Beträge aus der sogenannten Vereinsförderung die gemessen an der Mitgliederzahl sowohl den Vorstandsmitgliedern als auch den eigens ins Leben gerufene sogenannte Festausschüssen ein lukratives Freizeitvergnügen ermöglichen.

Dass hier erhebliche steuerfreie Gewinne erzielt und mehr oder minder satzungsgemäß verwendet werden ist eine Sache. Dass aber z. Bsp. europäische und mittlerweile auch interkontinentale  Partnergemeinden besucht werden, um „interkulturellen Austausch“ zu pflegen, ist eine andere Sache. In der Regel bedürfen solche  Reisen einer erheblichen Planungs-& Vorbereitungstätigkeit.

Hier opfert sich der Vorstand sowie der Vergnügungsausschuss, der sich in der Regel mit Ihren Ehefrauen der Mühsal unterziehen müssen ,die Spezialitäten der Region kulinarisch einzuordnen sowie die interessantesten Sehenswürdigkeiten und Angebotsformen zu erkunden, um den geplanten Vereinsurlaub , Entschuldigung – „Kulturaustausch“ – doch reibungs-& satzungsgemäß  zu gestalten.

Die hier anfallenden Kosten werden selbstverständlich auch aus der von den verschiedenen gastronomischen Veranstaltungen erwirtschafteten Überschüssen entnommen und pflichtgemäß verbucht, damit die gewählten Kassenprüfer der Vereine hier ohne Bedenken bei neuerlichen Vorstandswahlen einer einwandfreie Kassenführung  ihre Entlastung erteilen können.

Die politischen Parteien vor Ort werden hier gewiss nichts unternehmen, geht es doch hier um die Wählerstimmen der Vereinsmitglieder, was insbesondere bei Kommunal-& Bürgermeisterwahlen über wohl und wehe der Mandatsträger und Parteien  entscheidet.

Selbst Gastronomen können sich hier nicht weit hinauslehnen, sind sie doch noch auf Gäste die teilweise, direkt oder auch indirekt ,mit diversen Vereinen oder Organisationen verbandelt sind, oder auf die „Krümmelveranstaltungen“ die von den Vereinstischen herunterfallen, angewiesen.
So mussten alleine in Hessen von 2002 bis 2012  von einst 3000 Gaststätten und Eckkneipen sage und schreibe 1200 dauerhaft schließen.

Auch wären hier ernsthafte Aktivitäten der Gastro Interessenverbände (DEHOGA) usw. mehr als gefragt !

Hier hilft letztendlich einzig und allein ein Gesetzgebungsverfahren auf Bundesebene, die diesen Auswüchsen Einhalt gebietet und die Gastroumsätze  wieder dahin zurückführen, wo sie eigentlich hingehören. Zu den steuerzahlenden und ausgebildeten Gastronomen, die der Garant einer professionellen Gastronomiekultur sind, dessen Fehlen erst schmerzlich registriert wird, wenn man im Eingangsbereich ein Schild mit der Aufschrift -„Wegen Unrentabilität dauerhaft geschlossen“ liest !

Über den Gastautor:

Als Firmengründer u.a. der Fischer GmbH & Co KG und Fimpex Fischer GmbH, hat Peter Fischer zunächst Konsumgüter des täglichen Bedarfs importiert und vermarktet. Des Weiteren betreibt die Firma vier Gaststätten , ein Hotel und ein Motel. Sowohl in Eigenregie als auch verpachtet. Zudem ist Peter Fischer Mitglied des Gemeindeparlamentes in Biblis.

Weitere Informationen unter: http://www.hape-fischer.de/





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