Geschrieben von Burkhard Küpper, Dienstag, 23. Februar, 2016

Unternehmer aufgepasst: Verschärfte Regeln für den Vorsteuerabzug

(PREGAS/Burkhard Küpper) Rechnungen von Lieferanten, die nur Postfachadressen beinhalten, sind für Unternehmen laut einem Urteil des Bundesfinanzhofes nicht mehr zum Vorsteuerabzug berechtigt. Das kann teure Konsequenzen haben, natürlich auch für Hoteliers und Gastronomen.

Der Abzug der Vorsteuer ist für Unternehmen wie Einzelunternehmer ein wichtiger Aspekt in der steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Kalkulation. Denn wer regelmäßig Produkte und Dienstleistungen von Dritten einkauft, plant die Rückerstattung der gezahlten Mehrwertsteuer fest in den buchhalterischen Kreislauf ein. Das ist dementsprechend auch in Hotellerie und Gastronomie ein übliches Vorgehen, denn gerade in diesen Wirtschaftsbereichen fallen regelmäßig hohe Ausgabe für Küche, Service und Co. an.

Dieser Vorsteuerabzug ist aber nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs kein Selbstläufer mehr. Die Richter haben die umsatzsteuerlichen Rechnungsanforderungen verschärft. Mit dem Urteil vom 22. Juli 2015 (V R 23/14) hat der Bundesfinanzhof den Vorsteuerabzug aus einer Lieferantenrechnung versagt, weil der Lieferant unter der Rechnungsadresse nur postalisch erreichbar war und dort keine wirtschaftliche Aktivität entfaltete.

Das Merkmal „vollständige Anschrift“ gem. § 14 Abs. 4 Nr. 1 UStG erfüllt „nur die Angabe der zutreffenden Anschrift des leistenden Unternehmers, unter der er seine wirtschaftlichen Aktivitäten entfaltet“. Dies ist ein entscheidender Passus für Unternehmen. Sie müssen auf eine korrekte Rechnungsadresse im Sinne des Urteils bei ihren Lieferanten achten, sonst riskieren sie den Vorsteuerabzug. Und das kann teuer werden. Konkret heißt das für Hoteliers und Gastronomen: Der BFH-Rechtsprechung zufolge sind Rechnungen, die lediglich eine Postfachadresse beinhalten, nicht mehr zum Vorsteuerabzug berechtigt.

Damit stellt sich der Bundesfinanzhof zwar gegen eine gängige Verwaltungsmeinung, nach der die Angabe eines Postfaches für den Vorsteuerabzug ausreichend ist. Und für die Vergangenheit besteht Vertrauensschutz – aber nur für die Besteuerungszeiträume, für die bereits eine Umsatzsteuererklärung abgegeben wurde. Die Abgabe von Umsatzsteuer-Voranmeldungen ist hierbei nicht ausreichend.

Für gastgewerbliche Unternehmer bedeutet das konkret, mit allen Lieferanten Vereinbarungen zu treffen, mittels derer solche Situationen vermieden werden können. Das ist nicht nur aus Kostengründen für die Leistungsempfänger entscheidend; auch die Lieferanten können sich auf diese Weise gegen Schwierigkeiten in der Geschäftsbeziehung wappnen. Kurzum: Durch eine Absprache entsteht eine langfristige Win-Win-Situation, die Fehler vermeidet und Risiken reduziert.

Bildrechte: MK-Photo/Fotolia

Über den Gastautor:

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Burkhard Küpper ist geschäftsführender Gesellschafter der auf gewerbliche Mandate spezialisierten Steuerberatungsgesellschaft Albers mbH aus Hilden (www.steuerberatung-albers.de). Die Gesellschaft begleitet mittelständische Unternehmen aus ganz Deutschland bei allen steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Fragen.





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