Geschrieben von Tim Banerjee, Montag, 21. November, 2016

Unternehmensnachfolge: Was will ich wirklich?

(PREGAS/Tim Banerjee) Die Praxis zeigt, dass bei der Unternehmensübertragung von der ersten Planung bis zum Vertragsabschluss oft zwei bis drei Jahre in Haus gehen können. Eigentümer sollten sich also Zeit nehmen, um alle wichtigen Rahmenbedingungen zu klären.

„Irgendwann ist gut“: Das gilt für Unternehmer genauso wie für Angestellte, auch in Hotellerie und Gastronomie. Nach vielen Jahren an der Spitze seines Unternehmens möchte der Gastgeber die Früchte seiner Arbeit genießen, seinen Hobbies nachgehen, sich um die Enkel kümmern und, und, und. Doch bevor er dies tun kann, ist in der Regel eine saubere Unternehmensübertragung nötig. Schließlich will ein Hotelier oder Gastronom seinen Betrieb in guten Händen wissen – und einen Zuschuss zur Ruhestandsfinanzierung erhofft er sich dadurch natürlich auch, ist doch sein Unternehmen ein echtes Asset in seinem Gesamtvermögen.

Doch wie geht der Unternehmer dieses Vorhaben an? Zuallererst gilt: nicht bis einen Monat vor dem geplanten Eintritt in den Ruhestand warten. Sowohl die Übertragung innerhalb der Familie, beispielsweise an Tochter und Schwiegersohn, als auch der Verkauf, sei es an einen Angestellten, einen Wettbewerber oder einen Investor, erfordert Zeit. Die Praxis zeigt, dass von der ersten Planung bis zum Vertragsabschluss oft zwei bis drei Jahre in Haus gehen können.

Das hat zum einem damit zu tun, dass sich der Eigentümer darüber klar werden muss, was genau geschehen soll: Habe ich einen Nachfolger oder will/muss ich verkaufen? Welche finanziellen Vorstellungen hat er? Vollzieht er die Übertragung auf einmal oder in mehreren Schritten, indem er sich erst operativ zurückzieht und nach und nach seine Anteile am Unternehmen abgibt? Will er vertragliche Garantien hinsichtlich der Übernahme aller Mitarbeiter, der sozialen Verpflichtung seines Unternehmens etc.? Dieser Denkprozess kann sich hinziehen, schließlich steht das Lebenswerk des Hoteliers oder Gastronomen zur Disposition.

Zum anderen dauert es eine Zeit, bis der Nachfolge eingearbeitet beziehungsweise gefunden ist. In vielen gastgewerblichen Unternehmerfamilien ist es zwar so, dass die Kinder häufig frühzeitig in den Betrieb eingebunden werden und die Abläufe und Anforderungen kennen. Gleichzeitig ist aber auch immer wieder festzustellen, dass die Eigentümer ihre Rolle als Macher und Entscheider verstehen, der de facto keine Verantwortung abgibt – insofern müssen Kinder als Nachfolger, auch wenn sie schon viele Jahre operative Erfahrung haben, die administrativen und kaufmännischen Prozesse erst kennenlernen und sich darin einfinden. Auch ein Käufer ist nicht so ohne weiteres gefunden. Die Zeiten, in denen Wirt X mit Wirt Y mal eben am Tresen den Verkauf der Gaststätte verhandelt, sind vorbei, ebenso das schnell geregelte Aufrücken des Kochs an die Spitze. Zu hoch sind die rechtlichen und kaufmännischen Anforderungen an ein solches Projekt. Kein Erwerber wird ohne sorgfältige Prüfung aller Details (Umsätze, Verbindlichkeiten, Steuer etc.) in einen Kauf einwilligen. Due Diligence ist das Stichwort: Diese Überprüfung der Unternehmensdaten gibt nicht nur Sicherheit bei der Entscheidung, ob das Unternehmen strategisch das richtige ist, sondern reduziert auch Haftungsrisiken. Kein Unternehmer kann sich eine offene Flanke leisten, weil er beim Unternehmenskauf nicht richtig hingeschaut hat.

Auch die Finanzierung des Erwerbs wird in Zeiten von Basel III nicht unbedingt einfacher. Banken überprüfen Finanzierungsvorhaben sehr genau; wenn gewisse Parameter nicht stimmen, wird auch kein Kredit gegeben. Daran scheitern Übernahmen regelmäßig.

Der Senior-Eigentümer steht also vor der Herausforderung, zum einen sein Unternehmen übergabefähig zu machen und alle rechtlichen, kaufmännischen und steuerlichen Themen sauber aufzubereiten, sodass die Datengrundlage stimmt. Zum anderen muss er einen marktfähigen Kaufpreis ermitteln – und wissen, was er wirklich will. Dann klappt es auch mit der Unternehmensnachfolge.

Bildrechte: lohner63/Fotolia

 

Über den Gastautor:

tim-banerjee-300Tim Banerjee ist Rechtsanwalt und namensgebender Partner bei Banerjee & Kollegen, einer Sozietät von Rechtsanwälten in Mönchengladbach, die sich auf die umfassende zivil- und wirtschaftsrechtliche Beratung und Begleitung von Mandanten spezialisiert hat. Weitere Informationen unter www.banerjee-kollegen.de.

 

 





Beiträge von Gastautoren


Norbert Sroke aus Dresden ist der neue Captain MICE Future

Artikel lesen

Erbschaftsteuer: Probleme durch Weitsicht vermeiden

Artikel lesen

Digitaldruck: viele Vorteile für Hoteliers

Artikel lesen