Geschrieben von Thorsten Klinkner, Dienstag, 24. März, 2015

Strategisches Instrument für Eigentümer

(PREGAS/ T.K.) Stiftungen eignen sich als strategisches Instrument für langfristig denkende Unternehmer. Sie geben dem Unternehmer die Option, sein Vermögen zu steuern und zu schützen und die Familie zu versorgen, ohne die nächste Generation mit einer zu großen Verantwortung für den Besitz zu belasten.

Wenn Unternehmer von einer Familienstiftung hören, heißt es schnell: Das ist doch nur etwas für die ganz Großen! Ich als kleiner Hotelier habe doch gar nicht genug Vermögen, um eine solche Stiftung sinnvoll zu gründen! Wird dieser erste Eindruck nicht hinterfragt, kann ein erhebliches Potenzial für den Hotelier und seine Familie verloren gehen. Denn eine Familienstiftung, in die das Betriebsvermögen eingebracht wird, ist mitnichten exklusiv für „die Superreichen“ da. Unternehmer wie Günther Fielmann, Reinhold Würth oder auch die Familie Fiege machen nur vor, wie sich eine unternehmensverbundene Familienstiftung als strategisches Instrument einsetzen lässt. Die entscheidende Frage sollte stets lauten: „Was kann ich hieraus für mich ableiten und umsetzen?“

Auch Hoteliers können mit einer individuell ausgearbeiteten Stiftung die langfristige Vermögensentwicklung sehr positiv beeinflussen. Die Stiftung wirkt wie ein Schutzschirm des Vermögens. Das funktioniert folgendermaßen: Der Eigentümer überträgt sein Betriebsvermögen oder einen Teil davon an seine „Hotelier Kaiser Familienstiftung“. Durch diesen Akt der Vermögensübertragung verliert der Unternehmer zwar unmittelbar das Recht, über das Vermögen zu verfügen. Er besitzt, juristisch ausgedrückt, keinerlei vermögenswerte Eigentums- und Beteiligungsrechte mehr. Das mag im ersten Moment als erstrebenswertes Ziel seltsam klingen, aber perspektivisch kann diese Übertragung materiell und ideell „Gold wert“ sein. Für den Unternehmer, dessen Familie, das Unternehmen und das Vermögen.

Denn die Stiftung sorgt dafür, dass das eingebrachte Vermögen langfristig stabilisiert wird. Was heißt das genau? In der „Hotelier Kaiser Familienstiftung“ ist das Vermögen des Stifters verselbständigt, das heißt, das Vermögen „ist“ die Stiftung. Das Vermögen, also beispielsweise die Gesellschaftsanteile an der Betriebsgesellschaft oder die Hotelimmobilien, wird damit gegen jeden äußeren Einfluss abgeschirmt und kann hinter der Brandmauer, die die Stiftung zieht, frei und positiv über die Zeiten hinweg entwickelt werden.

Insbesondere ist das Vermögen vor unterschiedlichen privaten Lebensinteressen und Erbstreitigkeiten geschützt. Der Fokus liegt auf dem Erhalt des Vermögens als dauerhafte Ertragsquelle zur Versorgung der Familie. Die nächste Generation kann  in der Steuerung der Stiftung Funktionen übernehmen, muss es jedoch nicht. Sie kann auch mit Kapitalerträgen aus der Stiftung begünstigt werden, ohne in der Stiftung selbst tätig zu sein. Auf diese Weise lässt sich das vielfach angestrebte Ziel erreichen, die Kinder in gleicher Weise am Vermögen teilhaben zu lassen, ohne das Eigentum zu gleichen Teilen zu übertragen und damit gegebenenfalls persönliche Konflikte auszulösen, die schon vielfach Familienvermögen vernichtet haben.

Wie kann diese Teilhabe ausgestaltet sein? Einzig und allein die Stiftungssatzung, die auf dem freien Willen des Stifters beruht, regelt den Umgang mit dem Vermögen und den Erträgen aus dem wirtschaftlichen Betrieb. Der Stifter entscheidet, ob er die Familienmitglieder zum Beispiel mit fixen monatlichen oder jährlichen Beträgen unterstützt und/oder gezielt besondere Lebenssituationen fördert. Zum Beispiel die Ausbildung, die Familien- oder die berufliche Existenzgründung. Die Substanz bleibt erhalten.

Neben dieser Schutzfunktion des Betriebs- und Familienvermögens hat die Stiftung einen weiteren Vorteil: den der Vermögenssteuerung. Der Stifter kann auf diese Weise verhindern, dass im Falle seines (plötzlichen) Todes die Erben mit einem Schlag in die vollständige Verfügungsgewalt über das Vermögen kommen. So schützt er seine Erben vor (zu) großer Verantwortung und vermeidet eine Überlastung durch einen allzu plötzlichen, großen Cash Flow, der gegebenenfalls zum „fünften Porsche“ und zu wenig Sinn führt. Die Steuerung durch die Stiftung sorgt dafür, dass die Erträge stetig fließen, nicht einmalig ein großes Vermögen.

Das zeigt: Die Stiftung ist ein Instrument für Unternehmer, die sich mit den besonderen Eigenarten der Stiftung auseinandersetzen und Vermögen langfristig erhalten und entwickeln wollen, nicht nur für die Großen. Auch der Hotelier kann sein Vermögen sichern und es sinnvoll steuern, ohne die Vermögensnachfolger dereinst in zu große Verantwortung zu zwingen. Diese können sich dann beispielsweise voll auf die operative Führung des Hotels konzentrieren.

Bild: Stiftung, © fotodo

Über den Gastautor:

Thorsten KlinknerThorsten Klinkner ist Rechtsanwalt und Steuerberater in Neuss bei Düsseldorf und Gründer der UnternehmerKompositionen GmbH. Er entwickelt für seine Mandanten erfolgreich individuelle, zukunftsorientierte Stiftungs-Strategien und schafft branchenübergreifend langfristige Eigentümerstrukturen für kleine und mittlere Unternehmen. Thorsten Klinkner ist auch als Vortragsredner bundesweit unterwegs.

Weitere Informationen unter: http://www.unternehmerkompositionen.com/

 





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