Geschrieben von Thorsten Klinkner, Dienstag, 3. März, 2015

Strategische Optionen für die Nachfolge

(PREGAS/T.K.) Ein Hotelier kann seinen Nachfolger nicht herzaubern, und herkömmliche gesellschaftsrechtliche Konstruktionen bieten kaum eine stabile Möglichkeit, ein Unternehmen gegen die Problematik eines fehlenden Nachfolgers zu wappnen. Eine sinnvolle Option für langfristig denkende Unternehmer ist die unternehmensverbundene Familienstiftung.

Spricht man in der heutigen Zeit mit Hoteliers, treibt diese viele Themen um: der Mindestlohn, die Schwierigkeit, Mitarbeiter zu finden, ein bisweilen negatives Image in der Öffentlichkeit. Neben diesen kurz- und mittelfristigen Themen wiegt eine Sache besonders schwer. Viele Senior-Unternehmer denken intensiv darüber nach, den passenden Nachfolger für das über viele Jahre aufgebaute Hotel zu finden – und das wiegt oft schwerer als organisatorische Umstellungen aufgrund höherer Kosten oder eines fehlenden Beikochs! Diese Sorgen sind nicht immer unbegründet. Denn die Zahlen lassen nichts Positives erahnen. Viele tausend Unternehmer werden laut Erhebungen in den kommenden Jahren ohne einen Nachfolger an der Spitze des Unternehmens da stehen, Tendenz steigend. Darin unterscheidet sich die Hotellerie nicht von anderen Branchen, die ebenfalls in erheblichem Maße von diesem Problem betroffen sind.

Doch was tun? Ein Hotelier kann den neuen Gesellschafter schlecht herzaubern, aber was sind die Optionen? Das Haus verkaufen? Das gefährdet die familiäre Tradition. Es schließen? Das gefährdet nicht nur die Tradition, sondern zudem auch das Ruhestandseinkommen und die Erträge für Kinder und Enkelkinder. Eine Lösung muss also her; eine Lösung, die sich am ehesten abseits der alltäglichen Pfade finden lässt.

Herkömmliche gesellschaftsrechtliche Konstruktionen bieten kaum eine Möglichkeit, ein Unternehmen gegen die Problematik eines fehlenden Nachfolgers zu wappnen. Ist kein geeigneter Nachfolger in der Familie vorhanden, der ein Hotel erfolgreich bewirtschaften kann, oder haben die Kinder andere Lebenspläne, sollte die Hotelierfamilie eingehend darüber nachdenken, ob das Eigentum an dem Hotel oder an den Gesellschaftsrechten an einer Hotel-GmbH oder einer Personengesellschaft aus dem Privatvermögen heraus langfristig gesteuert werden kann. Gehen die Lebensinteressen in eine andere Richtung, droht der Verkauf.

Eine sinnvolle Option für langfristig denkende Unternehmer ist die unternehmensverbundene Familienstiftung. Dabei fungiert die Familienstiftung als Eigentümerin des Unternehmens und verselbstständigt damit die Vermögensmasse, die das Unternehmen darstellt. Die Familienstiftung ist Gesellschafterin der GmbH oder der Personengesellschaft oder selbst unmittelbare Eigentümerin des Hotels. Der Familienunternehmer überträgt sein Unternehmen an die Stiftung; damit verliert er zwar seine Mitgliedschafts- und vermögenswerten Beteiligungsrechte an dem Unternehmen, sichert dieses aber langfristig ab.

Und warum ist das so? Wie kann eine Stiftung dabei helfen, ein Hotel zu erhalten? Das Wesentliche ist einfach: Unter dem Dach der Stiftung kann ein Unternehmen nicht aufgegeben, zersplittert oder verkauft werden. Die Stiftung verwaltet als eigenständiges System eine Ertragsquelle und wird nur durch den Willen des Stifters und der von ihm eingesetzten Organe in dessen Sinne geführt. Und wenn der Wille des Stifters besagt, dass sein Hotel auf ewig bestehen soll, garantiert die Stiftung dieses Ansinnen. Auch dann, wenn ein Fremdmanagement tätig wird, weil sich aus der Familie kein Nachfolger fürs Operative rekrutiert. Die Familienmitglieder werden aus den Erträgen begünstigt. Sie können aber nicht den Verkauf beschließen. Das könnte nur der Stiftungsvorstand auf der Grundlage der Satzung. Der Stifter gibt also den Rahmen vor.

Die Stiftung ist damit eine einmalige, aber ewige Rechtsnachfolgerin eines Unternehmens. Der Fortbestand ist gesichert, solange keine wirtschaftlichen Gründe gegen den Betrieb sprechen. Und dieser Fortbestand sorgt denn auch dafür, dass der Stifter-Unternehmer seinen Lebensabend finanziell sorgenfrei gestalten kann. Die Erträge der Stiftung aus dem Unternehmen werden dafür eingesetzt, ihn und seine Familie dauerhaft finanziell zu versorgen. Abhängig von der Ertragskraft des Hotels und dem Willen des Stifters in vollem Umfang oder dosiert für bestimmte Lebenssituationen.

Für einen Hotelier ist die Stiftung denn auch eine lohnenswerte Option in der unternehmerischen und strategischen Ausrichtung. Sie fungiert durch ihre besondere Rechtskonstruktion als Nachfolgerin des Unternehmers und kann dadurch die „fehlende“ nächste Generation ersetzen. Dabei ist sie unauflöslich und erfüllt damit ihren vom Stifter entwickelten Zweck für alle Zeiten. Die Stiftung führt die Unternehmenstradition weiter und ist der Garant dafür, dass auch ohne den operativ tätigen Unternehmer die wirtschaftliche Orientierung gewahrt bleibt.

Bildquelle: © lohner63, Fotolia

 

Über den Gastautor:

Thorsten KlinknerThorsten Klinkner ist Rechtsanwalt und Steuerberater in Neuss bei Düsseldorf und Gründer der UnternehmerKompositionen GmbH. Er entwickelt für seine Mandanten erfolgreich individuelle, zukunftsorientierte Stiftungs-Strategien und schafft branchenübergreifend langfristige Eigentümerstrukturen für kleine und mittlere Unternehmen. Thorsten Klinkner ist auch als Vortragsredner bundesweit unterwegs.

Weitere Informationen unter: http://www.unternehmerkompositionen.com/

 





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