Geschrieben von Manuela Müller, Freitag, 18. September, 2015

Sanierung: bereit sein für harte Einschnitte

(PREGAS/Manuela Müller) Es ist nicht ehrenrührig, in einer wirtschaftlich schwierigen Situation Hilfe von außen zu holen. Unternehmer müssen dann aber auch die Maßnahmen mittragen, um ihren Betrieb wirklich wieder zukunftsfit zu machen. Übrigens: Wer die Augen vor Problemen verschließt, setzt sich Haftungsrisiken aus.

Kaum ein Unternehmen ist davor gefeit, einmal in eine wirtschaftliche Schieflage zu geraten. Eine verregnete Saison oder eine erzwungene Investitionsbombe: Schon steht ein Hotelier oder Gastronom vielleicht vor dem Problem, über einen gewissen Zeitraum hinweg nicht genügend Liquidität zu besitzen und Rechnungen nicht mehr pünktlich bedienen zu können. Oder ein Unternehmer leidet grundsätzlich unter einer (regional) schwächeren Konjunktur, kommt – aus welchen Gründen auch immer – mit seinem Produkt im Markt nicht (mehr) an oder hat Altlasten, die ihn bedrücken. Auch dann ist eine ökonomisch bedrohliche Situation die Folge, und die kann schnell zu einem wirklichen Risiko für den Betrieb werden. Sind kurzfristige Löcher häufig noch mit einer Zwischenfinanzierung zu regeln, sind eher strukturelle Gründe so nicht zu lösen – oftmals würde eine Finanzspritze das Problem nur aufschieben und eine Lösung vorgaukeln.

Gastgewerbliche Unternehmer sollten sich nicht scheuen, Beratung in Anspruch zu nehmen, wenn sie ein länger anhaltendes wirtschaftliches Problem im Betrieb bemerkt haben. Das ist nicht ehrenrührig, viel schlimmer wäre es, die Augen zu verschließen und darauf zu hoffen, dass sich die Situation schon irgendwie regeln wird. Das ist unverantwortlich den Mitarbeitern gegenüber und kann zu rechtlichen Risiken führen. Denn im Falle einer Insolvenz kann der Unternehmer für seine Fehlentscheidungen haftbar gemacht werden, und zwar im Privatvermögen. Dann kommt die Zahlungsunfähigkeit des Unternehmens einer Privatinsolvenz gleich.

Wer sich frühzeitig an Experten wendet, hat häufig die Chance, seinen Betrieb ordentlich und nachhaltig zu sanieren und zu restrukturieren. Dabei geht es vor allem darum, die Ursache für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu finden, denn Zahlungsschwierigkeiten sind immer Resultat eines oder mehrerer Ereignisse und tauchen nicht einfach so auf. Ist das Angebot (mittlerweile) unattraktiv? Sind in der Vergangenheit, vielleicht unter dem Eindruck sehr guter Zeiten, Kostenstrukturen aufgebaut worden, die das Unternehmen nun stark belasten? Sind teure Fehlentscheidungen beispielsweise bei Investitionen gefällt worden? Versierte Fachleute wie Rechtsanwälte, Steuer- und Unternehmensberater werden – je nach Situation auch gemeinsam – die Verhältnisse des Unternehmens in allen Strukturen genau überprüfen und Ursachenforschung betreiben.

Am Ende steht dann – sofern ein Unternehmen sanierungsfähig ist – ein detaillierter Plan, mit dessen Hilfe bei Banken und anderen Gläubigern der Nachweis erbracht wird, dass das Unternehmen dauerhaft wieder zurück in die Erfolgsspur gebracht werden kann. Das muss der Unternehmer aber wirklich wollen, um nicht nach einiger Zeit wieder vor Zahlungsschwierigkeiten zu stehen. Ist ein Hotelier oder Gastronom nicht bereit, auch harte Einschnitte mitzugehen, ist jedes Sanierungsvorhaben zum Scheitern verurteilt. Deshalb ist es auch wichtig, einen neutralen Berater an Bord zu nehmen, der nicht aufgrund eines betrieblichen oder privaten Näheverhältnisses belastet ist.

Das soll natürlich nicht bedeuten, dass zum Beispiel der langjährige Steuerberater eines Betriebs sich nicht eignen würde, in der Sanierung zu beraten; aber möglicherweise ist der Blick fürs Wesentliche verstellt, so dass die wirklichen Probleme nicht angepackt werden. Ein neutraler Berater jedoch wird ohne Emotion und Sentimentalität vorgehen und die Maßnahmen vorschlagen, die wirklich Aussicht auf einen nachhaltigen Erfolg haben. Das kann vom Personalabbau bis zum Verkauf von Unternehmensteilen reichen. Das mag vielleicht schmerzen, ist aber immer noch besser, als durch zaghafte Maßnahmen in der Regelinsolvenz ohne eigene Gestaltungsfreiheit zu landen.

Über die Gastautorin:

Manuele_Müller
Manuela Müller ist Rechtsanwältin und Fachanwältin für Arbeitsrecht bei Banerjee & Kollegen, einer Sozietät von Rechtsanwälten in Mönchengladbach, die sich auf die umfassende zivil- und wirtschaftsrechtliche Beratung und Begleitung von Mandanten spezialisiert hat. Weitere Informationen unter www.banerjee-kollegen.de.





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