Geschrieben von Manuela Müller, Donnerstag, 17. August, 2017

Professioneller Umgang mit Überstunden erforderlich

(PREGAS/Manuela Müller) Auch wenn Überstunden die Regel sind, können beim Umgang damit viele Fehler passieren. Neben finanziellen Sanktionen sind sogar Haftstrafen möglich.

Das Gastgewerbe ist als arbeitsintensive Branche bekannt. Nicht selten kommt es deshalb zu Überstunden bei den Angestellten. Was für viele Unternehmen und deren Mitarbeiter normal ist, entspricht jedoch nicht dem, was der Gesetzgeber sich unter Normalität vorstellt. Denn auch wenn Überstunden die Regel sind, können beim Umgang damit auch viele Fehler passieren. Es sind also rechtssichere Überstundenregelungen gefragt.

Der Gesetzgeber hat die Grenzen für die tägliche Arbeitszeit von Angestellten eng definiert. Acht Stunden am Tag ist die zulässige Höchstarbeitszeit, sie kann auf längstens zehn Stunden pro Tag (wie im Gastgewerbe) ausgedehnt werden, aber auch nur dann, wenn ein entsprechender Zeitausgleich gewährt wird. Und zwischen Arbeitsende und Arbeitsbeginn müssen elf Stunden Ruhepause liegen. Auch wenn der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA für eine Verlängerung der täglichen maximalen Arbeitszeit und die Definition einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit kämpft, ist dies angesichts der aktuellen Rechtsprechung nicht gestattet. Das Arbeitszeitgesetz, in dessen Zuge auch der Mindestlohn eingeführt wurde, ist bindend. Verstößt ein Arbeitgeber gegen die Vorschriften, drohen ihm harte Strafen. Bis zu 15.000 Euro Bußgeld sind möglich. Bei vorsätzlichen Verstößen, die die Gesundheit des Arbeitnehmers gefährden, sowie bei ständiger Wiederholung sind sogar Freiheitsstrafen möglich.

Aber auch wer sich an diese Vorschriften hält – wozu er natürlich grundsätzlich verpflichtet ist – sind Überstundenregelungen kein Selbstläufer. Ein Mitarbeiter ist nur dazu verpflichtet, Arbeitszeit in dem Umfang aufzuwenden, wie sie arbeitsvertraglich vereinbart ist. Darüber hinaus besteht für ihn erst einmal keine Verpflichtung, Mehrarbeit zu leisten.

Damit Überstunden dennoch möglich werden, kann der Arbeitgeber diese einfach anordnen – aber nur, wenn wirklich Not am Mann ist. Ein betrieblicher Notfall liegt dann vor, wenn unvorhergesehen ganz überwiegend gewichtige betriebliche Interessen vorliegen, auf Grund derer der Mitarbeiter im Betrieb gebraucht wird. Dieser Anordnung muss der Mitarbeiter Folge leisten. Das kann beispielsweise ein großes Bankett sei: Fällt der dafür eingeplant Koch krankheitsbedingt dafür aus, kann der Chef einen Kollegen dazu verpflichten, auch außerhalb seiner Schicht einzuspringen. Dass dies nicht exzessiv ausgenutzt werden darf, versteht sich wohl von selbst. Will ein Hotelier oder Gastronom sich darüber einen Freibrief für endlose Überstundenanordnungen verschaffen, kann er damit vor die rechtliche Wand laufen – mit den bekannten Konsequenzen.

Davor kann ihn eine Vereinbarung schützen. Arbeits- beziehungsweise Tarifverträge können Überstundenregelungen enthalten, die auch dann ziehen, wenn kein Notfall vorliegt, sondern andere betriebliche Gründe Überstunden unvorhersehbar erfordern. Ein Hotelier oder Gastronom darf natürlich nicht am Personal sparen und die dauerhaft erhebliche Mehrarbeit vertraglich begründen. Zudem müssen Überstunden separat vergütet werden, auch wenn die Vergütung erst ab einer gewissen Zahl an Überstunden beginnt.

Bildrechte: alphaspirit/Fotolia

 

Über die Gastautorin:

manuela müller 300

Manuela Müller ist Rechtsanwältin und Fachanwältin für Arbeitsrecht bei Banerjee & Kollegen, einer Sozietät von Rechtsanwälten in Mönchengladbach, die sich auf die umfassende zivil- und wirtschaftsrechtliche Beratung und Begleitung von Mandanten spezialisiert hat. In Hotellerie und Gastronomie besitzt Manuela Müller besondere Kompetenzen. Weitere Informationen unter www.banerjee-kollegen.de.





Beiträge von Gastautoren


Fachkräftemangel: Auf der Suche nach Talenten

Artikel lesen

Transaktionen: Den Kauf absichern

Artikel lesen

Auch ohne Garantiezins gut fürs Alter vorsorgen

Artikel lesen