Geschrieben von Burkhard Küpper, Freitag, 15. Juli, 2016

Mindestlohn darf Unternehmereinkommen nicht gefährden

(PREGAS/ Burkhard Küpper) Die Realität heißt jetzt 8,84 Euro: Durch die Erhöhung des Mindestlohns kommen auf Hoteliers und Gastronomen in bestimmten Regionen spürbare Mehrbelastungen zu. Diese können sie durch gezielte Maßnahmen aber ausgleichen, ohne am Personal sparen zu müssen.

Jetzt ist es so weit, die Erhöhung des Mindestlohns ist offiziell. Ab dem 1. Januar beträgt die gesetzliche Lohnuntergrenze 8,84 Euro pro Stunde, und das für alle Arbeitnehmer mit ganz wenigen Ausnahmen. In einigen in Bundesländern fällt kaum auf, weil die Tariflöhne bereits wesentlich darüber liegen und dementsprechend nur bei Aushilfen die 8,84 Euro gelten – und selbst für diese werden in Städten wie Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München etc. längst höhere Stundenlöhne gezahlt, um überhaupt noch Mitarbeiter anbinden zu können.

Aber was ist mit strukturschwachen Regionen, in denen selbst der Hotelier und Gastronom aufgerechnet kaum mehr Geld erhält als den Mindestlohn und die Tariflöhne nicht ohnehin bereits ein anderes Lohngefüge geschaffen haben? Immer wieder ist von prekären Situationen zu hören; und das nicht nur in Ausnahmefällen, sondern in der Breite. Diese Unternehmer werden die Erhöhung wirtschaftlich konkret spüren, nicht nur am Rande, weil die Seniorin, die in München in der Spülküche hilft, jetzt 34 Cent pro Stunde erhält. Hoteliers und Gastronomen aber, die sich bereits Anfang 2015 bei der Einführung der 8,50 Euro-Grenze strecken mussten, werden jetzt vor neue Probleme gestellt.

Sie sind gefordert, die betriebswirtschaftliche Konsolidierung und Restrukturierung von vor zwei Jahren fortzusetzen beziehungsweise zu wiederholen. Denn man darf die Auswirkungen der Mindestlohnerhöhung auf den Cash Flow nicht unterschätzen: Neben den reinen Stundenkosten fallen auch höhere Sozialabgaben an. Bei größeren Betrieben mit beispielsweise vielen Aushilfen und saisonal eingesetzten Kräften, die unter das Mindestlohngesetz fallen, können insgesamt mehrere 1000 Euro an zusätzlichen Kosten zusammenkommen. Ganz zu schweigen von den Unternehmen, die für alle Mitarbeiter einen höheren Satz abführen müssen. Bei einer Vollzeitkraft schlägt die Erhöhung zuzüglich Sozialabgaben mit 60 Euro monatlich zu Buche.

Nun kann jeder Unternehmer für sich errechnen, welche Auswirkungen dies auf seine Kosten haben wird. Mehrkosten von 5000 Euro jährlich reduzieren den Ertrag unmittelbar um mehr als 400 Euro monatlich und schneidet damit direkt Unternehmer-Einkommen ab. Die Mehrkosten auf die Gäste umzulegen, kann je nach Region und Wirtschaftskraft zum Problem werden – kostet das Schnitzel auf einmal ein Euro mehr, nehmen die Gäste das möglicherweise nicht an, was die Umsätze weiter strapazieren wird. Und dann fehlt noch mehr Geld beim Unternehmer.

Damit Hoteliers und Gastronomen nicht neidisch auf das Gehalt der Saisonkraft schielen müssen, sollten sie schnellstmöglich die richtigen Schritte gemeinsam mit dem versierten Berater ergreifen. Wer schon vor der offiziellen Umstellung neue Strukturen einführt, wird von Beginn an kaum Schwierigkeiten haben, seine Erträge zu halten. Und dazu gehört natürlich nicht, aktionistisch Stellen zu streichen oder andere Panikmaßnahmen zu ergreifen, sondern mit Sinn und Verstand die internen Abläufe, Lieferketten, Verträge etc. zu überprüfen.

Hat der Bierlieferant vielleicht die Möglichkeit, einen Prozentpunkt Nachlass zu gewähren? Lassen sich Abläufe in der Küche so modifizieren, dass weniger Ressourcen benötigt werden? Können Verträge, beispielsweise im Versicherungsbereich, geändert werden? Dem Unternehmer stehen vielfältige Möglichkeiten zur Verfügung, die Substanz seines Betriebs zu stärken, ohne die Mitarbeiter und/oder das eigene Gehalt darunter leiden zu lassen. Der betriebswirtschaftlich versierte Steuerberater, der echte Branchenexpertise besitzt, kann dies mit Weitblick begleiten und ausgehend von der Anforderungen, die das Gastgewerbe stellt, individuelle Strategien zu entwickeln.

Bildrechte: wwwebmeister/Fotolia

 

Über den Gastautor:

Küpper-neu 300

Burkhard Küpper ist geschäftsführender Gesellschafter der auf gewerbliche Mandate spezialisierten Steuerberatungsgesellschaft Albers aus Hilden (www.steuerberatung-albers.de), der Faerber & Küpper Steuerberatungsgesellschaft aus Hilden (www.faerber-kuepper.de), der Lohmann & Küpper Steuerberatungsgesellschaft aus Bocholt (www.lohmann-kuepper.de) und der KD Steuerberatungsgesellschaft aus Dortmund (www.steuerberatung-kd.de). Die Gesellschaften begleiten mittelständische Unternehmen aus ganz Deutschland – unter anderem Hoteliers und Gastronomen – bei allen steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Fragen und besitzen besondere Kompetenzen in der Restrukturierung von Unternehmen. Ebenso arbeiten die Kanzleien mit einer Volldigitalisierung der Belege.





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