Geschrieben von S. Nicolas Manjon, Mittwoch, 27. September, 2017

Management-Buy-Out als Regelung der Unternehmensnachfolge

(PREGAS/Sergio Nicolas Manjon) Die Unternehmensübernahme durch einen leitenden Mitarbeiter kann eine gute Option für gastgewerbliche Unternehmer sein, die viele Vorteile mit sich bringt. Genauso sollten aber auch die potenziellen Risiken analysiert werden.

Irgendwann kommt es auch für gastgewerbliche Unternehmer zu dem Tag, an dem sie über ihre Nachfolge entscheiden müssen. Immer seltener kann diese innerhalb der Familie gestaltet werden, denn oftmals wollen die Kinder eigene Wege gehen und interessieren sich nicht für das Hotel oder Restaurant.

Dann kommt der Unternehmensverkauf zum Tragen, schließlich will der Hotelier oder Gastronom seinen Betrieb erhalten und seinen Ruhestand finanziell absichern. Die erste Idee ist in der Regel, sich einen Wettbewerber oder Investor zu suchen, der das Unternehmen kauft. Aber die Lösung kann auch viel näher liegen – nämlich im eigenen Unternehmen. Der angestellte Hoteldirektor, der Küchenchef, der Betriebsleiter: Sie alle (und andere Mitarbeiter mehr) kennen das Unternehmen sehr gut und können in der Lage sein, dieses in der Nachfolge des bisherigen Inhabers zu führen. In diesem Falle spricht man von einem Management-Buy-Out (MBO), da das Management (oder ein leitender Angestellter) die Mehrheit des Kapitals vom bisherigen Eigentümer erwirbt.

Das hat für einen Unternehmer, der seinen Betrieb übertragen will, natürlich zahlreiche Vorteile. Bietet der Hotelier oder Gastronom seinem engen Vertrauten das Unternehmen zum Kauf an, muss er zum Beispiel nicht sämtliche Unternehmensunterlagen fremden Käufern, zum Beispiel Wettbewerbern, zur Ansicht vorlegen und damit vertrauliche Informationen preisgeben. Zum anderen kennt er natürlich die Qualitäten seines Mitarbeiters und kann beurteilen, ob dieser wirklich in der Lage sein wird, unternehmerische Verantwortung zu übernehmen und den Betrieb auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten positiv zu gestalten. Möglicherweise kann der Unternehmensverkäufer auf diesem Wege auch schneller zum Ziel kommen, da die Verhandlungen aufgrund der Betriebskenntnisse des potenziellen Käufers und der räumlichen Nähe weniger kompliziert sind. Aber natürlich sind sorgfältige rechtliche und steuerliche Prüfungen immer notwendig, um Risiken zu erkennen und zu bewerten.

Verkäufer und Käufer setzen auf Kontinuität, da sich nach innen und außen weniger ändert als beim Einstieg eines Drittkäufers oder auch Investors. Der Hoteldirektor beispielsweise kann ohne Unterbrechung beziehungsweise Eingewöhnung die Geschicke des Betriebs weiterführen, wie er es auch bislang getan hat; seine neue Rolle auf Gesellschafterebene ändert daran nichts. Das ist auch ein positives Zeichen an Mitarbeiter, Gäste, Lieferanten, Partner etc.

Zugleich sollte der Eigentümer aber auch darauf achten, dass er beim Verkauf an einen Mitarbeiter einen marktüblichen Preis für sein Unternehmen erzielen kann. Interne Manager verfügen selten über das notwendige Eigenkapital, um die Kaufpreisvorstellungen vieler Inhaber umzusetzen, sodass die Interessenten auf Finanzierungspartner angewiesen sind. Das können Banken oder Investoren sein, die sich gemeinsam mit dem Management an dem Unternehmen beteiligen. Ebenso sollte sich der Eigentümer die Frage stellen, ob sein Übernahmekandidat mit dem Mentalitätswechsel vom leitenden Angestellten zum Inhaber umgehen kann und ob dieser dazu neigen könnte, während der Übernahmeverhandlungen absichtlich operative Fehler zu begehen, um die Zukunftsperspektive des Unternehmens herunterzuspielen, um dadurch einen günstigeren Preis zu erzielen.

Trotz dieser potenziellen Nachteile kann es für einen Hotelier oder Gastronom viel Sinn ergeben, den Unternehmensverkauf in Form des Management-Buy-Out als eine mögliche Option genau zu prüfen. Nur wenn er alle Möglichkeiten kennt, kann er eine echte tragfähige Entscheidung treffen.

Bildrechte: momius/Fotolia

 

Über den Gastautor:

Manjon

 

Dipl.-Kfm./MBA Sergio Nicolas Manjon ist Geschäftsführer der Transaktionsberatung AVANDIL GMBH mit Hauptsitz in Düsseldorf. Die AVANDIL GMBH ist die Spezialistin für den Unternehmensverkauf im Klein- und Mittelstand. Sie berät Unternehmer, die ihr Unternehmen verkaufen möchten und dafür am Markt einen Nachfolger suchen. Eine intensive Käufersuche und die Verhandlungsführung bis zum Kaufvertrag bilden den Beratungsfokus in einem speziell auf Mittelständler zugeschnittenen Verkaufsprozess. AVANDIL schließt mit ihren 20 Mitarbeitern jährlich über 20 Unternehmensverkäufe ab (Stand 2016). Entscheidend für den Erfolg sei die intensive Betreuung aller Transaktionsparteien, gegenseitiges Vertrauen und die nötige Prozesssicherheit zu vermitteln und fundierte  Entscheidungen herbeizuführen, so Manjon. Mit Hauptsitz in Düsseldorf und Büros an wichtigen Wirtschaftsstandorten ist AVANDIL bundesweit und international aktiv. AVANDIL ist Mitglied im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) und im Bundesverband Mergers & Acquisitions (BM&A). Weitere Informationen und Unternehmerstimmen: www.avandil.com





Beiträge von Gastautoren


Kommunikation und Kooperation durch spezielle Angebote fördern

Artikel lesen

Wo sind die Veranstaltungsplaner, die noch keiner kennt?

Artikel lesen

Die Bank nicht aus den Augen verlieren

Artikel lesen