Geschrieben von PREGAS Presseportal, Mittwoch, 5. Oktober, 2016

GoBD: Mit Verstößen ist nicht zu spaßen

Ab 1. Januar 2017 gelten auf jeden Fall neue Vorschriften für den Einsatz elektronischer Kassen, um den Behörden den Datenzugriff zu erleichtern. Für Gastronomen besteht deshalb jetzt akuter Handlungsbedarf.

(PREGAS) Auf Gastronomen kommt nun definitiv Arbeit zu: Ab 1. Januar 2017 gelten auf jeden Fall neue Vorschriften für den Einsatz elektronischer Kassen, um den Behörden den Datenzugriff zu erleichtern. Stichwort dafür ist GobD – „Grundsätze zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff“. Der Gesetzgeber hat die Übergangsfrist nicht verlängert, auf die viele Unternehmer gehofft hatten – sie sind jetzt gezwungen, ihre Kassensysteme zum neuen Jahr in jedem Falle den neuen Regelungen entsprechend anzupassen. Bis zuletzt bestand noch die Chance, dass das Datum verschoben und Wirten damit mehr Zeit verschafft wird, die Struktur auf die neuen Gegebenheiten einzustellen.

frank-kirsten

Frank Kirsten

„Mit Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 26. November 2010 wurden diese Anforderungen an die elektronische Kassenführung definiert: Es müssen künftig sämtliche elektronische Daten der Kassensysteme gespeichert werden. Die Daten müssen mindestens zehn Jahre aufbewahrt werden und dürfen nicht veränderbar sein. Ein Löschen der Einzel-Bons zugunsten des Tagesendsummen-Bons ist unzulässig. Auch die alleinige Aufbewahrung der Endsummen-Bons (Z-Bons) auf Papier ist nicht ausreichend“, nennt Frank Kirsten einige wichtige Punkte, auf die Gastronomen bei der Neueinrichtung der Kasse in jedem Falle achten müssen. Der Steuerberater ist Partner der auf mittelständische Mandate ausgerichteten Steuerberatungsgesellschaft Schnitzler & Partner aus Mönchengladbach und berät unter anderem Hoteliers und Gastronomen in steuerlicher und betriebswirtschaftlicher Hinsicht.

Gleichzeitig gelte, dass alle Organisationsunterlagen rund um die jeweilige Kasse wie etwa Bedienungs- und Programmieranleitungen, Protokolle von Umprogrammierungen wie Artikelstammdatenveränderungen und Bedienereinrichtung wie bisher aufzubewahren seien. Ebenso müsse für jede einzelne Kasse protokolliert werden, in welchen Zeiträumen sie an welchem Ort eingesetzt worden sei. Das gelte auch für Unternehmen, die wegen ihrer Größe von der gesetzlichen Pflicht Buchführung befreit seien, betont der Steuerberater.

„Entspricht das Kassensystem eines Unternehmens nicht den Grundsätzen zur ordnungsmäßigen Führung und Aufbewahrung von Büchern, Aufzeichnungen und Unterlagen in elektronischer Form sowie zum Datenzugriff, darf es nur bis zum 31. Dezember diesen Jahres in Betrieb bleiben.“ Frank Kirsten und seine Kollegen Hubert Schnitzler, Andreas Bartkowski und Joachim Köllmann sehen aber, dass sich viele Unternehmer im Gastgewerbe noch nicht um die rechtliche haltbare Lösung gekümmert hätten. „Doch ihnen läuft langsam die Zeit davon, um die bestehenden Systeme, sofern möglich, umzurüsten oder ein neues anzuschaffen. Die einschlägigen Kassenhersteller haben sehr viel zu tun, sodass Gastronomen nicht darauf bauen können, sehr schnell bedient zu werden.“ Zudem hätte – sofern eine Umrüstung möglich ist – diese längst erfolgen müssen. Die Übergangsfrist bis 31. Dezember 2016 gilt nämlich nur für den Ersatz „nicht umrüstbarer“ Kassen.

Das Risiko ist enorm: „Die nicht GoBD-konformen Kassen sind in jedem Falle ein Verstoß gegen die neuen Vorschriften. Damit ist nicht zu spaßen, es besteht akuter Handlungsbedarf für Unternehmen mit Bargeschäft“, warnt Frank Kirsten. Neben möglichen strafrechtlichen Folgen können die Konsequenzen erheblich sein: Kann ein Betriebsprüfer die Daten der Kassen nicht wie im Gesetz gefordert auslesen, kann das Finanzamt allein aufgrund dieses „formellen“ Fehlers nach Ermessen Umsätze hinzu schätzen, auch wenn tatsächlich kein „materieller“ Fehler vorliegt. Dies führt letztendlich zu Steuernachzahlungen bei der Umsatzsteuer und Einkommen- oder Körperschaftsteuer sowie Gewerbesteuer.

Zudem sind weitere Verschärfungen seitens des Gesetzgebers schon in einem Gesetzesentwurf geplant: Zum Schutz vor Kassenmanipulationen muss das Kassensystem zukünftig eine technische Sicherheitseinrichtung haben, die sicherstellt, das Manipulationssoftware und -einstellung verhindert werden. Des Weiteren soll der Finanzverwaltung eine unangekündigte Kassennachschau ermöglicht werden. Diese Neuregelungen sind bereits ab dem 1. Januar 2020 geplant!

Bildrechte: vladee/Fotolia





Beiträge von Gastautoren


Digitale Drucktechnologie: Keine Angst vor Print

Artikel lesen

Logistisches Angebot bietet zahlreiche Vorteile

Artikel lesen

Vereinswesen – Sargnagel der Gastronomie ?

Artikel lesen