Geschrieben von Thomas Hünicke, Montag, 24. August, 2015

Geldanlage: Der strategische Austausch steht im Mittelpunkt

(PREGAS/Thomas Hünicke) Robo Advisory nennt sich ein Konzept, in dem der Computer die Vermögensverwaltung übernimmt. Strategische Lösungen können Systeme jedoch nicht entwickeln, das kann nur der Mensch. Deshalb steht die Auswahl eines vertrauensvollen Beraters als echter Partner für Hoteliers und Gastronomen im Vordergrund.

Finanzen und Vermögen sind eine sehr diskrete Angelegenheit. Anleger, und dazu gehören natürlich auch Hoteliers und Gastronomen, wollen deshalb einen vertrauensvollen Partner an ihrer Seite, der sich um die Vermögensangelegenheiten im Sinne des Eigentümers kümmert und dabei nur dessen Nutzen in den Vordergrund stellt.

Gleichzeitig wächst ein Segment in der Finanzindustrie, das offenbar eine Alternative zur persönlichen Beratung durch Experte bietet: nämlich die Digitalisierung. Durch FinTech-Lösungen (Financial-Service-Technology) stellen Unternehmen ohne Banklizenz ausschließlich digitale Services beispielsweise zur Geldanlage bereit. Der Unterschied ist offenkundig: Die Dienstleistung findet vollständig im Internet statt, von der Depoteröffnung bis hin zur konkreten Allokation der Gelder. Die Geldanlage kann dann sogar automatisiert administriert werden. Robo Advisory ist das Stichwort. Dabei ist ein Computer-System mit wenig menschlichem Zutun für die Investments zuständig und legt die Gelder ausgehend vom definierten Rendite-Risiko-Profil nach speziellen Mustern an. Das Gespräch mit einem Experten ist nicht vorgesehen.

Doch ist diese digitale Lösung der Weisheit letzter Schluss? Gerade für Anleger, die aufgrund ihrer Profession den täglichen Umgang mit Menschen gewohnt sind, gilt dies sicherlich nicht. Wert als Gastgeber durch den Dienst am Menschen sein Einkommen generiert, will auch in der Geldanlage mit einem Menschen zu tun haben.

Denn der Austausch mit dem Berater macht den Unterschied bei einer langfristig orientierten, strategischen Geldanlage. Sicherlich: Es sprich bei klaren Vorstellungen nichts dagegen, einen gewissen Vermögensteil über digitale Lösungen zu einer sehr niedrigen Gebühr anzulegen und dann jahrelang liegen zu lassen – wobei beispielsweise Vermögensverwalter dafür auch schlanke Fonds-Lösungen anbieten, in denen Anlegergelder zusammengefasst nach der hauseigenen Strategie verwaltet werden, und damit dem Wunsch nach kostengünstigen Lösungen durchaus seit langem entsprechen.

Aber es spricht etwas dagegen, die gesamt Vermögensverwaltung zu digitalisieren und sich nur noch auf Algorithmen etc. zu verlassen und nicht mehr auf den persönlich vertrauten Berater. Denn nur mit diesem können Anleger strategische Ziele besprechen und die Vermögensverwaltung in die allgemeine Zukunftsplanung einbinden. Wofür wird wann Geld benötigt? Wie gehe ich mit meinem Hotel oder Restaurant als Vermögenswert um? Welche besonderen familiären Konstellationen gibt es zu beachten? Ist ein größerer Zu- beziehungsweise Abfluss von Assets zu einem bestimmten Zeitpunkt planbar? Und wie allokiere ich dann meine Gelder, wenn ich weiß, dass ich in spätestens fünf Jahren das Nachbargrundstück zur Betriebserweiterung erwerben möchte?

Diese und mehr Fragen sind für einen dauerhaften Anlageerfolg von Unternehmen sehr wichtig – aber ein Computer-System wird einem Hotelier oder Gastronomen diese Fragen nicht beantworten. Und ein Computer wird auch nie über den Tellerrand hinausschauen, um alternative Wege zum Erfolg aufzuzeigen. Dazu gehört beispielsweise die Veräußerung einer fremdgenutzten Eigentumswohnung genauso wie die Übertragung des Vermögens in eine Stiftung. Das kann nur der versierte Verwalter, nicht der Computer.

Das heißt konkret: Wem das Gespräch mit dem Berater wichtig ist, braucht den Mensch als Partner an seiner Seite. Die Digitalisierung kann maximal ein Hilfsmittel sein, um die operative Arbeit in der Geldanlage zu verschlanken.

Bildrechte:  Denis Junker/Fotolia

Über den Gastautor:

thomas2Thomas Hünicke ist geschäftsführender Gesellschafter der WBS Hünicke Vermögensverwaltung GmbH aus Düsseldorf und führt die unabhängige Vermögensverwaltung gemeinsam mit Andreas Wahlen. Die Anlageprofis besitzen jahrzehntelange Kapitalmarkterfahrung und sind Experten für die individuelle Verwaltung größerer Kundenportfolios und das Management eigener vermögensverwaltender Fonds.

Weitere Infos: www.wbsh-vv.de





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