Geschrieben von Tim Banerjee, Mittwoch, 24. Juni, 2015

Gebotene Sorgfalt bei Transaktionen walten lassen

(PREGAS/T.B.) Viele Hoteliers und Gastronomen wollen ihre Betriebe verkaufen, da sich kein Nachfolger in Familie oder unter den Mitarbeitern findet. Für Käufer bedeutet das gute Chancen, ihre Unternehmen zu vergrößern. Sie sollten vor einem Erwerb aber gemeinsam mit einem versierten Rechtsanwalt das Objekt der Begierde genau überprüfen.

Alle Welt spricht vom demografischen Wandel, vom Mitarbeiter- und Fachkräftemangel, von der schwierigen Suche nach motivierten Menschen, die unternehmerische Verantwortung übernehmen wollen. Das gilt auch in Gastronomie und Hotellerie: Eine große Zahl von Unternehmen steht in der kommenden Jahre zur Übergabe aus Altersgründen bereit, doch in vielen Fällen bietet sich kein geeigneter Nachfolger beispielsweise in der Familie oder im Mitarbeiterstab an, um ein Haus weiterzuführen.

Das bedeutet große Chancen für andere Unternehmer, ihre Betriebe zu erweitern, indem sie am Markt zukaufen. Das kann der direkte Konkurrent sein, um in der eigenen Stadt Marktanteile zu erhöhen, das kann aber auch ein völlig anders aufgestelltes Hotel oder Restaurant in der Region sein – Hauptsache, das avisierte Ziel lässt sich sinnvoll in die unternehmerische Gesamtstruktur einbinden und bringt den Käufer wirklich weiter.

Der muss aber auch auf einige Fallstricke bei einer solchen Unternehmenstransaktion (M&A – Mergers & Acquisitions) achten. Einfach hingegen, Preis verhandeln, Kauf finanzieren und fertig ist definitiv der falsche Weg. Auch bei kleinen und mittleren M&A-Deals kommt es auf absolute Rechtssicherheit an, damit kein Fehler passiert, der das Unternehmen in seinem Bestand gefährden oder sonstwie in stürmische Gewässer treiben könnte.

Im Mittelpunkt der vor allem gesellschaftsrechtlichen Fragestellungen steht die sogenannte „Due Diligence“-Prüfung. Im Rahmen dieses Vorgangs macht sich der potenzielle Käufer – gemeinsam mit Rechts-, Steuer- und vielleicht auch Finanzierungsberater – ein genaues Bild über den Zustand eines Unternehmens. Due Diligence bedeutet „besondere Sorgfalt“ und umfasst die Überprüfung wirtschaftlichen, rechtlichen, steuerlichen und finanziellen Verhältnisse. Mit dieser Überprüfung – die der Käufer dringend von wirtschaftsrechtlich versierten Beratern durchführen lassen sollte – sichert sich der Käufer ab und ermittelt, ob die vorliegenden Zahlen und Fakten mit seinen Vorstellungen übereinstimmen, ob die Angaben des Verkäufers stimmen und vieles andere mehr. Von den Ergebnissen der Due Diligence-Prüfung hängen im Wesentlichen auch die Preisverhandlungen ab – entspricht ein Unternehmen voll und ganz den Vorstellungen eines Interessenten, wird er bereit sein, einen höheren Preis zu zahlen als für einen Betrieb, in dem er verschiedene Bereiche, womöglich zu höheren Kosten, nachjustieren muss, etwa bei ausstehenden Lieferantenrechnungen, Umweltrisiken etc.

In der Rechtsberatung wird im Wesentlichen von sieben Kernbereichen bei einer Due Diligence-Prüfung gesprochen: Marktbezogene Due Diligence; Gesellschaftsrechtliche Due Diligence; Finanzielle Due Diligence; Technische Due Diligence; IP Due Diligence; personelle Due Diligence; umweltbezogene Due Diligence. Erst wenn diese Fragestellungen umfassend und zur Zufriedenheit beantworten worden sind, sollte eine Transaktion vollzogen werden.

Spart ein Unternehmer jedoch an der wirtschaftsrechtlichen Beratung, kann ihm das nicht nur ein „faules Ei“ einbringen – sondern möglicherweise auch rechtliche Probleme, Stichwort sind die Haftungsrisiken. Lässt ein Geschäftsführer es bei einem Unternehmenskauf an der gebotenen Sorgfalt mangeln, kann er im Falle einer Insolvenz mit seinem Privatvermögen haftbar gemacht wird, um so Verluste des Unternehmens bei den Schuldnern auszugleichen.

Bildrechte: macgyverhh/Fotolia

 

Über den Gastautor:

Tim Banerjee

Tim Banerjee ist Rechtsanwalt und namensgebender Partner bei Banerjee & Kollegen, einer Sozietät von Rechtsanwälten in Mönchengladbach, die sich auf die umfassende zivil- und wirtschaftsrechtliche Beratung und Begleitung von Mandanten spezialisiert hat.

Weitere Informationen unter www.banerjee-kollegen.de.

 





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