Geschrieben von Burkhard Küpper, Montag, 11. September, 2017

Erbschaftsteuer: Probleme durch Weitsicht vermeiden

(PREGAS/Burkhard Küpper) Das Vermögen kann durch eine Erbschaft geschädigt werden, wenn die Übertragung nicht steuerlich sauber geplant wird. Denn es gibt Gestaltungsmöglichkeiten, um das Vermögen zu schonen.

Weitsicht, Weitsicht, Weitsicht: Darauf kommt es für jeden Unternehmer an. Natürlich treten immer wieder unvorhergesehene Situationen auf, auf die man kurzfristig reagieren muss – sei es der plötzliche Personalausfall, ein unerwarteter Großauftrag oder auch eine völlig verhagelte Sommersaison. Dann sind das unternehmerische Fingerspitzengefühl und die Entscheidungsfreudigkeit gefragt, um die Situation zu klären.

Aber sonst gilt der Dreischritt von „Weitsicht, Weitsicht, Weitsicht“. Denn sowohl steuerliche als auch strategische Fragestellungen lassen sich am besten klären, wenn man ruhig und gelassen mit einem ordentlichen zeitlichen Polster daran geht, diese Themen zu strukturieren.

Das zeigt sich vor allem hinsichtlich Schenkung und Erbschaft. Dabei kommt es auf eine genaue Planung an, um Problemen zu entgehen – denn wenn der Erbfall erst einmal eingetreten ist, lässt sich nichts mehr gestalten. Vielmehr kann eine allzu späte Planung dazu führen, dass das Erbe in der Substanz geschädigt wird. Das ist sowohl bei unternehmerischen als auch privaten Vermögen sehr ärgerlich. Vor allem dann, wenn man diesen Fall auch hätte ohne Weiteres verhindern können.

Um dafür ein Beispiel zu geben: Ein Hotelier verfügt über ein gesamtes Firmenvermögen von zehn Millionen Euro (inklusive Immobilien etc.) und über ein Privatvermögen von zwei Millionen Euro, das sich auf zwei Immobilien und liquides beziehungsweise Aktienvermögen aufteilt. Einziger Erbe ist sein Sohn, der auch den Betrieb übernehmen wird. Jetzt verstirbt der Unternehmer, und das gesamte Vermögen fällt dem Sohn zu, da die Mutter anderweitig versorgt ist.

Was passiert steuerlich? Für das Privatvermögen kann der Sohn eine Freigrenze in Höhe von 400.000 Euro ausnutzen, sodass 1,6 Millionen Euro des Erbes besteuert werden. Die Erbschaftsteuer wird nach der Erbschaftsklasse berechnet. Ehegatte und Kinder als die typischen Erben fallen unter die Erbschaftsklasse 1 und zahlen damit zwischen sieben und 30 Prozent Steuer auf den Erwerb, je nach Größenordnung. Bei einer Erbschaft zwischen 600.000 und sechs Millionen Euro beispielsweise werden 15 Prozent Steuer fällig. Daraus resultiert also eine Steuerlast von 240.000 Euro, die der Erbe auf einen Schlag aufbringen muss. Dass dies in der Regel nur aus dem übertragenen Vermögen passieren kann, versteht sich von selbst.

Dieses Problem hätte die Familie weit im Vorfeld lösen können, indem sie die Gestaltungsmöglichkeit der Schenkung ausgenutzt hätte. Alle zehn Jahre lässt sich nämlich der Freibetrag aktivieren. Hätte der Hotelier bereits eine Tranche des Vermögens an Frau und Sohn steuerfrei übertragen (und die Frau auch noch als Erbin eingesetzt), wäre überhaupt keine Steuer angefallen. Aufgrund der sehr simplen Gestaltung der Vermögensnachfolge jedoch, die keinerlei Optimierungsmöglichkeiten in Betracht gezogen hat, wird das Vermögen um fast eine Viertel Million Euro geschädigt.

Und nicht zu vergessen die Erbschaftsteuer auf Unternehmensseite. Zwar ist der Betrieb aufgrund der Größe unter gewissen Bedingungen von der Erbschaftsteuer befreit – aber auch nur für die Vermögensteile, die als betriebsnotwendig angesehen werden und damit verschonungsfähig sind. Zum nicht verschonungsfähigen Betriebsvermögen zählen beispielsweise verpachtete Grundstücke, bestimmte unternehmerische Beteiligungen und andere Vermögenswerte wie neuerdings auch Oldtimer, Yachten und Segelflugzeuge. Dieses sogenannte Verwaltungsvermögen unterliegt grundsätzlich der Besteuerung und kann, je nach Höhe, sogar dazu führen, dass gar keine Steuerverschonung bei der Vermögensübertragung möglich ist.

Auch hier gilt es, frühzeitig die richtigen Schritte einzuleiten und bestehende Regelungen aktiv zu den eigenen Gunsten auszunutzen. Denn wer der Erbfall einmal eingetreten ist, ist es zu spät – mit allen teuren Konsequenzen.

Bildrechte: Zerbor/Fotolia

 

Über den Gastautor:

Burkhard_Küpper_300

 

Burkhard Küpper ist geschäftsführender Gesellschafter der auf gewerbliche Mandate spezialisierten Albers & Kollegen Steuerberatungsgesellschaft aus Hilden (www.steuerberatung-albers.de), der Faerber & Küpper Steuerberatungsgesellschaft aus Hilden (www.faerber-kuepper.de) und der KD Steuerberatungsgesellschaft aus Dortmund (www.steuerberatung-kd.de). Die Gesellschaften begleiten mittelständische Unternehmen aus ganz Deutschland – unter anderem Hoteliers und Gastronomen – bei allen steuerlichen und betriebswirtschaftlichen Fragen und besitzen besondere Kompetenzen in der Restrukturierung von Unternehmen. Ebenso arbeiten die Kanzleien mit einer Volldigitalisierung der Belege.





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