Geschrieben von PREGAS Presseportal, Mittwoch, 16. März, 2016

„Die Sanierung ist kein temporäres Kurieren offener Brüche“

(PREGAS) Georg F. Kreplin ist Insolvenzverwalter und Sanierungsberater in der überörtlich tätigen Kanzlei Kreplin & Partner (www.kreplin-partner.de) mit Hauptsitz in Düsseldorf. Im Interview mit der Pregas-Redaktion berichtet der Rechtsanwalt, wie Insolvenzverfahren verlaufen und welche Möglichkeiten für Hoteliers und Gastronomen existieren, um ihren Betrieb in einer möglichen Krise zu sanieren.

Herr Kreplin, Sie haben mit Ihrer Kanzlei Kreplin & Partner schon mehrere Insolvenzverfahren in Hotellerie und Gastronomie durchgeführt. Wieso geraten Unternehmen im Gastgewerbe in solche dramatischen wirtschaftlichen Schwierigkeiten?

kremplinGeorg F. Kreplin: Das kann vielfältige Gründe haben, die sich aber zwingend von denen in anderen Branchen unterscheiden. Falsche kaufmännische und strategische Entscheidungen, eine problematische Marktpositionierung, eine generell schlechte Konjunktur – schon ein Punkt oder mehrere davon zusammen können zu einer Krise führen. Diese wird vor allem dann verstärkt, wenn der Unternehmer diese nicht erkennt oder erkennen will. Das führt regelmäßig in die Insolvenz.

Gibt es denn einen Ausweg aus der Insolvenz? Man denkt dabei ja in erster Linie an die Liquidation eines Unternehmens.

Georg F. Kreplin: Natürlich muss man festhalten: Eine Insolvenz ist nichts, das man als Unternehmer unbedingt braucht – aber sie ist auch nicht das Ende. Mit einer Insolvenz muss nicht automatisch „Schluss“ sein. Insolvenzverwalter sind heute, im Gegensatz zu früher, vielfach auch Sanierungsexperten, denen daran gelegen ist, möglichst in Abstimmung mit der Geschäftsführung einen insolventen Betrieb wieder in die Erfolgspur zurückzuführen. Das ist in aller Regel auch die bestmögliche Lösung für die Gläubiger, die bei einer Betriebsfortführung meist mit wesentlich höheren Quoten rechnen können als bei einer Schließung. Mit Blick in die Vergangenheit haben Sie aber übrigens Recht: Noch in den 90er Jahren kam eine Insolvenz letztlich häufig einer Zerschlagung des Unternehmens gleich.

Das heißt also, dass ein Hotelier oder Gastronom sein Unternehmen am besten in die Insolvenz steuert, wenn die Krise zu groß wird, weil der Insolvenzverwalter es schon richten wird?

Georg F. Kreplin: Nein, das heißt es definitiv nicht. Im Mittelpunkt eines Insolvenzverfahrens steht rechtlich verpflichtend immer die bestmögliche Befriedigung der Gläubiger, das Unternehmen kommt erst an zweiter Stelle. Dennoch stehen Instrumente zur Verfügung, ein Insolvenzverfahren so durchzuführen, dass der Alt-Eigentümer nach Abschluss sogar in unternehmerischer Verantwortung bleiben kann. Stichworte dafür sind die Eigenverwaltung und das Insolvenzplanverfahren.

Sie haben von der Sanierungskompetenz vieler Insolvenzverwalter gesprochen. Besteht denn die Möglichkeit für gastgewerbliche Unternehmer, eine Sanierung auch durchzuführen, um eine Insolvenz zu vermeiden?

Georg F. Kreplin: Da sprechen Sie einen wichtigen Punkt an. In der Tat besteht die Möglichkeit der vorinsolvenzlichen Beratung auch im Gastgewerbe, wenn es sich für einen Betrieb anbietet. Es muss natürlich leistungswirtschaftlich Sinn ergeben, damit keine Kröten am Markt gehalten werden. Es gelten dabei die gleichen Prinzipien wie bei der Sanierung im Insolvenzverfahren, nur eben ohne die rechtlichen Regelungen dahinter.

Auf was kommt es dabei an?

Georg F. Kreplin: Das Wichtigste ist, dass Unternehmer eine wirtschaftliche Krise nicht als persönliche Schuld ansehen und sich früh genug um eine Beratung kümmern. Der Faktor Zeit ist von hoher Bedeutung, je eher der Unternehmer Hilfe sucht, desto mehr ist zu retten. Je länger der Betroffene wartet, desto mehr Geld wird versenkt, und desto schwieriger wird es natürlich, eine professionelle Lösung zu finden. Der Unternehmer hat als Auftraggeber volles Mitspracherecht bei allen Entscheidungen und bearbeitet den Fall gemeinsam mit dem Sanierungsberater. Er muss aber ehrlich sein und die Sanierung wirklich wollen. Sonst kann das Zusammenspiel nicht klappen.

Wie können sich Unternehmer eine Sanierung vorstellen? Was passiert dabei? Und wie erkennen sie eine Krise eigentlich?

Georg F. Kreplin: Wir stellen die richtigen Fragen, auch wenn sie schmerzlich sein können: Können Unternehmensteile verkauft werden? Wie funktioniert die Neupositionierung am Markt? Können Speisen- und Getränkeangebot angepasst werden? Sind neue Lieferverträge und eine Verringerung der Kostenlast möglich? An welchen Stellen sind Management-Fehler gemacht worden? Lassen sich Finanzierungsmöglichkeiten nutzen, um Altlasten abzulösen? Wir durchleuchten das Unternehmen vollständig und restrukturieren es in allen notwendigen Bereichen. Und zwar so, dass wir die Fehler der Vergangenheit korrigieren und für die Zukunft vermeiden. Die Sanierung ist kein temporäres Kurieren offener Brüche. Wir heilen die Ursachen, damit sie in der Zukunft nicht mehr auftreten. Und die beginnende oder bereits existente Krise lässt sich an den Kennziffern ablesen. Wenn die Umsätze und Gewinne einbrechen, Rechnungen immer wieder aufgeschoben werden und die Bank besorgt nachfragt, wird es höchste Eisenbahn.

In einer Krise ist das Geld ohnehin knapp. Ist es dann nicht vielleicht problematisch für den Unternehmer, wenn er zusätzlich noch einen Sanierungsberater zahlen muss?

Georg F. Kreplin: Ja, der Sanierungsberater kostet Geld. Aber die Insolvenz mit ihren möglichen Konsequenzen kann viel einschneidender werden als die Honorarzahlung, wenn die Sanierung außerhalb der Insolvenz funktioniert hat.

Bildrechte: Gross Vitalij/Fotolia

 

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