Geschrieben von Dirk Rottmüller, Freitag, 16. Januar, 2015

Der sexy Fast-Food-Arbeitgeber

(PREGAS/Dirk Rottmüller) Welch schwere Zeiten musste die Gastronomie in den letzten Monaten durchlaufen. Öffentliche Diskussionen über Hygienestandards innerhalb der Systemgastronomie, die ständige Berichterstattungen in den Medien über schlechte Arbeitsbedingungen bei den Big Playern der Branche, dazu noch die andauernde minderwertige Entlohnungsdiskussion bei regelmäßigen und oftmals unbezahlten Überstunden.  Keine Zeit für die Gastrobranche auch nur mal kurz durchzuatmen und Luft zu holen. Die aktuelle Kritik in der Öffentlichkeit ist lauter denn je. Und versucht der kämpfende Gastronom dann durch zusätzlich besserqualifiziertem Personal diese Misere zu überwinden, verzweifelt er recht schnell aufgrund der geringen Anzahl an ausreichenden Interessenten und geeigneten Kandidaten.

Zwar steigt die Zahl der sozialversicherungspflichten Beschäftigen in der Gastronomie stetig an und hat im Jahr 2013 mit knapp 632.000 einen neuen Höchststand erreicht. Doch hat ein Arbeitssuchender die Wahl, wird immer häufiger versucht die Gastronomiebranche, wenn irgendwie möglich, als Beschäftigungsfeld zu meiden. Folglich unterliegen heutzutage die rund 165.000 Gastronomiebetriebe in Deutschland mehr denn je einen knallharten Mitarbeiterwettbewerb. Die Notwendigkeit des Gastronomen, sich als hoch attraktiver Arbeitgeber gegenüber  den wenigen in Frage kommenden Bewerbern zu präsentieren, ist deshalb unausweichlich. Bedenkt man, dass dies bei all den Diskussionen ein schwieriges, ja vielleicht sogar unmögliches Unterfangen ist, ist die Ausweglosigkeit bei manchen sicherlich schon sehr akut. Dennoch geben einige Beispiele wieder Mut zur Hoffnung.

Unser Blick richtet sich dabei über den großen Teich: In den USA ist vor kurzem die Kalifornische Kultburgerkette „In-N-Out“ zu einem der besten Arbeitgeber der Vereinigten Staaten gewählt worden. Eine der bekanntesten Internetseiten für Arbeitgeberratings in den USA, hat die Burgerkette auf Platz 7 unter den 50 größten Unternehmen gekürt. Vielmehr haben die Angestellten der entsprechenden Unternehmen selbst  diese Rankings ermittelt. Die Platzierung von „In-N-Out“ ist schon beachtlich, bedenkt man, dass dahinter Unternehmen wie Facebook (13.), Apple (22.) oder auch Ford (35.) zu finden sind. Zwar reicht die Attraktivität des Burgerunternehmens noch nicht an die des Topplatzierten Google heran. Betrachtet man aber die Gründe genauer, so versteht man warum „In-N-Out“ mit seiner Mitarbeiterpolitik die Platzierung unter den Top 10 schaffte.

Kann also Braten der Burger und Frittieren der Pommes ein gastronomisches Unternehmen doch sexy machen? Als wichtigsten Grund für die hervorragende Bewertung der Mitarbeiter wurde ganz klar die Anerkennung und Honorierung der Leistungen durch die Unternehmensleitung genannt. Zudem wird die oftmals sehr anstrengende und getaktete harte Arbeit am Bräter oder Kasse auch stets mit entsprechender Entlohnung gewürdigt. Work hard, have fun, make money. Das lässt sich schon am Einsteigergehalt erkennen. Hier liegt die Bezahlung schon bei beachtlichen 17% über dem des nationalen Mindestlohns. Nun sagen einige verständlicherweise, dass monetäre Anreize natürlich nicht ständig die Attraktivität des Arbeitsplatzes nach oben treiben können. Dessen ist sich durchaus auch die Managementspitze dieses Kultunternehmens bewusst. Daher versucht sie durch perfekt geplante und durchorganisierte Unternehmensabläufe dem Arbeitnehmer ein weitestgehend kurzweiliges Arbeiten zu ermöglichen. Monotonie und Langeweile sind schlichtweg verboten. Weitere Vorteil für die Mitarbeiter: Dank perfektem Management entstehen planbare und flexible Schichtpläne. Der Angestellte kann sich auch mal dann frei nehmen, wenn er oder sie es wirklich möchte. Wertschätzung der Mitarbeiter ist das Zauberwort der Geschäftsführung. Wertgeschätzt und professionell geführt. Dadurch erfahren die Angestellten eine einzigartige „Wohlfühl-(Arbeits-)Atmosphäre“ und vergleichen diese Situation dann auch ganz gerne mal wie als ein Teil einer Großfamilie zu sein.

Selbstverständlich zahlen viele gastronomische Betriebe in Deutschland ebenfalls sehr gut – oftmals deutlich über Mindestlohn. Ebenso erfahren die Mitarbeiter eine einzigartige Wertschätzung durch ihre Vorgesetzten oder ihren Betrieb. Doch bedauerlicherweise nicht alle und schon gar nicht überall. Die schwarzen Schafe der Branche werden nach wie vor ihren veränderungsresistenten Beitrag leisten und weiterhin dafür sorgen, dass das Negativimage eines „unsexy Arbeitgebers“ stets mit ausreichend Nahrung versorgt wird. Bleibt nur zu hoffen, dass durch den Druck des enormen Mitarbeiter-  aber auch des Gästewettbewerbs sie letztlich doch noch zum Umdenken bewegt.

Bildquelle: Pixabay





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