Geschrieben von Sigrid Jo Gruner, Mittwoch, 7. Januar, 2015

Cava für alle!

(PREGAS/S.J.G.)Dort wo sich ein nobles Getränk gesellig unter die Leute mischt.

Noch ist das Jahr rosig wie ein Frischling im Frühling – die letzten Champagnergläser stehen halbgeleert und in zwangloser Gesellschaft von Austernschalen und Hummerzange in der Küche  – es riecht nach Rollmops, Böllerrauch, kubanischen Zigarillos. Schön war’s, dieses Silvester. Nun wird’s Zeit, den neuen Vorsätzen, die immer auch die alten sind, ins Auge zu blicken.

Was tun mit dem angefangenen Jahr?

Dass ein solches In-sich-gehen sauertöpfisch ausgehen könnte, wissen wir, daher flüchten wir auf die wintersonnenbestrahlte Terrasse, werfen uns eine Decke um und lassen einen Korken knallen. Nein, keinen Champagner. Man muss vernünftig sein. Cava ist der Champagner des Alltags, die Wonne des kleinen Mannes. Cava? Ja doch – Prickelndes aus Spanien, Katalonien, um genau zu sein. Der erste Schluck – eiskalt – wohlig – perlend. Es zischt, es kitzelt am Gaumen und bringt das neujahrsträge Blut in Wallung, lässt unsere Augen glänzen. Was liegt näher als die ersten Reisepläne des Jahres zu schmieden? Barcelona, entscheiden wir fix und unisono. Wegen Gaudí, aber vor allem ihretwegen – der Xampanyeria barcelona, 7, Carrer della Reina Cristina. Olà – bienvenida 2015!

Nichts für Leute mit Platzangst!

Sie ist nicht die einzige und zweifellos auch nicht die schickste im hippen Barcelona doch unbestritten die Champagnerbar mit der schrägsten Atmosphäre und von einzigartiger Originalität. Man muss im Hafenquartier nicht lange nach ihr suchen. Babylonisches Stimmengewirr und donnernde Lachsalven orten sie. Umrundet von Kühlschränken und hochgestapelten Flaschen, drängeln sich im „Can Paixano“ Aficionados und Genusstrinker, Nachtschwärmer und Alltagsflüchtlinge in Dreierreihen und solidarischem Miteinander um die hauseigenen Qualitäts-Cavas. Zwischen 9.30 (!) und 22.30 Uhr. Sonntags nie. Die Preise bewegen sich unter dem Existenzminimum, duftende Schinken und deftige Würste baumeln in Regimentsstärke über den Köpfen der sichtlich animierten Gäste und grandiose Bocadilos werden aus der Hand genascht. Der „Palast“-Bezug im Lokalnamen ist selbstironisches Augenzwinkern.

Ausgeschenkt wird in vier Qualitätsstufen und Preisklassen. Eine copa beginnt beim milden Cava Selecte unter einem Euro und endet mit dem Brut Nature etwas darüber, die botella wandert für 4 bis 7 Euros über den Tresen. Köstlich-spritzig sind sie alle, exzellent der Rosat. Hat man sich zum dritten Glas vorgesüffelt besteht der Barmann auf Verzehr, und eine ganze Flasche muss von zwei Entrepans abgefedert werden. Bodenständige Happen mit Serrano, Sardinen, Wurst oder Grillfleisch und die Plato de Chorizo y Pimiento Lomo Queso fachen – da mutig gewürzt – den Durst weiter an.

Sicherlich gibt es in der katalonischen Metropole feinere champanieras mit zugegeben raffinierterer Küche. Doch nirgends sollen die Gäste interessanter, die Stimmung überschäumender sein als im „Can Paixano“.

Hingabe an den Cava

Nach der Flaschengärmethode aufgezogen steht der Original-Cava aus traditionellen Kellereien den burgundischen Crémants nicht nach und ist einem zweitklassigen französischen Champagner bedenkenlos vorzuziehen. Mindestens 9 Monate liegt er auf der Hefe, als Jahrgangscava 18, als Gran Riserva 30. Jährlich spenden die Rebsorten Macabeo, Parellada, Garnacha, Monastrell und Pinot Noir der Provinz Penedès rund 200 Millionen Flaschen. Ein Fünftel geht aus einer einzigen Großabfüllung allein nach Deutschland. Unerreicht im Preis-Leistungsverhältnis wartet der Cava brut der kleineren Eigenvermarkter bei uns noch auf den erlösenden Dornröschen-Kuss.

Über die Gastautorin :

gruner2Sigrid Jo Gruner (www.missword.de) ist seit über 20 Jahren als Kommunikationsberaterin, Texterin, Autorin, Journalistin tätig. Als „MissWord!“ betreibt sie ein Redaktionsbüro für Strategische Beratung, Konzept, Text & Content (Web & PR, Infotainment, Texttuning) für Unternehmen, Freiberufler,  Institutionen, Webshops, Onlinemedien. Ihr Blog „1a-Grenadas“ bespielt Themen aus Kommunikation & Food, der Missword! Newsroom Medienarbeit & Content Marketing. Kernbranchen: Food & Kulinarik, Hotellerie  & Travel, LebensKunst in allen Spielarten.

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