Geschrieben von Manuela Müller, Sonntag, 20. Dezember, 2015

Abmahnung und Kündigung: Fehler vermeiden

(PREGAS/Manuela Müller) Mündliche Kündigung, unvollständige Abmahnung und mehr: Unternehmer können schnell in problematische Situationen kommen, wenn sie arbeitsrechtlich nicht sauber vorgehen.

In der Küche geht es bei voll besetztem Haus im wahrsten Sinne des Wortes heiß her. Der Chefkoch und Inhaber treibt seine Mitarbeiter noch etwas mehr ans sonst, die Zeit ist knapp, der ohnehin immer etwas raue Küchenton heute noch etwas ruppiger. Dann passiert dem Beikoch ein eigentlicher marginaler Fehler, der Chef geht in die Luft, ein Wort gibt das andere – das Ende vom Lied ist, dass der Beikoch mit einem „Ich kündige“ wutschnaubend den Betrieb verlässt.

Selbst wenn sich der Inhaber nun vielleicht freut, einen nörgeligen Mitarbeiter losgeworden zu sein – so einfach ist das nicht. Denn selbst wenn der Unternehmer die Kündigung nun form- und fristgerecht bestätigt, ist sie unwirksam. Es gilt die Regel: Eine mündliche ausgesprochene Kündigung, egal von welcher Seite, ist immer unwirksam, es können noch so viele Zeugen dafür zugegen sein. Aufgrund dessen muss der Unternehmer seinen Beikoch auch wieder ganz normal einsetzen, wenn er zur nächsten Schicht wieder auf der Matte steht, zum Beispiel weil Partner oder Familie ihn dazu gedrängt haben. Verweigert der Inhaber dann den Einsatz, kann das unerfreuliche Konsequenzen haben. Schließlich besteht ein reguläres Dienstverhältnis, durch das der Arbeitgeber verpflichtet ist, seine Angestellten arbeiten zu lassen.

Ebenso problematisch ist die mündliche Abmahnung als Grundlage für eine spätere Kündigung. Diese muss sehr konkret auf den jeweiligen Fall bezogen sein und dabei der Zeitpunkt oder -rahmen und die betreffende Verfehlung miteinbeziehen. Darüber hinaus muss der Arbeitgeber seinen Mitarbeiter hinreichend über die möglichen Konsequenzen aufklären. Dass dies im Zweifel schwer nachzuweisen ist, sollten Unternehmer grundsätzlich auf eine schriftliche Abmahnung zurückgreifen.

Doch selbst dabei lauern so manche Fallstricke, eine Abmahnung unterliegt strengen Regularien – Vordrucke aus dem Internet taugen definitiv nicht für Unternehmen, die rechtssicher vorgehen wollen. Es lohnt sich, eher einmal mehr als einmal zu wenig mit einem arbeitsrechtlich versierten Juristen zu sprechen, bevor bei einer Abmahnung ein Fehler passiert – und diese dann ungültig ist. Das kann schon aufgrund eines Formfehlers der Fall sein, zum Beispiel eine fehlende Auflistung, gegen welche Punkte seines Arbeitsvertrags beziehungsweise mündliche Absprachen im Rahmen des Arbeitsverhältnisses er verstoßen hat. Wird dies vergessen, hat der Arbeitgeber die Möglichkeit einer Abmahnung in dem konkreten Falle versäumt. Das ist besonders ärgerlich, wenn einer Abmahnung wegen mehrerer Verfehlungen ausgesprochen werden soll. Ein Formfehler, und schon ist die ganze Abmahnung dahin.

Das will heißen: Unternehmer sind bei Abmahnungen und Kündigen auf echte und fundierte anwaltliche Beratung angewiesen, um (teure) Fehler zu vermeiden. An arbeitsrechtlicher Expertise zu sparen heißt, am falschen Ende zu sparen.

Bildquelle: Sergey Nivens/Fotolia

 

Über die Gastautorin:

manuela müller 300

Manuela Müller ist Rechtsanwältin und Fachanwältin für Arbeitsrecht bei Banerjee & Kollegen, einer Sozietät von Rechtsanwälten in Mönchengladbach, die sich auf die umfassende zivil- und wirtschaftsrechtliche Beratung und Begleitung von Mandanten spezialisiert hat.

Weitere Informationen unter www.banerjee-kollegen.de.

 

 





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