Geschrieben von Sascha Wortmann, Sonntag, 17. September, 2017

Ab 2018: Neue Anforderungen bei der betrieblichen Altersvorsorge

(PREGAS/Sascha Wortmann ) Der Gesetzgeber hat mit dem aktuell beschlossenen Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) neue Regeln für die betriebliche Altersversorgung aufgestellt. Das führt zu neuem Beratungsbedarf.

Die betriebliche Altersversorgung (bAv) ist ein immer wichtigeres Modell, damit Arbeitnehmer privat für die Rente ein Vermögen aufbauen können – auch in Gastronomie und Hotellerie, unterstützt von ihren Arbeitgebern und gesetzlich gefördert. Gerade im Gastgewerbe ist dies wichtig. Zum einen sind die Gehälter oft eher unterdurchschnittlich, sodass für eine strukturierte private Altersvorsorge häufig kaum etwas übrig bleibt. Zum anderen ist die Branchenlösung hogarente zum Jahresende 2016 geschlossen worden, sodass Hoteliers und Gastronomen jetzt nicht mehr auf diese Gastgewerbe-spezifische Instrument für die betriebliche Altersversorgung zugreifen können.

Jetzt hat der Gesetzgeber mit dem aktuell beschlossenen Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) neue Regeln für die betriebliche Altersversorgung aufgestellt. Kernpunkt des neuen Gesetzes ist die Möglichkeit, eine betriebliche Altersversorgung per Tarifvertrag im Unternehmen einzuführen. Das Gesetz wird zum 1. Januar 2018 in Kraft treten. Die Tarifpartner sollen künftig auf tariflicher Grundlage reine Beitragszusagen einführen dürfen. Dabei sind Mindest- oder Garantieleistungen für Arbeitnehmer verboten. Im Gegenzug werden Arbeitgeber von der Haftung befreit („pay and forget“).

Bislang können sich für Unternehmen erhebliche Haftungsfragen ergeben, denn sie müssen – vor allem bei der üblichen Form der Direktzusage – für die Summe der einbezahlten Beiträge gerade stehen, dies sieht die Ausfallhaftung bei Entgeltumwandlung in der betrieblichen Altersvorsorge vor. Sind nicht zu jedem Zeitpunkt in etwa die Summe der einbezahlten Beiträge vorhanden, muss der Arbeitgeber dafür aufkommen, wenn der Mitarbeiter auf sein Geld zugreifen will. Durch die Einbindung der Tarifpartner im Rahmen des Betriebsrentenstärkungsgesetzes kann erstmals eine betriebliche Altersversorgung angeboten werden, für deren dauerhaftes Leistungsniveau der Arbeitgeber nicht haften muss. Der Arbeitgeber steht lediglich für die sogenannte Zielrente, also eine vorab definierte Betriebsrente entsprechend der eingebrachten Beiträge ein, nicht für deren Rendite.

Zugleich verändern sich aber auch die Pflichten für Arbeitgeber. Bislang können sie die durch die bAv eingesparten Sozialversicherungs- und Lohnsteuerbeiträge der einzelnen Mitarbeiter einbehalten, wobei viele Unternehmen sie freiwillig als Zuschuss für die Altersversorgung geleistet haben. Mit dem neuen Gesetz wird ein gewisser Zuschuss zur Verpflichtung. Bei reiner Beitragszusage soll der Arbeitgeber im Falle einer Entgeltumwandlung verpflichtet werden, mindestens 15 Prozent des umgewandelten abgabenfreien Entgelts als Zuschuss an die Versorgungseinrichtung zu zahlen. Und bei der Entgeltumwandlung ist der Arbeitgeber ab 2019 verpflichtet, den von ihm ersparten Arbeitgeberanteil an den Sozialversicherungsbeiträgen in pauschalierter Form an die durchführende Versorgungseinrichtung weiterzuleiten (nicht bei Direkt- und Unterstützungskassenzusagen).

Insofern erfordert die Einrichtung eines bAv-Systems weiterhin einen sehr hohen Beratungsaufwand, um das Angebot wirklich zu einem Erfolgsmodell werden zu lassen. Einem Betrieb ist nicht mit einer Lösung zwischen Tür und Angel geholfen, die die Einzahlung in ein X-beliebiges Produkt vorsieht. Sondern es muss eine Strategie entwickelt werden, mit deren Hilfe Arbeitnehmer und Arbeitgeber zugleich von der bAv profitieren können.

Bild: © Marco2811/Fotolia

 

Über den Gastautor:

Sascha Wortmann

 

Sascha Wortmann ist Inhaber der Wortmann Finanzen & Beratung (www.wortmann-fin.de) in Mönchengladbach und berät private und institutionelle Anleger bei allen Fragen rund um Finanzen und Versicherung. Dabei konzentriert er sich mittels individueller Lösungen besonders auf Aufbau und Absicherung von Vermögen und berät Anleger bei der langfristigen Strukturierung ihres Kapitals. Sascha Wortmann begleitet seine Kunden eng und sucht regelmäßig das Gespräch – auch um das Bauchgefühl bei allen





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